Nordstadtblogger

Neue Fakten zur Rettung des „Goldenen Wunders“ vor dem Bombenkrieg im Jahr 1943 – Vortrag in der Petri-Kirche

Der prachtvolle Antwerpener Flügelaltar der St. Petri-Kirche ist als das „Goldene Wunder“ bekannt. Fotos: Stephan Schuetze

Der Antwerpener Flügelaltar von St. Petri ist als das „Goldene Wunder“ bekannt. Fotos: Stephan Schuetze

Von Heike Becker-Sander

Er gehört zu den bedeutendsten Kirchenschätzen des Landes: Der prachtvolle Antwerpener Flügelaltar der St. Petri-Kirche, bekannt als das „Goldene Wunder“. Dass es ihn überhaupt heute noch in voller Schönheit zu bestaunen gibt, grenzt, ganz diesem Namen entsprechend, auch ans Wunderbare.

Gruppe von Laienforschern wühlte in Unterlagen und Kirchenarchiven

Britta Steinhüser, Klaus Meyring, Mechthild Schwarzenberger, Almut Begemann, Annette Wilmsmann, Dr. Niklas Gliesmann und Prof. Dr. Barbara Welzel. Foto: Stephan Schuetze

Britta Steinhüser, Klaus Meyring, Mechthild Schwarzenberger, Almut Begemann, Annette Wilmsmann, Dr. Niklas Gliesmann und Prof. Dr. Barbara Welzel.

Engagierten und mutigen Männern und Frauen ist es zu verdanken, dass der Altar 1943 gerettet wurde, kurz bevor Bombenangriffe die Kirche und die gesamte Innenstadt in Schutt und Asche legten. Die Geschichte der Rettung und der Rückkehr des „Goldenen Wunders“ wird jetzt neu erzählt und im Rahmen einer Vortragsreihe allen Interessierten zugänglich gemacht.

Eine kleine Gruppe von ehrenamtlich Engagierten, die sich schon seit Jahren mit der Geschichte der Petri-Kirche beschäftigen, hat sich auf die Suche gemacht und ist nach längerer Recherche auch fündig geworden.

„Im Dortmunder Kirchenarchiv, das inzwischen in Bielefeld verwahrt wird, haben wir Unterlagen gefunden, die Licht in die Geschichte brachten“, berichtete Mechthild Schwarzenberger aus der Gruppe der Laienforscher.

Anhand dieser Archiv-Dokumente kann man zurückverfolgen, wie knapp die Auslagerung des fünf Tonnen schweren Altars aus Eichenholz 1943 war. Von Ende März bis Anfang Mai dauerten Abbau und Abtransport  des „Goldenen Wunders“.

Kostbarer Schnitzaltar in letzter Minute abgebaut und ausgelagert 

Pastorin Almut Begemann in Aktion vor dem Altar. (Archivbild)

Pastorin Almut Begemann vor dem Altar. (Archiv)

Am 5. Mai flogen die Alliierten den ersten großen Angriff auf Dortmund. Kurz darauf, am 23. Mai, fiel die St. Petri-Kirche einer weiteren Bοmbardierung zum Opfer und wurde bis auf die Grundmauern zerstört.

Dass der Schnitzaltar, der 1521 in Auftrag gegeben und vier Jahre später in das Dortmunder Franziskanerkloster geliefert wurde, nach Möllenbeck in der Nähe von Rinteln in eine Kirche ausgelagert wurde, war bekannt.

„Aber wann genau und unter welchen Umständen das passierte und wie der Altar wieder zurückkam, darüber gab es unterschiedliche Berichte“, erzählt Mechthild Schwarzenberger, die zusammen mit Britta Steinhüser, Annette Wilmsmann und Klaus Meyring das Forschungsteam bildet.

Für die Auswertung des Archivmaterials holten sich die Laienforscher  professionelle Hilfe ins Boot. „Das hätten wir allein nicht stemmen können“, so Schwarzenberger. Prof. Dr. Barbara Welzel, Kunsthistorikerin an der TU Dortmund, erklärte sich, wie sie gestern sagte, gern bereit, die Arbeit der Ehrenamtler zu unterstützen.

Welzel erforscht und veröffentlicht seit langem Fakten und Erkenntnisse über die Bedeutung des „Goldenen Wunders“. Die Zusammenarbeit zwischen Laienforschern und Wissenschaftlern war für beide Seiten ein Gewinn. Barbara Welzel: „Es klappt wirklich super.“

Dokumente dienen als Vorlage für eine Reihe von Vorträgen – Erster Termin: 17. Juli 

Die alten Unterlagen erwiesen sich übrigens als wahre Fundgrube. Mechthild Schwarzenberger: „Wir waren total erstaunt, wie viele Informationen wir auch über andere ausgelagerte kirchliche Kunstschätze gefunden haben.“ Und auch über Details der abenteuerlichen Auslagerung des Altars mitten in den Wirren des letzten Weltkriegs. So stellte sich zum Beispiel heraus, dass beim Abbau des „Goldenen Wunders“ 1943 auch die heutige Gerüstbaufirma Weise schon mit Hand anlegte.

Die Auswertung der Dokumente wird Grundlage der Vortragsreihe sein, deren erster Termin bewusst auf Montag, 17. Juli, gelegt wurde. „Dann ist es genau 50 Jahre her, dass das ,Goldene Wunder` wieder in der Petri-Kirche gezeigt werden konnte,“ erklärt Schwarzenberger.

Der Vortrag unter dem Titel „Knapp gerettet“ beginnt um 19.30 Uhr in der Kirche. Der Eintritt ist frei.  Der nächste Vortrag ist für den 30. November geplant.

Print Friendly

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.