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Sehenswerte Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern: „Erich Grisar – Ruhrgebietsfotografien 1928-1933“

Vor der Westfalenhütte, Dortmund, 1928 – 1933

Vor der Westfalenhütte, Dortmund, 1928 – 1933. Fotos: Erich Grisar

Schwarz-weiß-Fotografien von Erich Grisar aus dem Revier der späten 1920er und frühen 1930er Jahre zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vom 24. Februar (Eröffnung 18 Uhr) bis zum 8. Oktober in seinem Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund. Ergänzt wird die Präsentation durch Bilder anderer zeitgenössischer Fotografen sowie Arbeiten von Schülern aus der Dortmunder Nordstadt, die sich mit Fotoapparat, Kamera und Mikrophon zu Orten und Menschen ihres Stadtbezirks begeben haben.

Einmalige Innensicht des Reviers und ein wichtiges Stück Ruhrgebiets-Geschichte

Die Aufnahmen des Dortmunder Schriftstellers und Fotografen Erich Grisar entstanden überwiegend in seiner Heimatstadt. Sie zeigen den städtischen Alltag, die harte körperliche Arbeit und die Siedlungen mit den mächtigen Industrieanlagen im Hintergrund.

„Die Aufnahmen erlauben eine einmalige Innensicht des Reviers und dokumentieren ein wichtiges Stück Ruhrgebiets-Geschichte. Die Zeche Zollern befand sich zu jener Zeit in ihrer Hochphase. Insofern könnte dieser Ort für die Präsentation kaum passender sein“, erklärte Dirk Zache, Direktor des LWL-Industriemuseums bei der Vorstellung der Ausstellung in Dortmund.

Die Schau ist Ergebnis eines Kooperationsprojektes von Ruhr Museum, LWL-Industriemuseum, LWL-Literaturkommission, Fritz-Hüser-Institut, Stiftung Geschichte des Ruhrgebietes und Stadtarchiv Dortmund. Dort lagert der umfangreiche fotografische Nachlass Grisars – insgesamt über 4200 Negative und Glasplatten, wovon 1500 im Ruhrgebiet entstanden sind.

Kartenspiel, 1928 – 1933

Kartenspiel, 1928 – 1933

 Für die Ausstellung eine Auswahl von knapp 200 Fotos getroffen

Siedlung Kaiserstuhl, Dortmund, 1928 – 1933

Siedlung Kaiserstuhl, Dortmund, 1928 – 1933

„Das ist ein wahrer fotografischer Schatz für unsere Stadt und die gesamte Region. Wir sind froh, dass wir einen Teil dieses Schatzes im Rahmen der Kooperation jetzt der Öffentlichkeit präsentieren können“, so der Dortmunder Kulturdezernent Jörg Stüdemann.

Für das Gemeinschaftsprojekt wurde dieser Bestand erstmals ausgewertet. Die „größte Entdeckung“ waren für Dr. Stefan Mühlhofer die genau beobachteten Szenen auf der Straße: „Vor allem die Motive mit spielenden und arbeitenden Kindern nehmen den Betrachter gefangen“, sagte der Leiter des Stadtarchivs.

Für die Ausstellung wurde eine Auswahl von knapp 200 Fotos getroffen, die unter den Überschriften „Städtisches Leben“, „Kindheit“ sowie „Arbeit und Alltag im industriellen Ballungsraum“ präsentiert werden.

Stefanie Grebe vom Ruhr Museum, wo die Schau 2016 zu sehen war, hebt die „enorme ästhetische Kraft und Qualität“ der Aufnahmen und die Nähe zwischen Fotograf und Motiven hervor.

Schüler der Rheinisch-Westfälischen Realschule, LWL-Förderschule, haben Menschen aus Fotos von Erich Grisar und aktuelle Bilder aus der Nordstadt zu Collagen zusammengefügt. Foto: LWL

SchülerInnen haben Menschen aus Fotos von Erich Grisar und aktuelle Bilder aus der Nordstadt zu Collagen zusammengefügt. Foto: LWL

„Die Bilder sind geprägt von einem empathischen Blick für die Menschen und auch deshalb noch heute so faszinierend für uns“, betonte die Kuratorin.Parallel zu den Ruhrgebietsfotografien Erich Grisars zeigt ein ergänzender Ausstellungsbereich, wie andere zeitgenössische Fotografen, darunter Heinrich Hauser, Heinrich Zille und August Sander, das Arbeitermilieu gesehen haben.

