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Erinnerungskultur innovativ: Software-Firma aus Dortmund lässt das Benno-Elkan-Mahnmal virtuell entstehen

Anhand von Fotos wie diesem wird das Mahnmal virtuell rekonstruiert. Bildnachweis: Archiv der Akademie der Künste Berlin

Anhand von Fotos wie diesem wird das Mahnmal virtuell rekonstruiert. Bild: Archiv der Akademie der Künste Berlin

Von Joachim vom Brocke

Ein virtuelles Mahnmal des Bildhauers Benno Elkan, der am 2. Dezember vor 140 Jahren in Dortmund geboren wurde, ist in Vorbereitung. Experten einer heimischen Software-Schmiede machen sich an die komplizierte digitale Arbeit, um damit „einen der herausragendsten Künstler unserer Stadt“ (so Oberbürgermeister Ullrich Sierau bei der Vorstellung des Projektes) zu würdigen. Das von Benno Elkan geplante „Mahnmal für die Toten des Krieges“ wurde nie realisiert; ein Tonmodell ist nicht mehr auffindbar. Einziger Anhaltspunkt für die mögliche Rekonstruktion sind sechs Schwarz-Weiß-Fotos von eben diesem Modell.

Experten fanden gemeinsamen Lösungsansatz – Virtuelles Mahnmal lässt sich von allen Seiten umrunden

Benno Elkans Enkelin Beryn Hammil, die in San Francisco lebt, hat die Fotos der Stadt bei Einweihung der Benno-Elkan-Allee im Frühjahr 2016 überlassen. Eine Gruppe um den ehemaligen leitenden Museumsdirektor Wolfgang E. Weick setzte sich dafür ein, das Mahnmal – in welcher Form auch immer zu realisieren.

Anhand von Fotos wie diesem wird das Mahnmal virtuell rekonstruiert. Bildnachweis: Archiv der Akademie der Künste Berlin

Anhand von Fotos wie diesem wird das Mahnmal virtuell rekonstruiert. Bildnachweis: Archiv der AdK

Zwei wissenschaftliche Teams der TU Dortmund (Fakultät für Informatik, Lehrstuhl Prof. Heinrich Müller) und die noch junge Softwarefirma „vitaly“ aus dem Technologiepark fanden schließlich einen Lösungsansatz.

Mit Methoden der „Augmented Reality“ (erweiterte Realität) kann das Mahnmal computergestützt als 3D-Rekonstruktion entstehen. Dem Betrachter ist es später möglich, das virtuelle Mahnmal von allen Seiten zu umrunden. Dafür reicht bereits ein QR-Code mit Smartphone aus.

Zukünftig seien noch weiterführende Möglichkeiten mit Spezialbrillen denkbar. Davor stehen einige Monate an Entwicklungsarbeit, wie Markus Rall, Geschäftsführer von „viality“, erklärte. In Handarbeit werden die Fotografien digitalisiert und aufbereitet.

Benno Elkans  berühmtestes Werk steht vor der Knesset in Jerusalem

Die große Menorah vor der Knesset in Jerusalem stammt von Benno Elkan. Foto: Alex Völkel

Die große Menorah vor der Knesset in Jerusalem ist von Benno Elkan. Foto: Alex Völkel

Wolfgang E. Weick informierte, dass es ein besonderer Wunsch von Benno Elkan gewesen sei, seiner Geburtsstadt Dortmund dieses Denkmal zu stiften. Nach seinem Berufsverbot ist der Bildhauer 1935 nach England emigriert.

Sein Mahnmal-Modell aus den Nachkriegsjahren konnte der Künstler in seiner Heimatstadt nicht mehr vorstellen – er starb 1960 im Alter von 83 Jahren. Mit der „Großen Menora“ vor der Knesset in Jerusalem schuf Benno Elkan sein berühmtestes Werk.

Etliche seiner bildhauerische Arbeiten gibt es auf dem Ostfriedhof; einige Werke befinden sich darüber hinaus im Besitz des Museums am Ostwall. Die Digitalisierungsidee, so Weick, sei durch ein Gespräch mit Pascale Ledune von der Wirtschaftsförderung entstanden, der den Kontakt zu „viality“ herstellte.

Historischer Verein bemüht sich um Finanzierung

Markus Rall (viality), Wolfgang E. Weick, OB Ullrich Sierau, Gerd Kolbe (Schachverein) und Dr. Stefan Mühlhofer präsentierten die Idee. Foto: Joachim vom Brocke

Markus Rall (viality), Wolfgang E. Weick,
OB Ullrich Sierau, Gerd Kolbe (Schachverein) und Dr. Stefan Mühlhofer (Stadtarchiv) Foto: J.v.Brocke

Der Historische Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark (Vorsitzender ist Alt-Bürgermeister Adolf Miksch) hat zugesagt sich als Träger um die Finanzierung des Projektes bzw. die Akquise von Spenden zu kümmern. Geschätzt werden etwa 40.000 Euro.

Geschäftsführer Stefan Mühlhofer kündigte an, dass die Zeitschrift „Heimat Dortmund“ in einer der nächsten Ausgaben über Benno Elkan und sein Werk ausführlich berichten werde. „Als Stadt der Erinnerungskultur mit Steinwache und Bittermark“, so OB Sierau, könne er sich vorstellen, im Orchesterzentrum an der Brückstraße – hier lebte Benno Elkan – ebenfalls einen Erinnerungsort an den Künstler zu schaffen.

Wann die Digitalisierung abgeschlossen wird, ist noch nicht bekannt. Enkelin Beryn Hammil will im Juni kommenden Jahres erneut Dortmund besuchen. Nun hoffen alle Mitwirkenden, dass zu diesem Zeitpunkt die technische Arbeit abgeschlossen ist

 Mehr Informationen:

  •  Benno Elkan lebte und wuchs an der Brückstraße auf. Wo heute das Orchesterzentrum steht, führte sein Vater, Schneidermeister Salomon Elkan, ein Herrentextilgeschäft. Salomon Elkan gehörte zu den Gründern des Dortmunder Schachvereins von 1875.
  •  Benno Elkan war Fußballpionier in Dortmund. Er gehörte 1895 zu den Gründern des ersten „Dortmunder Fußball-Club 1895“, heute TSC Eintracht 48/95. Als junger Kunststudent war er 1900 auch an der Gründung des FC Bayern beteiligt.
  •  Im Londoner Exil schuf er 1950 als Auftragsarbeit für Arsenal London den berühmten „Fighting Cock“, das Emblem von Tottenham Hotspors, als 43 cm große Skulptur. Das Werk ist verschollen.
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