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Eine ungewöhnliche Polizeigeschichte aus Dortmund: Vom geklauten Fahrrad, welches am Tatort wieder auftauchte

Das geklaute Fahrrad ist zurück bei der ursprünglichen Besitzerin. Foto: Susanne Schulte

Das geklaute Fahrrad ist zurück bei der ursprünglichen Besitzerin. Foto: Susanne Schulte

Von Susanne Schulte

Auf dem Weihnachtswunschzettel einer Nordstädterin stand drei Wochen lang ein Wort: Fahrrad. Ihres war ihr kurz vor der Adventszeit vor ihrer Arbeitsstätte in der westlichen Innenstadt geklaut worden, wo es vermeintlich sicher an einem Baumschutz-Pfosten gekettet war. Der Feierabend war dahin.

Erst nach genauer Prüfung der Eigentumsverhältnisse griff der Polizist zum Bolzenschneider

Zu Fuß ging’s zur Wache in der Münsterstraße. Die Frau erstattete Anzeige, sonst hätte die Versicherung keine Entschädigung gezahlt, und guckte sich schon mal in den Fahrradgeschäften um. Drei Wochen später, es war wieder ein Montag, und nach ihrer Mittagspause traute die gestoppte Radlerin weder ihren Augen, noch ihrem Verstand: Im geräumigen Eingangsbereich des Ärztehauses, in dem auch die Frau arbeitet, stand – mit einem roten, ihr unbekannten Schloss gesichert – ihr Fahrrad, nur wenige Meter vom damaligen Tatort entfernt.

Während des Anrufs bei der Polizei wurde klar: Wieder in den Besitz des Eigentums zu kommen, ist schwierig. Der Beamte am Telefon war skeptisch, aber zu überzeugen. Kurz darauf kamen die zweiköpfige Besatzung eines Streifenwagens, suchten akribisch nach der Rahmennummer, fanden diese schließlich, glichen sie Ziffer für Ziffer mit der aus der Anzeige ab und erst dann sprach einer den entscheidenden Satz: „Ich hole jetzt den Bolzenschneider aus dem Auto, knacke das Schloss und Sie können wieder mit Ihrem Rad fahren.“

Auch der Dieb passte aufs Fahrrad auf: I H M sollte es nicht geklaut werden

Das rollte so prima wie gehabt, der unrechtmäßige Besitzer hatte es gut behandelt und wollte wohl auch nicht, dass man es ihm klaut. Welchen anderen Grund gab es, sich den vermeintlichen sicheren Parkplatz im Treppenhaus zu suchen und es abzuschließen? Ob er an diesem Montag eine Anzeige wegen Fahrraddiebstahls gestellt hat, ist nicht überliefert.

Bei der Versicherung war die Mitarbeiterin genauso platt wie die PolizeibeamtInnen: „Das habe ich während meiner ganzen Berufsjahre noch nie gehört“, meinte die Angestellte am Telefon und stoppte gerne die Auszahlung der Entschädigung. Die Nordstädterin änderte tags drauf ihren Wunschzettel: ein unknackbares Fahrradschloss steht nun ganz oben.

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4 Gedanken über “Eine ungewöhnliche Polizeigeschichte aus Dortmund: Vom geklauten Fahrrad, welches am Tatort wieder auftauchte

  1. Pedalist

    (Dortmund – Pedalist) Der Fahrraddiebstahl hat in einem so immensen Maß zugenommen, dass man das kaum glauben mag. Viele Fahrradbesitzer – gerade von Velos mit einem Neupreis unter 5000 Euro – sind nicht versichert. Aus polizeinahen Kreisen sickerte durch, dass bei einer Durchsicht der Vorgänge zu Fahrraddiebstählen bei gut zwei Dritteln durch die Kriminalisten ein Verdacht auf Versicherungsbetrug zu Lasten der Diebstahlopfer eingepflegt sei. Die Aufklärungsraten liegen im Schnitt bei lächerlichen 5,7 Prozent. Fahrraddiebstähle sind ein rasant wachsendes Massendelikt, das von Justiz und Staat bagatellisiert wird. Immer mehr Diebstahlopfer sind nicht mehr in der Lage, den monetären Schaden auszugleichen und sich ein neues Fahrrad zu kaufen. Bedenkt man die Weiterentwicklung seit den letzten offiziellen Kriminalstatistiken, werden pro Jahr etwa eine halbe Million Fahrräder in der Republik gestohlen. Also in etwa alle zwei Minuten. Nur etwa drei Velos pro 10.000 tauchen wieder auf. Nur eines davon in gutem oder reparablen Zustand. Die Dunkelziffern der entwendeten Velos indes dürfte beinahe bei der doppelten Zahl liegen.