„Die Beispiele zeigen deutlich, wie sich der Tiefenblick Grisars ins Milieu von dem der anderen Fotografen, die großenteils aus anderen Regionen Deutschlands stammten und einen bürgerlichen Hintergrund hatten, unterscheidet. Grisar kannte die Härten und Eigenheiten des Lebens im Ruhrgebiet aus erster Hand“, unterstrich Museumsleiterin Dr. Anne Kugler-Mühlhofer.

Zu sehen sind außerdem Arbeiten von 150 Kindern und Jugendlichen aus vier Schulen der Dortmunder Nordstadt (Kielhornschule, Gertrud-Bäumer-Realschule, Anne-Frank-Gesamtschule und Rheinisch-Westfälische Realschule).

Sie haben sich gemeinsam mit Museumspädagogin Annette Kritzler über mehrere Wochen mit der Welt der 1920er Jahre auseinandergesetzt, um anschließend mit Fotoapparat, Kamera und Mikrophon Orte und Menschen ihres Stadtbezirks zu porträtieren. Mit ihren Bildern und Videointerviews zeigen sie ein persönliches Bild ihrer Lebenswelt.

Auf einem selbstgebauten Panzer, 1928 – 1933

Auf einem selbstgebauten Panzer, 1928 – 1933

Hintergrund

 Erich Gisar (1898 – 1955) hat gezielt Themen aus dem Arbeitermilieu fotografiert, zu denen er zeitlebens auch schriftstellerisch gearbeitet hat. Er interessierte sich für das Leben in der Stadt, für den Alltag in den Siedlungen mit den mächtigen Industrieanlagen im Hintergrund, für die harte körperliche Arbeit und die technischen Fertigkeiten der unterschiedlichen Berufsgruppen.
Stellten die Ausstellung auf der Zeche Zollern vor: (v.l.) Hanneliese Palm, Dr. Stefan Mühlhofer, Stefanie Grebe, Jörg Stüdemann, Dr. Anne Kugler-Mühlhofer und Dirk Zache. Foto: LWL/Hudemann

Ausstellungsmacher: Hanneliese Palm, Dr. Stefan Mühlhofer, Stefanie Grebe, Jörg Stüdemann, Dr. Anne Kugler-Mühlhofer und Dirk Zache. Fptp: LWL

Er wusste, wovon er in seinen Bildern erzählt, weil er Milieus zeigt, in denen er groß geworden war und zu denen er profunde Kenntnisse besaß. Grisar stammte aus proletarischem Hause, war Sozialdemokrat und Guttempler.

In der Endphase der Weimarer Republik fotografierte und verfasste er als Autodidakt Sozialreportagen, die in der Tagespresse oder in Zeitungen des linken Spektrums veröffentlicht wurden.

Er wollte als Schriftsteller zwischen den Klassen vermitteln, als Fotograf konnte er dieses Anliegen weiter verwirklichen. Neben den Fotografien kommen im Rahmen des Kooperationsprojektes auch Grisars Texte zu neuer Geltung. „Es bot sich geradezu an, parallel zur Ausstellung die Aufarbeitung seines literarischen Werkes zu beginnen“, sagte Hanneliese Palm, Leiterin des städtischen Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, wo der Nachlass Erich Grisars aufbewahrt wird.

So erschien im Klartext-Verlag neben dem Ausstellungskatalog auch das Reisetagebuch Erich Grisars „Mit Kamera und Schreibmaschine durch Europa“. Die LWL-Literaturkommission für Westfalen gab zudem drei Schriften des Dortmunder Autors heraus, darunter der erstmals aus dem Nachlass edierte Roman „Ruhrstadt“ (Aisthesis Verlag). Darin wird eindrücklich das Dortmund der 1920er Jahren beschrieben – die „literarische Ergänzung“ zur Ausstellung.

