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HINTERGRUND: Was tun mit verletzten Wildtieren? Tierschutzorganisationen und Ärzte können helfen

Dieser junge Buchfink flog gegen eine Scheibe. Nordstadtblogger.de brachte ihn zum Tierarzt. Foto: Alexander Völkel

Dieser junge Buchfink flog gegen eine Scheibe. Nordstadtblogger.de brachte ihn zum Tierarzt. Fotos (2): Alex Völkel

Von Ole Steen

Ein dumpfer Schlag an der Scheibe, ein undefinierbarer Fleck auf dem Glas. Doch die Ursache ist zunächst nicht zu finden. Erst Tage später entdeckt der Wohnungseigentümer einen kleinen Buchfinken – er hockt zwischen Blumen auf dem Balkon. Das Tier kauert in einer Ecke und bewegt sich nicht mehr. Einen Flügel kann er kaum noch bewegen. Auch Wasser und Nahrung verweigert er. Was also tun, wenn man einen Wildvogel in einer solchen Lage findet? Nordstadtblogger.de hat sich im Netz und bei Tierschutzorganisationen umgehört.

Vogelpflegestation des NABU Dortmund behandelt nur Greifvögel aber keine Singvögel

Zwischen Blumentöpfen wurde der Buchfink gefunden.

Zwischen Blumentöpfen wurde der Buchfink gefunden.

Ein „Hilferuf“-Posting bei Facebook und Twitter ergab viele Tipps und gute Ratschläge. Facebook-Nutzerin „Betti A. Tari“ empfahl, den Vogel in eine Kiste mit Luftlöchern, aber ohne Futter und Wasser zu setzen.

Dort könne der Vogel sich erholen und dann meistens – solange er nicht verletzt ist – nach etwa zwei bis drei Stunden wieder wegfliegen. Falls der Vogel das nicht tue, brauche er wahrscheinlich wirklich Hilfe – erst dann solle man ihn zum Tierarzt bringen.

Diese und weitere Tipps bekommen Interessierte u.a. in der Facebook-Gruppe „Wildvogelhilfe-Notfälle“. Mehr als 22.000 (!) NutzerInnen sind dort Mitglied. Sie können entweder selbst helfen, kennen Gruppen vor Ort oder vermitteln Hilfesuchende an Tierärzte oder andere Organisationen weiter.

Eine dieser lokalen Gruppen ist der „NABU Dortmund“. Ingo Lukschütz von der Vogelpflegestation des „NABU Dortmund“ rät, dass der „Besitzer“ mit „seinem“ wilden Singvogel zu einem Tierarzt gehen soll. Denn die Vogelpflegestation behandelt nur Greifvögel. Die meisten Tierärzte behandelten Wildtiere kostenlos, manche würden aber auch um eine kleine Spende bitten, weiß der Experte.

Unser Buchfink war vermutlich nur erschöpft und hatte sich nichts gebrochen

Der Tierarzt Vladyslav Gorodnov untersuchte den jungen Vogel. Foto: Ole Steen

Tierarzt Vladyslav Gorodnov untersuchte und versorgte den jungen Vogel. Foto: Ole Steen

Die Probe aufs Exempel bei der Kleintierpraxis Brahm am Wall: Tierarzt Vladyslav Gorodnov schaut sich den jungen Buchfinken an und stellt fest: Gebrochen ist wohl nichts, doch der kleine Piepmatz ist vermutlich sehr entkräftet.

Beim Umgang mit Wildvögeln und Wildtieren allgemein rät der Tierarzt zur Zurückhaltung: Vor allem junge Vögel soll man nicht vom Fundort entfernen, da die Eltern sie sonst kaum wiederfinden könnten. „Zudem lassen sich Vögel kaum oder gar nicht von Menschen aufpäppeln“, weiß Gorodnov.

Da dies auch für die meisten anderen Wildtiere gelte, soll man diese am besten direkt zum Tierarzt, oder noch besser zu einem Spezialisten bringen. In Essen gibt es etwa eine Taubenklinik. Viele Tierärzte sind nämlich vor allem für die Behandlung von Haustieren ausgebildet und vermitteln gefundene Tiere deshalb selbst an Spezial-Stationen und Kliniken weiter.

Der „Arche 90 e.V.“ hilft verletzte Wildtiere einzufangen und zu behandeln

Eine weitere lokale Anlaufstelle  ist die Dortmunder Tierschutz-Organisation „Arche 90 e.V.“. Sie kümmert sich nicht nur um verwahrloste und heimatlose Haustiere, sondern beschäftigt sich auch mit Wildtieren. Sie betont, dass sie „jedem sich in Not befindlichen Tier hilft“ – egal ob es Haus- oder Wildtiere sind.

Arche 90 holt die die gefundenen Tiere ab und bringt sie dann in eine ihrer Pflegestellen oder zu einem Tierarzt. Dort werden die Tiere weiter versorgt und entweder vermittelt oder – bei Wildtieren wahrscheinlicher – wieder ausgewildert.

Die Arche-EinsatzfahrerInnen helfen zur Not auch dabei, verletzte oder erkrankte Wildtiere einzufangen, falls man das selber nicht schafft. Doch auch sie raten zur äußersten Zurückhaltung: „Wildtiere brauchen nur in seltenen Ausnahmefällen menschliche Hilfe“, betont die Tierschutzorganisation.

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