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Nach Bericht der BILD-Zeitung über Protest: Flüchtlingspaten Dortmund e.V. bekommen vermehrt Morddrohungen

Die Dortmunder Flüchtlingspaten hatten zur der Kundgebung vor dem Rathaus aufgerufen.

Dortmunder Flüchtlingspaten setzen sich für einen Abschiebestopp nach Afghanistan ein. Archivbilder (2): A.Völkel

Von Mira Kossakowski

Am Dienstag (12. September 2017) gab es erstmals wieder eine Sammelabschiebung nach Afghanistan – trotz der offensichtlichen Gefahrenlage im Land. Zahlreiche AktivistInnen protestierten am Düsseldorfer Flughafen dagegen. Mit dabei waren auch die Flüchtlingspaten Dortmund e.V.. Doch jetzt ist der Verein Opfer von Morddrohungen und rechten Schmähmails geworden.

Nach Schmähmails: Flüchtlingspaten Dortmund e.V. zeigen VerfasserInnen an

Die Dortmunder Flüchtlingspaten hatten zur der Kundgebung vor dem Rathaus aufgerufen.

Die Dortmunder Flüchtlingspaten setzen sich regelmäßig auf Demonstrationen für geflüchtete Menschen ein.

Grund für die Angriffe ist vor allem die Berichterstattung der Bild-Zeitung: Diese hatte das Banner der Flüchtlingspaten Dortmund e.V. explizit abgebildet. Zusätzlich wurde die Adresse des Vereins veröffentlicht.

Der Verein setzt sich für die Belange geflüchteter Menschen ein, sammelt Spenden und unterstützt sie im Alltag. Aus diesem Grund setzten die AktivistInnen sich auch für einen Abschiebestopp ein.

Die rassistischen Mails, in denen dem Verein vorgeworfen wird, Kriminelle zu unterstützen, greifen geflüchtete Menschen, aber auch HelferInnen des Vereins an. Sie werden durch die Inhalte in die kriminelle Ecke gedrängt und bedroht.

Da es in einigen der Mails zu konkreten Mord- und Gewaltandrohungen kam, haben die Flüchtlingspaten nun bei der Polizei Anzeige erstattet. Ein Verfasser bezeichnete die HelferInnen als „dreckige Schweine“ und drohte ihnen mit körperlicher Gewalt. Zusätzlich erhält der Verein bereits Unterstützung bei Backup – Beratung für Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt.

Rechte Hasskommentare und Schmähmails – HelferInnen sind immer wieder betroffen

Demonstration am 26. September: Solidarität mit ALLEN Geflüchteten, Refugees Welcome Dortmund

Viele HelferInnen zeigen sich mit geflüchteten Menschen solidarisch. Archivbild: Klaus Hartmann

Abschiebungen bedeuten Leid für die Betroffenen, aber auch für Angehörige und Freunde. Und die Dokumentationen der UN und von diversen NGOs zeigen: Die Lage in Afghanistan wird nicht sicherer. Aus diesem Grund setzen die sich Flüchtlingspaten gegen Abschiebungen ein.

Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière seien acht Afghanische Männer „wegen erheblicher Straftaten verurteilt“ und abgeschoben worden. Dem widersprechen diverse Medienberichte und auch Flüchtlingsorganisationen: An Bord der Maschine befanden sich laut diesen Berichten mindestens zwölf Menschen.

Zudem seien die Straftaten zum Teil eher im Bereich des Ladendiebstahls einzuordnen – daher riefen die Flüchtlingspaten zu einer Aktion mit dem Titel Todesstrafe für Ladendiebstahl? auf.

Rechtsextreme oder rassistische Kommentare scheinen mittlerweile zur Normalität zu gehören

Immer wieder begegnen den HelferInnen Widerstand und Drohungen, unter anderem in Form von Hassmails, aber auch durch Kommentare auf Facebook. Im Gegensatz zu den Flüchtlingspaten scheinen viele diese Kommentare einfach hinzunehmen: Die Dunkelziffer dieser schwer zu erfassenden Straftaten ist enorm hoch.

Für viele scheinen rechtsextreme oder rassistische Kommentare zur Normalität zu gehören – insgesamt gehen die Anzeigen gegen Hasskommentare leicht zurück. Doch der Fall der Flüchtlingspaten zeigt: Mit Untätigkeit kann nicht gegen Fremdenhass vorgegangen werden.

Mehr Informationen:

  • Die Flüchtlingspaten unterstützen vor Ort geflüchtete Menschen. Der Verein hilft im Alltag, sammelt aber auch Spenden, um beispielsweise Rechtsanwaltskosten oder Integrationsmaßnahmen zu finanzieren.
  • Dafür ist der Verein auf Spenden, aber auch ehrenamtliche Unterstützung angewiesen.
  • Mehr Informationen gibt es auf der Homepage der Flüchtlingspaten Dortmund e.V.

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