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Am Holocaust-Gedenktag erinnern Antifaschisten an Opfer und Wegbereiter des Nationalsozialismus in Dortmund

Provisorische Tafeln aus Pappe erinnern an die Ruhrlade. Fotos: Klaus Hartmann

Provisorische Tafeln aus Pappe erinnern in der Hainallee an die Ruhrlade. Fotos: Klaus Hartmann

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz durch die sowjetische Armee erinnerte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes den Opfern des Nationalsozialismus. Darüber hinaus erinnerte die Vereinigung, die in diesem Jahr ihren 70. Gründungstag feiert, auch an die Täter und Unterstützer, die das Unrecht und den Holocaust erst möglich gemacht haben.

Die ehemalige Villa Springorum war Ort eines folgenreichen Treffens von Großindustriellen

Mahnwache an der Villa Springorum und Gedenken am Mahnmal für Sinti und Roma des VVN und des Bündnisses Dortmund gegen Rechts.

Mahnwache an der Villa Springorum.

Der Ort des Gedenken ist der Standort der ehemaligen Villa Springorum an der Hainallee (Ecke Eintrachtstraße) in der südlichen Innenstadt. Heute ist hier ein öffentlicher Park.

In dem Haus der Industriellen-Familie Springorum, deren Oberhaupt Friedrich und sein Sohn Fritz lange Jahre vor dem zweiten Weltkrieg die Geschicke des Dortmunder Stahlkonzerns Hoesch bestimmten, tagte zu Beginn des Jahres 1933 die geheime Ruhrlade.

„Es handelt sich dabei um eine kriminelle geheime Vereinigung von Superreichen profaschistischen Charakters“, so Ulli Sander vom VVN/BdA in seiner Ansprache.

Die VVN/BdA wünscht sich an der Hainallee eine dauerhafte Mahntafel

Ulli Sander, VVN, erinnert an die Verstrickungen zwischen Industrie und Nationalsozialismus.

Die Interessensvereinigung von Ruhrindustriellen traf sich am 7. Januar 1933 zusammen mit dem ehemaligen Reichskanzler Franz von Papen um über die Machtübertragung an Hitler und die NSDAP zu beraten. Von Papen wurde ab 30. Januar 1933 unter Hitler auch Vize-Kanzler.

„Hier wurde Geld für Hitler bereitgestellt“, so Sander. „…die Machtübertragung an Hitler wäre nicht möglich gewesen ohne den Willen der ökonomischen Eliten…“ und somit die Folgen, wie Krieg, Holocaust und Millionen Tote.

Zwei provisorische Tafeln aus Pappe an den Bäumen auf der Parkfläche erinnern heute an die Ereignisse im Januar 1933.

Die VVN hat Anfang des Jahres einen Antrag an die Stadt gestellt, den Tagungsort der Ruhrlade mit einer Mahntafel zu kennzeichnen. „Frühere Anträge dieser Art wurden bislang abgelehnt“, so die AktivistInnen.

Anschließend fand noch ein Gedenken am Stein für die Sinti & Roma (Weißenburger Straße / Ecke Gronaustraße) statt. Hier wurde ein Kranz für die Sinti & Roma niedergelegt, die vom ehemaligen Ostbahnhof aus nach Auschwitz ins Gas deportiert wurden. Das Gedenken wurde musikalisch von Peter Sturm begleitet.

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