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Sierau und Jägers auf Tour mit der Taskforce Nordstadt – Neue Anlaufstelle am Nordmarkt in Betrieb genommen

In die ehemalige Nordmarkt-Apotheke ist mittlerweile das Ordnungsamt eingezogen.

In die ehemalige Nordmarkt-Apotheke ist mittlerweile das Ordnungsamt eingezogen. Fotos: Alex Völkel

Noch sind es nur zwei provisorische Schreibtische und die Technik ist noch nicht komplett angeschlossen – doch die ersten „Kunden“ sind schon da: Als OB Ullrich Sierau und Ordnungsdezernentin mit vielen Begleitern der „Taskforce Nordstadt“ der neuen Außenstelle des Ordnungsamtes in der ehemaligen Nordmarkt-Apotheke einen Besuch abstattete, wurden dort bereits Anzeigen gefertigt und eine Person der Polizei überstellt.

„Was das hier ist, können wir erklären. Was das soll, werden sie merken“

Erst im März soll die Anlaufstelle in der ehemaligen Apotheke eröffnen. Doch ein Provisorium ist bereits in Betrieb gegangen.

Erst im März soll die Anlaufstelle in der ehemaligen Apotheke eröffnen. Doch ein Provisorium ist bereits in Betrieb gegangen.

Das ist ganz nach dem Geschmack der Stadtspitze, die sich zuvor bei einem Rundgang  – es war bei weitem nicht der erste – im Bereich der Schleswiger Viertel und Nordmarkt neuralgische Punkte angesehen hatte.

Viele Passanten und Nachbarn steckten sogleich den Kopf in die Tür der nach mehr als zwei Jahren erstmals hell erleuchteten Räume der ehemaligen Apotheke. „Was das hier ist, können wir erklären. Was das soll, werden sie merken“, sagte Sierau süffisant, als die Ordnungsamtsmitarbeiter die ungebetenen Gäste freundlich aber bestimmt aus dem Laden komplimentierten.

Denn im März 2017 soll nach mehreren Verzögerungen die eigentliche Inbetriebnahme stattfinden. Dann soll das Ladenlokal zu einer Anlaufstelle für BürgerInnen, aber auch die im Bereich eingesetzten Ordnungspartner werden. Noch ist von außen nicht ersichtlich, wer der neue Hausherr ist.

Doch Dezernentin Diane Jägers wollte hier unbedingt „schon das Licht angehen lassen“, um Präsenz zu zeigen und eine mögliche erneute Nutzung durch Obdachlose und Junkies verhindern.

Weiter Druck machen – Sierau: „Der Nordmarkt gehört den regeltreuen Familien“

Außerdem sollten die problematischen „Nachbarn“ schon jetzt Notiz davon nehmen, dass die Behörden nun noch häufiger und regelmäßiger auf den Füßen stehen und auf die Finger gucken werden. „Wir bezeichnen es aber bewusst nicht als Wache – Repression steht nicht im Vordergrund“ erklärt Jägers trotz der markigen Worte des OB.

Auch im Winter gehen die Kontrollen auf dem Nordmarkt weiter. Regelverstöße sollen geahndet werden.

Auch im Winter gehen die Kontrollen auf dem Nordmarkt weiter. Regelverstöße sollen geahndet werden.

„Der Nordmarkt gehört den regeltreuen Familien. Da kann man mitmachen oder es sein lassen – aber dann ohne die Störer“, kommentierte Sierau die erfolgreiche Arbeit des Ordnungspartner, für die es vom ersten Bürger der Stadt reichlich Lob gab.

48 Stellen gibt es für das Ordnungsamt in der Nordstadt, dazu noch sechs Beschäftigte in der Leitstelle. Allerdings sind derzeit nicht alle Stellen besetzt – hier möchte man das wenig Erfolg versprechende interne Bewerbungsverfahren umgehen und direkt motivierte Leute von außen einstellen.

Ab 2018 sollen dann zehn zusätzliche Stellen geschaffen werden. Die Idee dahinter ist, diese Stellen KollegInnen anzubieten, die noch bis Ende 2017 bei der Zentralen Ausländerbehörde angestellt sind. So können Interessierten Stellen beim Ordnungsamt angeboten werden.

Dortmund spielt bei der Zahl der Ordnungskräfte „ im unteren Mittelfeld“

„Sie leisten dort segensreiche Arbeit für das Quartier“, lobte Jägers. Sie machte dabei deutlich, dass bei der Zahl der Ordnungsamtskräfte Dortmund im NRW-Vergleich „noch im unteren Mittelfeld spielt“. Aber die vergleichsweise Zahl machten die KollegInnen mit Einsatzstärke und Motivation wett.

Motivieren will der OB auch an anderer Stelle: „Ich werde ungeduldig, wenn ich mir mehrere Jahre immer dieselbe Ruine anschaue“, sagte Sierau mit Blick auf den Spielplatz Düppelstraße. Der hintere Bereich ist einer der Hotspots des Drogenkonsums- und Handel. Dieser soll nun dadurch unterbunden werden, dass das Areal mit einem Zaun abgetrennt und den benachbarten Kitas als Spielfläche zugeschlagen wird.

Positive Entwicklung: „Regeltreue Dritte“ übernehmen immer mehr Immobilien

Bei einem Rundgang mit der Tankforce Nordstadt sahen sich Sierau und Jägers neuralgische Punkte an.

Bei einem Rundgang mit der Tankforce Nordstadt sahen sich Sierau und Jägers neuralgische Punkte an.