Kriegsversehrter, 1928 – 1933

Kriegsversehrter, 1928 – 1933

Eröffnung der Ausstellung am Freitag um 18 Uhr

Bei der Eröffnung der Ausstellung am Freitag (24.2.) um 18 Uhr begrüßt Dieter Gebhard, Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung, die Gäste. Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Ullrich Sierau gibt der Leiter des Ruhr Museums, Prof. Henrich Theodor Grütter, eine Einführung in die Ausstellung. Für den musikalischen Rahmen sorgt Barbara Kleyboldt mit Liedern von Bertolt Brecht.
Publikationen
  • Erich Grisar. Ruhrgebietsfotografien 1928-1933. Hg. von Henrich Theodor Grütter, Stefan Mülhofer, Stefanie Grebe, Andrea Zupancic. 224 Seiten, reich bebildert. Klartext-Verlag Essen 2016, ISBN 978-3-8375-1404-9.
    19,95 Euro
  • Mit Kamera und Schreibmaschine durch Europa. Bilder und Berichte von Erich Grisar. Hg. Andrea Zupancic, 224 Seiten, reich bebildert. Klartext-Verlag Essen 2016, ISBN 978-3-8375-1405-6. 24,95 Euro
  • Erich Grisar. Ruhrgebietsfotografien 1928-1933
Siedlung Kaiserstuhl, Dortmund, 1928 – 1933

Siedlung Kaiserstuhl, Dortmund, 1928 – 1933

Ausstellung Erich Grisar. Ruhrgebietsfotografien 1928-1933 – 24.2. – 8.10.2017

LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
Grubenweg 5 | 44388 Dortmund
Geöffnet Di-So 10-18 Uhr
http://www.lwl-industriemuseum.de

 

3 Gedanken über “Sehenswerte Ausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern: „Erich Grisar – Ruhrgebietsfotografien 1928-1933“

  1. LWL Beitrags Autor

    Vortrag im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern: Erich Grisar – ein Schriftsteller und Fotograf

    Am Dienstag (28.3.) lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) um 18 Uhr zum Vortrag „Erich Grisar – ein Schriftsteller und Fotograf“ in sein Industriemuseum Zeche Zollern ein. Stefanie Grebe, Ausstellungs-Kuratorin und Fotografie-Historikerin, stellt die Verbindungen zwischen Fotografie und Text in Grisars Werken vor. Dabei zeigt sie auch einige Bilder, die nicht Teil der aktuellen Ausstellung „Erich Grisar – Ruhrgebietsfotografien 1928-1933“ (bis 8.10.) im LWL-Industriemuseum sind. Der Eintritt zum Vortragsabend ist frei.

    Hintergrund

    Erich Grisar (1898 – 1955) hat gezielt Themen aus dem Arbeitermilieu fotografiert, zu denen er zeitlebens auch schriftstellerisch gearbeitet hat. Er interessierte sich für das Leben in der Stadt, für den Alltag in den Siedlungen mit den mächtigen Industrieanlagen im Hintergrund, für die harte körperliche Arbeit und die technischen Fertigkeiten der unterschiedlichen Berufsgruppen. Er wusste, wovon er in seinen Bildern erzählt, weil er Milieus zeigt, in denen er groß geworden war und zu denen er profunde Kenntnisse besaß.

    Grisar stammte aus proletarischem Hause, war Sozialdemokrat und Guttempler. In der Endphase der Weimarer Republik fotografierte und verfasste er als Autodidakt Sozialreportagen, die in der Tagespresse oder in Zeitungen des linken Spektrums veröffentlicht wurden. Er wollte als Schriftsteller zwischen den Klassen vermitteln, als Fotograf konnte er dieses Anliegen weiter verwirklichen.

