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Mehr Partizipation wagen!“: Das Behindertenpolitische Netzwerk Dortmund will Betroffene zu Beteiligten machen

Rollstuhl im Bus

Im ÖPNV ist das Thema Behinderung ein Dauerbrenner. Doch viel mehr Bereiche sind relevant.

Wenn man über Menschen mit Behinderungen in Dortmund spricht, gibt es viele Facetten. Doch wie viele Menschen es überhaupt gibt, die Behinderungen haben, ist nicht so einfach zu beantworten. 13,4 Prozent der Dortmunder sind offiziell schwerbehindert – haben also einen Behindertenausweis, der ihnen mindestens 50 Prozent Schwerbehinderung bescheinigt. Das sind rund 50.000 Menschen in Dortmund.

Viele Anspruchsberechtigte holen sich keinen Behindertenausweis

Friedrich-Wilhelm Herkelmann, Vorsitzender des Behindertenpolitischen Netzwerks in Dortmund

Friedrich-Wilhelm Herkelmann, Vorsitzender des Behindertenpolitischen Netzwerks in Dortmund.

Doch Menschen mit psychischen Erkrankungen oder viele SeniorInnen, die ebenfalls stark mobilitätseingeschränkt sind, holen sich in der Regel keinen Ausweis. Offizielle Zahlen gibt es daher nicht.

Friedrich-Wilhelm Herkelmann, Vorsitzender des Behindertenpolitischen Netzwerks Dortmund,  schätzt daher die Zahl der insgesamt Betroffenen und den Menschen, die damit umgehen müssen, auf 20 bis 25 Prozent.

Ihnen ein Sprachrohr zu geben und sie noch stärker von Betroffenen zu Beteiligten zu machen, daran arbeitet das Netzwerk. Das Motto: „Mehr Partizipation wagen!“ Um das zu erreichen, hat sich das Behindertenpolitische Netzwerk der Unterstützung des gleichlautenden Projektes der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe versichert und seine Arbeit kritisch hinterfragt.

Die Leitfragen: Wie ist die politische Beteiligung von Menschen mit Behinderungen bisher? Wie könnte sie noch verbessert werden? Daniela Eschkotte von der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW führte durch die Sitzungen und unterstützte die Teilnehmenden in der Formulierung ihrer Einschätzungen und Wünsche.

Das Zentrum für Planung und Evaluation der Universität Siegen wird die Weiterentwicklung der politischen Partizipation in Dortmund wissenschaftlich begleiten. Das Land NRW unterstützt das Projekt im Rahmen des Aktionsplans „NRW.inklusiv“.

Bezirksverwaltungsstellen sollen barrierefrei werden – Zugang zu digitalen Unterlagen

Daniela Eschkotte von der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe.

Daniela Eschkotte, Mitarbeiterin  der LAG Selbsthilfe. Fotos: Alex Völkel

Was ist geplant? Dortmunder Bildungseinrichtungen werden nun angesprochen, Angebote der politischen Bildung für Menschen mit Behinderungen anzubieten.

Andere TeilnehmerInnen werden Kontakt zu Parteien in Dortmund aufnehmen und dafür werben, das Behindertenpolitische Netzwerk in seiner Arbeit zu unterstützen. So soll es perspektivisch AnsprechpartnerInnen für Behindertenfragen in den Dortmunder Ratsfraktionen geben,

Die Dortmunder Bezirksverwaltungsstellen, in denen die Bezirksvertretungen tagen, sollen barrierefrei werden. Auch die Mitglieder des Behindertenpolitischen Netzwerks sollen digitalen Zugang zu den Sitzungsunterlagen bekommen.

Neben diesen Schritten zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Arbeit des Behindertenpolitischen Netzwerks wurden in der Strategieklausur auch die Schwerpunktthemen für dieses Jahr besprochen. Dazu gehören:

  • Schulbegleitung: Das Konzept zur Schulbegleitung wird den politischen Gremien in den nächsten Monaten zur Kenntnis gegeben. Das BpN wird die Umsetzung konstruktiv-kritisch begleiten.
  • Behindertenfahrdienst: Das Behindertenpolitische Netzwerk setzt sich weiterhin für eine qualitative und quantitative Verbesserung dieses einmaligen und vorbildlichen Dortmunder Angebots ein. Die vorhandene gute Grundlage zur Sicherstellung des Menschenrechts auf Mobilität muss positiv weiterentwickelt werden.
  • Nahmobilitätskonzept für Menschen mit Behinderungen: Das Behindertenpolitische Netzwerk erhielt positive Rückmeldungen in den politischen Beratungen für seinen Wunsch, ein solches Konzept im Rahmen des Masterplans Mobilität zu entwickeln.

Wie genau die Belange von Menschen mit Behinderungen im weiteren Verlauf zum Tragen kommen, ist ein weiterer großer Schwerpunkt der Arbeit dieses Jahres.

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