Es ist nur einer der Problemfälle, mit dem sich die Taskforce auseinandersetzt. Doch auch positive Entwicklungen vermochte Sierau bei dem Rundgang zu erkennen: Immer mehr bisher problematische Gebäude würden von „regeltreuen Dritten“ übernommen und die „nicht-regeltreuen“ Eigentümer und Nutzer aus dem Markt dränge.

Dass sich die Investitionen in der Nordstadt lohnten, daran habe die Taskforce großen Anteil. „Man macht nichts falsch, in der Nordstadt zu kaufen“, so Sierau. Ziel müsse es sein, das Quartier zwischen Stollenpark, Wichernhaus, Nordmarkt-Grundschule, Nordmarkt-Gastronomie und Roxy-Kino weiter zu stärken.

„Bei Urban II waren wir auf einem guten Weg. Aber der Straßenstrich und die Zuwanderung aus Südosteuropa ist uns dazwischen gekommen“, so Sierau. „Jetzt haben wir einen Re-Start – wenn auch mit mehr Komplexität. Aber auch mit Wirkung, weil jetzt der Immobilienmarkt anspringt“, gibt sich der OB zuversichtlich.

Ordnungspartner wollen das „Grundrauschen“ in der Nordstadt weiter absenken

Im überdachten Hauseingang machen es sich Tag und Nacht Junkies gemütlich.

Offener Drogenkonsum und natürlich auch Drogenhandel soll stärker sanktioniert werden.

„Das Jahr 2016 war für Dortmund, aber auch für die Nordstadt, kein schleches Jahr“, bilanziert der SPD-Politiker.  Mit der Arbeit der Ordnungspartner verfolge man weiterhin das Ziel, das „Grundrauschen in der Nordstadt weiter abzusenken“, betonte Jägers.

Das Nordstadt-Büro des Ordnungsamtes im ehemaligen Sparkassen-Gebäude an der Bornstraße bleibe zunächst. Denn für die Zahl der Einsatzkräfte von Ordnungsamt und den Service- und Präsenzdiensten (die sogenannten „Rotkäppchen“) reiche der Platz in der Nordmarkt-Apotheke nicht aus.

Doch vielleicht bieten sich in den Nebengebäuden ja noch weitere Räume. Denn klar ist für ihn: Die Angebote in vielen der Ladenlokale und Kioske sind der Grund „für die Gruppen oder Mengen, die vor den Häusern stehen“, so Sierau. „Wir müssen sehen, wie wir das unterbinden können.“

Weitere Schlaglichter:

Wirksame Bekämpfung der Straßenprostitution: Über 2.600 Anzeigen geschrieben

Ravensberger Straße, ehemaliger Straßenstrich hinter Hornbach

Nach der Schließung des Straßenstrichs an der Ravensberger Straße hat sich die Situation entspannt.

Die intensive Bekämpfung der illegalen Straßenprostitution gehört seit der Schließung des Straßenstrichs und dem Inkrafttreten des Verbots der Straßenprostitution nach der neuen Sperrbezirksverordnung am 16. Mai 2011 zu den Kernaufgaben der Taskforce Nordstadt.

Bereits unmittelbar nach Schließung des Straßenstrichs konnte eine deutliche Verbesserung der Situation festgestellt werden. Inzwischen ist nur noch einen „hartnäckigen Kern“ von rund 25 bis 35 ganz überwiegend drogenabhängigen Prostituierten feststellbar, die rund um den Nordmarkt ihre Dienste auf der Straße anbieten und über diesen Weg ihre Sucht zu finanzieren.

Vor allem durch die potentiellen Freier geht durch das zahlreiche „Umkreisen“ besonders der rund um den Nordmarkt gelegenen Straßen, aber auch durch das Ansprechen Unbeteiligter, eine störende Wirkung aus.

Um hier entgegenzuwirken hat das Ordnungsamt zahlreiche Anstrengungen unternommen, um diese Szene mit ordnungsrechtlichen Mitteln zu bekämpfen. Dies hat in der Summe 2016 zu einer spürbaren Verhaltensänderung und einem Rückgang des Freiersuchverkehrs beigetragen.

Bekämpfung der Drogenkriminalität geht unvermindert weiter

Auch die Polizei hat ihre Bemühungen in der Nordstadt intensiviert.

Auch die Polizei hat ihre Bemühungen in der Nordstadt intensiviert.

Unverändert bleibt der Drogenhandel und Drogenkonsum im Fokus öffentlicher Wahrnehmung und repressiver wie präventiver Maßnahmen; hier wird auch in den kommenden Monaten ein Schwerpunkt vor allem der polizeilichen Arbeit liegen.

Wegen fehlender Eingriffsbefugnisse tragen die städtischen Ordnungspartner vornehmlich durch ihre erkennbare Präsenz an entscheidender Stelle zu einer Verbesserung der Situation bei.

Sofern eine (vorrangige) Strafverfolgung nicht in Betracht kommt, wird der Konsum von Rauschmitteln an bestimmten Örtlichkeiten, z. B. auf Spielplätzen, zudem von den Ordnungspartnern als Ordnungswidrigkeit geahndet. Im aktuellen Jahr wurden bisher über 850 solcher Fälle zur Anzeige gebracht.

Der nachfolgende Auszug aus der Einsatzstatistik der Task Force Nordstadt für die Jahre 2012 bis 2016 (Stand: 18.12.2016) spiegelt die erheblichen Anstrengungen zur Situationsverbesserung in der Nordstadt anschaulich wieder:

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