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„You´ll never walk alone“ in der Nordstadt: Ökumenischer BVB-Gottesdienst am Borsigplatz vor dem Pokalfinale

Gut besucht war der ökumenische BVB-Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche.

Gut besucht war der ökumenische BVB-Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche.

Zum vierten Mal hintereinander hat Borussia Dortmund das Finale des deutschen Fußballpokals in Berlin erreicht. Und wie in den letzten Jahren gab es auch kurz vor dem Ereignis einen ökumenischen BVB – Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche am Borsigplatz.

Matthias Kasche Kartner sorgte erneut für die musikalische Begleitung

Auch Matthias Kasche Kartner durfte nicht fehlen - er begleitete den Gottesdienst wieder musikalisch.

Auch Matthias Kasche Kartner durfte nicht fehlen – er begleitete den Gottesdienst musikalisch.

Pfarrer Ulf Schlüter, bekennender Schwarzgelber und Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund,  stimmte die anwesenden Fans auf das Endspiel ein.

Auch Matthias Kasche Kartner durfte nicht fehlen – er begleitete den Gottesdienst wieder musikalisch – das „You´ll never walk alone“ durfte natürlich nicht fehlen.

Die Dreifaltigkeitskirche in der Flurstraße am Borsigplatz gilt als Keimzelle des BVB. Jüngligssodalen dieser Gemeinde gründeten 1909 gegen den Willen ihres Kaplans einen eigenen Fußballverein.

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Ein Gedanke zu “„You´ll never walk alone“ in der Nordstadt: Ökumenischer BVB-Gottesdienst am Borsigplatz vor dem Pokalfinale

  1. Evangelische Kirche Dortmund Beitrags Autor

    BVB-Gottesdienst zum Pokal-Finale: Fußball und Religion – am Ende wird gewonnen

    „Theater muss wie Fußball sein“, forderten einst Kulturschaffende. Fußball hat also – zumal in Dortmund – durchaus mit Kultur zu tun. Dass es auch Verbindungspunkte zwischen Religion und Fußball gibt, zeigte einmal mehr der ökumenische Gottesdienst anlässlich des DFB-Pokalfinales in der vollbesetzten Dortmunder Dreifaltigkeitskirche, in deren Gemeinde einst der Ballsportverein Borussia gegründet worden war. Und dort bediente sich die größtenteils gelb gewandete Gemeinde durchaus theatraler Formen – wann sonst zeigt das Gottesdienst-Auditorium schon mal seine Zustimmung zur Predigt durch spontanen Applaus?

    Diese hatte zuvor treffend und nachvollziehbar den Bogen zwischen Fußball und Religion geschlagen. Der Dortmunder Evangelische Superintendent Ulf Schlüter, selbst erklärter Fußball-Fan, gestaltete seine Predigt rund um die Geschichte aus dem Lukas-Evangelium, in der der Fischer Petrus und seine Mannschaft die ganze Nacht über die Netze ausgeworfen, aber nichts gefangen hatten. Jesus ermunterte sie, doch noch einmal auf den See hinauszufahren. Gegen alle professionelle Erfahrung taten sie es, lediglich im Zutrauen auf die Ermunterung Jesu, und kamen zurück mit Netzen voller Fische.

    „So ist das eben“, so der Superintendent, manchmal stehe man trotz aller Anstrengung mit leeren Händen da. „Das kann dir im Fußball passieren, das kann dir im Beruf passieren … manchmal geht nichts. Alles vergeblich.“ Und, „um ehrlich zu sein“, ein Scheitern im Fußball sei da am Ende ja vergleichbar harmlos. Gerade in Dortmund, rund um den Borsigplatz und die Westfalenhütte, habe es vor noch gar nicht langer Zeit Tausende richtig hart getroffen, als ihre Firmen dicht gemacht und sie ihre Arbeitsplätze verloren hätten. „Und mehr noch“ – so Schlüter in seiner Predigt, „Das Leben kann mitunter von einem auf den anderen Augenblick alles über den Haufen werfen.“ Vor ein paar Wochen hätten das Spieler und Trainer des BVB bei dem Anschlag auf ihren Bus drastisch erlebt.

    In der biblischen Geschichte habe Petrus es aber gegen alle Wahrscheinlichkeit, ja gegen den „gesunden Menschenverstand“, dennoch noch einmal angepackt. „Auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen“, habe er zu Jesus gesagt – und hatte Erfolg.

    „Von Wundergeschichten kann man halten, was man will“, so Superintendent Ulf Schlüter. Am Fischzug des Petrus gefalle ihm besonders, dass die Fische nicht plötzlich von selbst an Land gespült worden seien. Es habe sehr wohl der erneuten harten Arbeit von Petrus und seinen Leuten bedurft. Aber eben auch seines Vertrauens. „Sich drauf eingelassen. Einfach mal vertraut … und schon kanns passieren“, so Schlüter. „Plötzlich zappelt’s im Netz.“

    Das Netz, so der fußballbegeisterte Pfarrer, werde hoffentlich auch in Berlin zappeln, nach Möglichkeit auf der richtigen Seite. Beim Gottesdienst zum Pokalfinale gehe es aber nicht darum, den Ball ins Frankfurter Tor oder gar den Pokalsieg herbei zu beten, stellte Schlüter klar. Jeder wisse, dass es so nicht funktioniert und außerdem habe der liebe Gott wohl Wichtigeres zu tun. „Arbeiten und hoffen. Das ist unser Ding, mehr können wir nicht tun.“ Das gelte auch für den Fußball.

    Am Ende aber, so Schlüter, gehe es schließlich nicht um Tore sondern um Menschen. Und die liebe „dieser verrückte, durch und durch menschenfreundliche Gott“ so sehr, dass er immer auch in ihr Scheitern und ihre Niederlagen komme. „Und weil das so ist, deshalb wird am Ende doch gewonnen.“

    An Gottvertrauen und Zuversicht muss es der BVB-Gemeinde also nicht mangeln, wenn Borussia Dortmund am kommenden Samstag zum vierten Mal hintereinander im Finale des DFB-Pokals aufläuft. Aber auch ein Wunder wie das beim Fischzug des Petrus braucht erst einmal Täter. Denn, so der Dortmunder Superintendent, „ohne Vertrauen geht das nicht. Und nicht ohne Arbeit“. Das weiß auch Ex-BVB-Trainer Jürgen Klopp:* „Ich glaube, dass es einen Gott gibt, der uns Menschen liebt, genauso wie wir sind, mit all unseren Macken, und deswegen glaube ich, dass er auch den Fußball liebt! Nur: Die Kiste müssen wir schon selber treffen.“

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