    Adresse und Kontakt:
    LWL-Industriemuseum Zeche Zollern
    Grubenweg 5 I 44388 Dortmund
    Telefon: 0231 6961-111
    http://www.lwl-industriemuseum.de

  2. LWL-Museum Zeche Zollern Beitrags Autor

    Bergbautechnik und Ruhrgebiets-Bilder: Das Osterwochenende im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern

    Was tun, wenn alle Eier gefunden sind? Im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern gibt es über Ostern jede Menge Führungen. An allen drei Feiertagen – Karfreitag (14.4.), Ostersonntag (15.4.) und Ostermontag (16.4.) – bietet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) um 11.30 und 12 Uhr unter dem Titel „Schloss der Arbeit“ zunächst Rundgänge über die Tagesanlagen an. Jeweils um 14 Uhr beginnen Führungen durch die Sonderausstellung „Erich Grisar. Ruhrgebietsfotografien 1928-1933“. Wer sich näher für die Geschichte der Maschinenhalle interessiert, kann sich um 16.30 Uhr einer speziellen Hallentour anschließen.

    Außerdem gibt es im Dortmunder LWL-Museum diese Angebote: Karfreitag (14.4.) um 15 Uhr erfahren Gäste bei einem Rundgang, was passiert, nachdem die Kohle den Weg aus der Erde ans Tageslicht gefunden hat. Wie wird sie weiterverarbeitet und welche Produkte entstehen aus Kohle? In der Schachthalle geht es neben der Technik auch um die Frage, welche Menschen zu verschiedenen Zeiten dort gearbeitet haben.

    Zur Vorführung des Zweikolben-Kompressors sind Besucher am Samstag (15.4.) um 15 Uhr in die Maschinenhalle eingeladen. Emil Diebel und sein Team erklären Interessierten die Funktionsweise.

    Ostersonntag (15.4.) startet um 15 Uhr unter dem Titel „Zollern inklusiv“ ein Rundgang, der sich primär an sehbehinderte Museumsgäste richtet; aber auch alle anderen sind willkommen. Detaillierte Beschreibungen, Fotos mit Reliefstruktur, Objekte zum Anfassen und Geräusche des Bergbaus machen die Führung zu einem sinnlichen Erlebnis. Am Montag (16.4.) steht ab 15 Uhr bei der Themenführung „Bergbautechnik im Museum“ die Maschinenwelt der Zeche Zollern im Mittelpunkt.
    Alle Führungen sind kostenlos, bezahlt werden muss nur der reguläre Museumseintritt (Erwachsene 4 Euro, Kinder ab sechs Jahren 2 Euro, Familienkarte 9 Euro).

  3. LWL-Museum Zeche Zollern Beitrags Autor

    Grisar unterwegs. Fotografien aus Deutschland und Europa –
    Vortrag von Andrea Zupancic im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern

    Am Dienstag (25.4.) um 18 Uhr lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zu einem Vortrag von Dr. Andrea Zupancic in sein Industriemuseum Zeche Zollern ein. Die Leiterin des Bild-und Medienarchivs im Stadtarchiv Dortmund stellt unter dem Titel „Grisar unterwegs. Fotografien aus Deutschland und Europa“ die Arbeit des Dortmunder Schriftstellers und Fotografen außerhalb des Ruhrgebiets vor. Der Eintritt ist frei.

    Fünf Jahre lang dauerte es, die 4250 überlieferten Fotos Erich Grisars zu identifizieren und verorten. Seine Ruhrgebietsfotografien aus den Jahren 1928 und 1933, die zurzeit auf der Zeche Zollern zu sehen sind, gehören zum Besten, was aus dieser Zeit überliefert ist. Aber sie machen nur einen Teil der Sammlung aus. Daneben fand sich eine Vielzahl außergewöhnlicher Reisefotografien aus elf europäischen Ländern, die Erich Grisar besuchte.

    Zu den Motiven gehören das bunte Treiben in Venedigs Gassen ebenso wie Stierkampf in Barcelona, Antwerpener Diamantenhändler, Marktfrauen in Krakau, Trödelmärkte in London und Amsterdam. Wie auf seinen Revierbildern warf Grisar auch auf Reisen stets den Blick hinter die Kulissen der schmucken Fassaden und dokumentierte den Alltag ihrer Bewohner sowie die zum Teil prekären Lebensverhältnisse.

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