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Premiere im Wichern: Theaterstück „Der Kick“ konfrontiert Zuschauer mit Ursachen rechtsextremer Gewalt

Premiere des Theater-Stücks "Der Kick" im Wichern-Haus. Thomas Gramen als Jürgen Schönfeld, Daniela Menzel als Jutta Schönfeld

Thomas Gramen als Jürgen Schönfeld, Daniela Menzel als Jutta Schönfeld. Fotos:Klaus Hartmann

Von Leonie Krzistetzko

Im Jahr 2002 wurde der 16-jährige Marinus Schöberl in Potzlow brutal ermordet. Die Motive des Mordes gehen auf rechtsradikales Gedankengut der Täter zurück. Dieser Fall hat die Medien und ganz Deutschland stark geprägt. Gestern feierte das Theaterstück „Der Kick“, das auf diesem Fall basiert, im Kultur- und Tagungszentrum Wichern in der Dortmunder Nordstadt Premiere.

„Der Kick“ erzählt den Hintergrund des Mords an Marinus Schöberl

Premiere des Theater-Stücks "Der Kick" im Wichern-Haus. Jonas Gramen als Marcel Schönfeld, Christina Kirketerp

Jonas Gramen als Marcel Schönfeld, Christina Kirketerp als Staatsanwältin

Nach einem Drehbuch von Andres Veiel und Gesine Schmidt, und unter der Regie von Stephan Rumphorst, führte das Theater 36 „Der Kick“ auf.

„Der Kick“ erzählt hierbei die Hintergrund-Geschichte zum Mord an Marinus Schöberl. Von einem Jungen, der von seiner Familie  geliebt wurde und vom einen auf den anderen Tag plötzlich verschwand.

Von einer Mutter, die am Tag ihres Geburtstags die Nachricht überbracht bekam, dass ihr Sohn ermordet wurde. Und von den Tätern, deren dumpfes, rechtsextremes und gewalttätiges Gedankengut über mehrere Generationen gezüchtet wurde. Es stellt sich die Frage, wieso die Gemeinde in Potzlow sich den Tätern nicht in den Weg gestellt hat.

Gewalt und Rechtsextremismus sind aktuelle Probleme in Deutschland

Die meisten Bewohner wussten, wozu die Jugendlichen in der Lage waren. Die Täter selber sind schon früh mit Alkohol in Kontakt gekommen und dem Alkoholismus verfallen. Aus ihrer Aussichtslosigkeit entwickelte sich Fremdenhass. Besonders wegen der Geschehnisse der letzten Wochen ist es wichtig, auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

Auch 13 Jahre nach dem Mord an Schöberl ist Gewalt ein aktuelles Thema. Es darf nicht passieren, dass das Problem der Rechtsradikalität nicht beachtet und heruntergespielt wird. Denn so war es in Potzlow.

Gemeinde in Potzlow schließt sinnbildlich die Augen vor dem Problem des Rechtsextremismus

Premiere des Theater-Stücks "Der Kick" im Wichern-Haus. Michael Guddeit als Torsten M

Michael Guddeit als Torsten M.

„Der Kick“ erzählt von einer Gemeinde, die sinnbildlich vor den Geschehnissen die Augen verschließt. Die Tat wird heruntergespielt, die Anzeichen werden nicht beachtet.

Und all das passierte in Potzlow, das einst als schönstes Dorf Deutschlands ausgezeichnet wurde. So ist Rechtsradikalismus fast nie nur ein individuelles Problem. Oftmals hängt er mit gesellschaftlichen Strukturen und Perspektivlosigkeit zusammen.

Die Beteiligten des Theaterstücks freuen sich über den Erfolg der Premiere

Schauspielerin Johanna Kokot spielt die rechtsradikale Freundin des Täters Marco Schönfeld. „Wir alle waren ziemlich nervös, da man normalerweise die Reaktionen des Publikums gut einschätzen kann. So ist es zum Beispiel bei Komödien. Das Thema hier ist aber ein unschönes und ernstes“, sagte Kokot.

Sie selber war sehr zufrieden mit der Premiere von „Der Kick“. Auch der Regisseur Stepahn Rumphorst sei sehr zufrieden mit dem Ensemble gewesen, da alles sehr gut funktioniert habe. Zum Ende des Stückes dankte auch er dem Publikum, das zahlreich erschienen war.

„Ich hoffe sehr, dass sich viele Menschen das Stück auch an den anderen Terminen ansehen, da das Thema der Gewalt stets aktuell und wichtig ist“, so Rumphorst. Nach dem Theaterstück konnte man sich auch Begleitmaterial zum Thema kaufen.

Ensemble von „Der Kick“ überliefert die Gedanken der Beteiligten authentisch

Premiere des Theater-Stücks "Der Kick" im Wichern-Haus. Christina Kirketerp als Staatsanwältin

Premiere von „Der Kick“ im Wichern.

Auch das Publikum war begeistert. „Ich habe mich schon vorher mit dem Fall von Marinus Schöberl auseinandergesetzt“, sagte eine Zuschauerin.

Deshalb sei es für sie umso interessanter zu sehen, was hinter dem eigentlichen Mord alles steckte. Die Schauspieler hätten die Gedanken der Beteiligten authentisch überliefert, so die  Zuschauerin.

Sie selber fand auch interessant, dass „Der Kick“ in Form einer Monolog-Montage aufgeführt wurde.

„Der Kick“ regt zum Nachdenken über soziale Strukturen an

Das Theater 36 und alle Beteiligten haben es geschafft, das sensible Thema des Mordes an Marinus Schöberl zu verdeutlichen. Sie haben Opfern und Tätern des schrecklichen Geschehens eine Biografie gegeben. Und so gelingt es dem Publikum, über die Auslöser von Gewalt nachzudenken und soziale Strukturen zu hinterfragen.

Weitere Termine:

Wichernhaus, Stollenstraße 36, 44145 Dortmund

  • So, 4.10.2015
  • Mi, 21.12.2015 (Schulvorstellung 19.30)
  • Sa, 24./ So, 25.10.2015
  • Sa, 7./So, 08.11.2015
  • Fr, 15.01.2016
  • Sa, 16.01.2016 (16 Uhr)
  • Mo, 18.01.2016 (Schulvorstellungen tagsüber)

Beginn: Freitags und samstags um 19.30 Uhr, sonntags um 18 Uhr

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3 Gedanken über “Premiere im Wichern: Theaterstück „Der Kick“ konfrontiert Zuschauer mit Ursachen rechtsextremer Gewalt

  1. Wichern

    Am Samstag, 7.11., 20 Uhr, und Sonntag, 8.11., 18 Uhr, finden die letzten beiden Vorstellungen des Stücks „DER KICK – ein lehrstück über gewalt“ für dieses Jahr statt.

    Es findet im Wichernhaus, Stollenstraße 36, in der Nordstadt statt. Karten gibt es unter 0231-8630983 oder http://www.wichern.net für 12/14 Euro.

  2. Wichern

    Die letzten Aufführungen

    Am kommenden Wochenende (Samstag, 13.2. ,19.30 Uhr und Sonntag, 14.2., 18 Uhr) ist das Stück „DER KICK – ein Lehrstück über Gewalt“ zum letzten Mal im Wichernhaus, Stollenstraße 36, in der Nordstadt zu sehen.

    Tickets gibt es im Wichernhaus, Stollenstraße 36, 44145 Dortmund 0231-8630983 oder http://www.wichern.net

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