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Offene Fragen beim Brandschutz: Stadt lässt Traglufthalle auf der Stadtkrone-Ost räumen – Flüchtlinge mussten ausziehen

In den beiden Traglufthallen auf der Stadtkrone-Ost sollten 600 Flüchtlinge untergebracht werden.

In den beiden Traglufthallen auf der Stadtkrone-Ost sollten 600 Flüchtlinge untergebracht werden.

Sie sind ein wichtiger Eckpfeiler des Unterbringungsmixes für Flüchtlinge – die sechs optisch beeindruckenden Traglufthallen, die die Stadt Dortmund angeschafft hat. Doch jetzt wackelt das Konzept. Denn die Brandschutzsicherheit steht derzeit in Frage. Was ist passiert?

Großes Interesse an den neuen Traglufthallen auf der Stadtkrone-Ost

Am 27. Januar nutzten mehr als 3000 Menschen, die erste der beiden Traglufthallen bei einem „Tag der offenen Tür“ zu besichtigen, die die Stadt auf der Stadtkrone-Ost hat errichten lassen.

40 Meter breit, 80 Meter lang und bis zu 13 Meter hoch sind die Raummaße. 50 Schlafräume bieten Platz für bis zu 300 Bewohnerinnen und Bewohner. Insgesamt sechs solcher ungewöhnlich aussehenden Hallen sollen in Dortmund errichtet werden.

Die ersten 84 Flüchtlinge mussten nach zwei Tagen wieder ausziehen

In den beiden Traglufthallen auf der Stadtkrone-Ost sollten 600 Flüchtlinge untergebracht werden.

Die Außenhaut der Traglufthüllen besteht aus drei miteinander verklebten Folien.

Am 3. Februar zogen die ersten 84 Flüchtlinge ein. Allerdings am 5. Februar mussten sie bereits wieder ausziehen – die Feuerwehr hatte Bedenken beim Brandschutz angemeldet.

Die Menschen wurden daher kurzfristig in die Erstaufnahmeeinrichtung an der Buschmühle verlegt, wo es derzeit freie Kapazitäten gibt.

Dieser Auszug und die nun anstehende Brandschutzprüfung wirft Fragen auf, die die Verwaltungsspitze auf Nachfrage am Dienstag zu beantworten versuchte. Im Kern geht es um die Frage, ob die Dachfolien wirklich brandschutzbewährt und „schwer entflammbar“ sind.

Die Dachkonstruktion besteht auf aus drei Folien, die zusammengeklebt sind und zwischen denen sich Luft befindet. Zum Aufbau bekam die Stadt die Bescheinigung über die Brandsicherheit. Allerdings – weil der deutsche Hersteller die Folien in Polen hatte fertigen lassen – in polnischer Sprache.

Dortmunder Feuerwehr fand Widersprüche bei den Brandschutzbescheinigungen

Die Stadt forderte daraufhin eine deutschsprachige Bescheinigung an. Als diese nach einigen Tagen vorlag, lag auch eine Übersetzung der polnischen Bescheinigung vor. Daraus ergaben sich Widersprüche, die die Feuerwehr aufhorchen ließ.

Die Stadt hat daher ein neues Gutachten angefordert. Eine Prüfung, die die Stadt nicht hätte machen müssen. Sie hätte die Bescheinigungen auch einfach abheften können und wäre auf der rechtlich sicheren Seite gewesen.

„Aber die Unversehrtheit der Menschen ist das höchste Gut“, begründete Feuerwehrdezernentin Diane Jägers den Schritt, der den Auszug zur Folge hatte.

Ein neues Gutachten soll Nachbesserungsnotwendigkeiten klären

Die Außenhülle besteht aus drei unterschiedlichen Folien, die verklebt sind. Ein Gutachten soll über die Brandsicherheit geben.

Ein Gutachten soll über die Brandsicherheit der Außenhaut der Hallen Klarheit bringen.

Stadtdirektor Jörg Stüdemann – als Dezernent für Liegenschaften auch mit dem Kauf der Hallen befasst – möchte nicht auf Alarm machen.

Der Hersteller sei nun gefordert, die Prüfergebnisse zu liefern – nicht nur für die drei einzelnen Folien, sondern auch in der Kombination.

Dann werde geprüft, ob es bei den drei derzeit im Aufbau befindlichen bzw. errichteten Hallen Probleme und Handlungs -und Nachbesserungsbedarf gebe. „Dann werden wir uns die Karten legen“, betont Stüdemann.

Wenn alles nicht helfe, müssten die Traglufthallen wieder abgebaut werden und auf den Fundamenten andere Konstruktionen, zum Beispiel Leichtbauhallen, aufgebaut werden. Bis Ende der Woche soll das neue Gutachten vorliegen.

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2 Gedanken über “Offene Fragen beim Brandschutz: Stadt lässt Traglufthalle auf der Stadtkrone-Ost räumen – Flüchtlinge mussten ausziehen
  1. Stadt DO

    Traglufthalle nimmt am Montag ihren Betrieb wieder auf

    Die Traglufthalle an der Stadtkrone-Ost wird am kommenden Montag, 7. März, wieder ihren Betrieb als Übergangseinrichtung für Flüchtlinge aufnehmen. Die Bedenken bezüglich der Brandsicherheit des Materials der dreiteiligen Außenhaut sind laut dem Prüfzeugnis ausgeräumt.

  2. Grünen-Fraktion

    Unterbringung von Flüchtlingen in Traglufthallen – GRÜNE wollen zeitlich begrenzten Aufenthalt in den Hallen

    Vor dem Hintergrund der aktuellen Berichterstattung drängen die GRÜNEN im Rat da- rauf, dass die Unterbringung von Flüchtlingen in den Traglufthallen auf der Stadtkrone- Ost nur für eine begrenzte Zeit erfolgen darf.

    Ulrich Langhorst, Fraktionssprecher der GRÜNEN:
    „Wer jemals in den Hallen war, weiß, wie schwierig dort die Unterbringung von Men- schen ist. Die Hallen sind laut, die Hallen sind warm. Das zeigen auch die aktuell ge- messenen Werte von 27 Grad. Eine zusätzliche Kühlung der Hallen ist gut und dringend notwendig, kann aber nicht die alleinige Lösung sein.

    Im guten Dortmunder Unterbringungs- und Betreuungskonzept für Flüchtlinge sind die Traglufthallen aufgrund ihrer Beschaffenheit eindeutig einer der schwächsten Baustei- ne. Deshalb sind sie aus unserer Sicht auch nicht für einen längeren Aufenthalt geeig- net. Das gilt insbesondere für Familien mit Kindern. Dazu kommt an der Stadtkrone-Ost die besondere Lärmsituation mit B1 und B 236, das ist eine Belastung auch für den Aufenthalt außerhalb der Hallen.

    In einem Gespräch mit der GRÜNEN Fraktion hatte die Verwaltung uns berichtet, dass über ein Stufenkonzept bei der Unterbringung von Flüchtlingen nachgedacht wird. Die Unterbringung in den Traglufthallen könnte dabei aufgrund der besonderen Situation nur für eine begrenzte Zeit zu Beginn ihres Aufenthalts in Dortmund erfolgen. Anschlie- ßend sollen die Flüchtlinge dann in andere Unterkünfte wechseln. Das ist dringend not- wendig und zurzeit bei rückläufigen Flüchtlingszahlen wahrscheinlich auch möglich. Wir werden die Verwaltung deshalb bitten, im nächsten Sozialausschuss die Situation in den Hallen sowie die Möglichkeiten und ein Konzept für eine schnellere Unterbringung in anderen Einrichtungen darzustellen.“

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