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Kundgebung von Gekündigten vor TEDi-Filiale in Dortmund – DGB: „Missbrauch von Werkverträgen stoppen!“

Beschäftigte aus Rumänien, Bulgarien und Polen demonstrieren vor dem Tedi in der Münsterstraße.

Beschäftigte aus Rumänien, Bulgarien und Polen demonstrieren mit Gewerkschaftern vor TEDi in der Münsterstraße.

Beschäftigte aus Bulgarien und Polen haben am Mittwoch mit einer Kundgebung vor der TEDi Filiale in der Münsterstraße in der Nordstadt auf ihre prekäre Lage aufmerksam gemacht. Die Männer und Frauen waren bisher im Dortmunder TEDi-Zentrallager beschäftigt. Doch der beauftragte Personaldienstleister hat ihre Gehälter nicht mehr ausgezahlt.

TEDi hat Werkverträge mit „Personnel International“ aus München gekündigt

Beschäftigte aus Rumänien, Bulgarien und Polen demonstrieren vor dem Tedi in der MünsterstraßeNachdem der Werkvertrag zwischen TEDi und ihrem Arbeitgeber, dem Subunternehmer „Personnel International“ aus München, gekündigt worden ist, droht nach Aussage der Beschäftigten über hundert Personen der Arbeitsplatzverlust.

Vielen wurden bereits Kündigungen ausgestellt, zum Teil fristlos mit haltlosen Vorwürfen. Da die Unterkunft der Beschäftigten meist vom Arbeitgeber organisiert wurde, droht vielen Betroffenen nun gleichzeitig auch die Obdachlosigkeit.

Die Werkvertragsbeschäftigten wandten sich an die Beratungsstellen des Deutschen Gewerkschaftsbundes „Faire Mobilität“ sowie „Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten“ in Dortmund. Diese unterstützen sie nun, ihre Rechte geltend zu machen.

Dienstleister hat ausstehende Gehälter für Oktober und November nicht bezahlt

Beschäftigte aus Rumänien, Bulgarien und Polen demonstrieren vor dem Tedi in der Münsterstraße

Scharfe Kritik üben die Beschäftigten an „Personnel International“ – sie kritisieren „moderne Sklaverei“.

„Viele bulgarische Arbeiterinnen und Arbeiter berichten, sie hätten noch nicht mal ihre Gehälter für Oktober und November bekommen“, berichtet Beraterin Stefanie Albrecht. „Als Niedriglöhner müssen viele auch ihre Familien ernähren. Die Menschen haben ihre Ersparnisse aufgebraucht und wissen nicht, wovon sie leben sollen.“

Dazu komme, dass der Arbeitgeber viele Personen unter falschen Wohnadressen angemeldet habe und ihnen damit die Beantragung von Arbeitslosengeld erschwere. „Aus unserer Sicht sollten hier die Betroffenen bewusst hingehalten und ausgehungert werden, bis sie aufgeben“, kritisiert Albrecht.

Der Personaldienstleister „Personnel International“ ist für die Gewerkschaften kein Unbekannter: Zuletzt im Frühjahr 2015 meldeten sich ungarische und rumänische Lagerhelfer in den Beratungsstellen. Sie gaben an, im Dortmunder „Kaufland“-Lager gearbeitet zu haben.

Auch hier habe nach einer Kündigungswelle der Personaldienstleister ihre letzten Löhne einbehalten, als der Dienstleistungsvertrag beendet wurde.

Unternehmen reagierte auch früher nicht auf Zahlungsaufforderungen

Beschäftigte aus Rumänien, Bulgarien und Polen demonstrieren vor dem Tedi in der Münsterstraße

Beraterin Stefanie Albrecht kümmert sich mit ihren KollegInnen vom DGB um die Betroffenen.

Auf die Zahlungsaufforderungen der Gewerkschaften reagierte das Münchener Unternehmen damals überhaupt nicht. Ähnliches haben Beratungsstellen auch aus anderen Bundesländern berichtet. Dabei handelt es sich hier um kein kleines Unternehmen: Die Firma „Personnel International“ hat nach eigenen Angaben Niederlassungen in mehreren europäischen Ländern.

„Der Fall ist ein Beispiel dafür, wie unternehmerisches Risiko durch Werkvertragsvergabe auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgewälzt wird“, kritisieren die Dortmunder Gewerkschafter, die die Aktion in der Nordstadt unterstützt haben.

„TEDi muss endlich Verantwortung für die Menschen übernehmen“, fordert Beraterin Albrecht. „Es kann nicht sein, dass die Personaldienstleister alle paar Monate ausgetauscht werden und die Beschäftigten dann für ihre Arbeit nicht bezahlt werden.“

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