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Kostenexplosion beim Umbau in der Uhlandstraße: 880.000 statt 420.000 Euro für Kreisverkehr in der Nordstadt

Kreuzung Uhlandstraße - Rückertstraße

Die Stadt plant einen Kreisverkehr an der Kreuzung Uhlandstraße – Rückertstraße. Archivfotos: Alex Völkel

In fast jeder Sitzung können die Mitglieder der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord ihr Klagelied anstimmen, dass ihre Beschlüsse nicht oder nur verspätet umgesetzt werden. Ein besonders gravierendes Beispiel stand jetzt nach acht (!) Jahren sogar erneut zur Entscheidung an: Ein Beschluss zur Errichtung eines Kreisverkehrs an der Kreuzung Uhlandstraße /Rückertstraße. Wurde das Vorhaben von der BV im Jahr 2013 mit 420.000 Euro als viel zu teuer kritisiert (aber dennoch beschlossen), sollte das Nordstadt-Gremium jetzt den Umbau erneut befürworten. Mittlerweile haben sich die Kosten mehr als verdoppelt – auf 880.000 Euro.

Vorschlag stößt auf wenig Gegenliebe: Zu teuer, unnötig und nicht sicher genug? 

Im Jahr 2009 hatte die BV grundsätzlich der Überplanung des Kreuzungsbereichs zugestimmt. Allerdings dauerte es dann bis zum Jahr 2013, bis Planungen zur Entscheidung vorgelegt wurden. Die stießen im Juli 2013 auf wenig Gegenliebe: Zu teuer, mittlerweile unnötig und vielleicht auch nicht sicher genug?

Ein Kritikpunkt: Als der Kreisverkehr 2009 als notwendig angemahnt wurde, gab es noch viel Schwerlastverkehr in dem Bereich. das ist aber längst Geschichte. Ein Unfallschwerpunkt ist der Bereich ebenfalls nicht.

Im September 2013 wurden die Planungen dann nochmals detaillierter in der BV vorgestellt. Auch da gab es wenig Gegenliebe. Allerdings stimmte die BV in der Folge zu, um die Mittel nicht an andere Stadtbezirke zu verlieren. Im Mai 2014 – also ziemlich genau vor drei Jahren – fand eine Bürgerinformation über die geplanten Baumaßnahmen statt.

Danach passierte wieder nichts. So lange, dass die Stadtverwaltung mittlerweile die Planungen überarbeiten musste. Die Baukosten stiegen von 420.000 auf 880.000 Euro. Aus personellen Engpässen heraus sei die Maßnahme nicht angegangen worden.

Tiefbauamt prüft mittlerweile vorher, welche Arbeiten nötig sind

Nicht nur die Kreuzung Uhlandstraße - Rückertstraße, sondern vier weitere solchen barrierefrei werden.

Nicht nur die Kreuzung Uhlandstraße – Rückertstraße, sondern vier weitere solchen barrierefrei werden.

Nun also ein neuer Anlauf: Das Tiefbauamt gehe mittlerweile völlig anders an solche Maßnahmen heran – mit einer Bestandsaufnahme. Bis 2013 habe es solche detaillierten Kalkulationen nicht gegeben – sie wurden quasi vom Schreibtisch aus gemacht. Nun werde vorab geprüft, welche Arbeiten wirklich gemacht werden müssten.

Zudem sei das Vorhaben jetzt nachhaltig angelegt und habe die Barrierefreiheit sowie die Anliegen von Fußgängern, Radfahrern und Behinderten stärker im Blick, verteidigte Gerhard Kappert die Neuplanungen. „Daher wird das jetzt mehr als doppelt so teuer.“

Stirnrunzeln bei den BezirksverterInnen: Unisono gab es Kritik am laxen Herangehen an solche Planungen. Gerda Bogdahn (SPD) lobte, dass nicht nur ausgebessert, sondern die Straße im Kreisverkehrbereich neu aufgebaut werde. „ Auch wenn Kosten mehr als verdoppelt. Sonst werden nach ein oder zwei Jahren wieder Ausbesserungen nötig“, so Bogdahn.

Andreas Urbanek (AfD) befürwortete zwar Kreisverkehre, kritisierte aber die Kosten: „ich sehe hier ein Versäumnis, so lax an die Planung heranzugehen. Eine Bestandsaufnahme sollte state of the art sein“, so Urbanek. „Verstehen Sie das als Signal an die Verwaltung – das kann sich so nicht wiederholen.“

CDU zweifelt an der Sicherheit und die Grünen an den Radwegen

Gerda Horitzky (CDU) stimmte – wie auch ihre Fraktion – auch dieses Mal mit Nein: „Wegen des Kindergartens halte ich die Ampel für besser und günstiger. Ich glaube nicht, dass da ein Kreisverkehr nötig und besser ist“, so Horitzky.

Wenig überzeugt vom Konzept war Rico Koske (Grüne) – wegen der Kosten und der Radwege. „Ich sehe nicht, dass jetzt die Radverkehre extra betrachtet wurden“, mochte Koske den Ausführungen nicht wirklich folgen.

Etwas Positives konnte Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder den mittlerweile acht Jahren Verspätung abgewinnen: „Vielleicht wird es nicht im Nachhinein teurer. Wir haben die Kostensteigerungen jetzt mal bevor begonnen wurde.“

Arbeiten beginnen frühestens im Oktober und werden mindestens vier Monate dauern

Etwa vier Monate wird die Ausschreibung und Auftragsvergabe nun dauern, dass vielleicht im Oktober mit dem Bau begonnen werden kann. Etwa vier Monate Bauzeit werden benötigt. Allerdings erinnerte Kappert daran, dass nicht nur der große Kreisverkehr, sondern auch südlich an vier Stellen die Kreuzungen barrierefrei ausgebaut und die Ampelanlagen abgebaut würden.

„Es sind also insgesamt fünf Baustellen“, so Kappert. Ziel soll es sein, diese möglichst parallel abzuwickeln. Allerdings soll der Kreuzungsbereich nicht die ganze Zeit gesperrt werden. Wahrscheinlich eine Fahrtrichtung bleibt nutzbar.

Falls der Winter nicht dazwischen kommt, könnten die Arbeiten Anfang 2018 abgeschlossen werden – neun Jahre nach dem ersten Beschluss des Vorhabens.

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