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SERIE (3): Wilhelm Brülling – ein überzeugter Gewerkschafter und Mitbegründer der NGG in Dortmund

Anlässlich des 150. Jahrestages der Gründung der ersten deutschlandweiten Gewerkschaft  – dem Allgemeinen Deutschen Zigarrenarbeiterverein – wird Nordstadtbogger.de in den nächsten Wochen aus der 165-jährigen Geschichte der Dortmunder Sektion berichten, aus der später die NGG entstanden ist.

Die Geschichte der NGG ist  eine Geschichte ihrer Mitglieder und Aktiven. In den Berichten und Dokumenten der Verwaltungsstelle Dortmund taucht zwischen 1892 und 1950 immer wieder ein Name auf: Wilhelm Brülling.

Kronen feuerte Brüning 1892 wegen gewerkschaftlicher Aktivitäten

Wilhelm Brüling hat die NGG in Dortmund geprägt.

Wilhelm Brüling hat die NGG in Dortmund über Jahrzehnte geprägt.

Wegen seines Einsatzes für Arbeitnehmerinteressen musste er viele Demütigungen ertragen. Dass er in den zwanziger Jahren vom Besitzer einer Dortmunder Brauerei mit Steinen beworfen wurde, gehörte dabei noch zu den kleineren Erniedrigungen.

Die Dortmunder Kronenbrauerei, bei der er seit 1892 beschäftigt war, entließ ihn nach neun Jahren wegen seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit.

Zu den Diskriminierungen durch die Unternehmer kamen staatliche Repressalien. Im Jahre 1900 wurde Wilhelm Brülling wegen angeblicher Vergehen gegen das Vereinsgesetz zu einer hohen Geldstrafe von 15 Reichsmark verurteilt.

Trotz alledem: Wilhelm war immer dabei, wenn es um bessere Arbeitsbedingungen und um mehr Lohn ging: 1899 Gräve Brauerei − Herdecke, 1900 Bergmann-Brauerei − Rahn (Abschaffung unentgeltlicher Sonntagsarbeit), 1905 Quellen-Brauerei − Schüren, Stifts-Brauerei, Brauerei Bergschlößchen − Hörde, Lindenbrauerei − Unna. Im Mai 1905 sperrten die rheinisch-westfälischen Arbeitgeber in 100 Brauereien mehr als 1.200 Arbeiter aus.

SPD-Politiker, Nazi-Gegner und Gewerkschaftsmitarbeiter

Wilhelm Brülling trat 1893 der SPD bei, für die er von 1908 bis 1933 Stadtverordneter war. Zur Zeit der Räterepublik (1918/19) war er Mitglied im Arbeiter- und Soldatenrat in Dortmund-Hörde. Sein Sohn kam 1923 bei der Ruhrbesetzung durch die Franzosen ums Leben.

Am 2. Mai 1933 holten ihn Gestapo-Beamte aus seiner Wohnung und brachten ihn in das Gewerkschaftsbüro, wo er seit 1909 gewerkschaftlich tätig war.

Bücher, Kasse und Mitgliederlisten wurden kontrolliert und beschlagnahmt. Das Büro wurde geschlossen. Die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nazis machte den 60jährigen Brülling arbeitslos.

Er lebte danach bei seinen Kindern und konnte sich durch Gelegenheitsarbeiten finanziell über Wasser halten. Nach dem Krieg war er maßgeblich am Aufbau der NGG-Dortmund, deren Geschäftsführer er bis 1949 war, beteiligt.

Wilhelm Brülling hat seine Überzeugung als sozialistischer Gewerkschafter nie geleugnet und daraus immer wieder neue Kraft für seinen Kampf im Interesse der Arbeitnehmer geschöpft.

Am 6.12.1950 verstarb Wilhelm Brülling im Alter von 77 Jahren an Herzversagen.

Die früheren Teile der Serie auf nordstadtblogger.de:

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