    In einer spektakulären Aktion bracht ein Opfer eines Fahrraddiebstahls 5.000 Fahndungsplakate im Stadtgebiet von Dortmund an. Verbreitet ebenso per Facebook, Instagram und Twitter. Innerhalb von 24 Stunden nach dem Diebstahl. Zur Kenntnis genommen hat die wohl niemand. Weder die Bürger, noch Polizei oder Medien. Das Velomobil dürfte noch immer verschwunden sein, ebenso wie inzwischen die ganzen Plakate. Selbst auffällige Fahrräder mit unverwechselbaren An- und Umbauten, Beklebungen und Lackierungen bleiben für immer verschwunden, ohne jemals bei einer Polizeikontrolle entdeckt zu werden.

    Bei vielen abgestellten Rädern graust es dem weniger unbedarften Pedalisten ob der vollkommen unzureichenden Sicherung, die selbst für Gelegenheitsdiebe nicht mal ein Hemmnis, geschweige denn ein echtes Hindernis darstellt. Galten stabile und schwere Schlösser viele Jahre lang als ausreichendes Hemmnis um selbst professionelle Fahrraddiebe wegen der zu langen Dauer des Überwindens zu verschrecken, verschwinden inzwischen selbst mit drei teuren und stabilen Schlössern gesicherte Räder. Hochwertiges Mountainbike mitten im Ortskern mit einem stabilen Bügelschloss an eine Laterne oder Metallzaun angeschlossen, Vorder- und Hinterrad jeweils mit schweren Panzerkabelschlössern an Rahmen und teilweise sogar noch mit an den Zaun gesichert – heute wohl nur noch ein Hindernis für Junkies auf Gelegenheitsdiebstahl aus. Früher oder später verschwinden auch so massiv gesicherte Velos spurlos und für immer unauffindbar im Nichts. Ebenso wie Fahrräder aus Hausfluren, Garagen, von Balkonen und Fahrradkellern. In Dortmund alleine werden im Jahr etwa 4000-5000 Velomobile gestohlen. Damit gehört die Ruhrgebietsmetropole zur unrühmlichen Liste der Fahrraddiebstahlhochburgen in Deutschland. Als bloße Bagatelle abgetan, ist der Velodiebstahl jedoch seit Jahren organisierte Kriminalität. Hoch effektive Banden klauen schneller als die Pedaltreter sich neue Fahrräder kaufen können, laut Verband der Versicherungswirtschaft lag der den Versicherten zu ersetzende Schaden bei rund 100 Millionen Euro. Dabei dürfte inzwischen nur noch jedes vierte Rad über Hausratversicherung oder Fahrradschutzbrief versichert sein.

    Dass der größte Teil aufgefundener und sichergestellter Velos dennoch nicht den Weg zum rechtmäßigen Eigentümer wiederfinden, daran sind vor allem Hersteller und Politik schuld. Seit Jahrzehnten fordern Verbände, Radsport und Verbraucher die Einführung einer einheitlich aufgebauten Individualnummer, die sich aus Code für Hersteller, Importeur, Modell und einer Seriennummer zusammensetzt, die der Händler beim Verkauf an eine zentrale Datenbank übermitteln muss, die bei einer Behörde, etwa dem Kraftfahrbundesamt, geführt wird. Rechtmäßige Verkäufe müssten dann bei den Bürgerdiensten angezeigt werden, wie etwa der Verkauf eines Kraftfahrzeuges. Für die Streifenpolizei stellt das Fehlen einer solchen einheitlichen Individualnummer ein immenses Problem dar. Zum einen sind die Seriennummern der Fahrräder bei fast allen Herstellern nur an einer Stelle am Rahmen angebracht, zum anderen nur schwer lesbar und oftmals von Anbauteilen wie Kabelzugführungen verdeckt, die nur mit Werkzeug demontiert werden können. Für die Polizeistreife im Einsatzalltag während einer Alltagskontrolle vollkommen unleistbar, von möglichen Beschädigungen abgesehen. Selbst wenn die Seriennummer lesbar ist, stellt sich als weiteres Problem heraus, dass Seriennummern von mehreren Herstellern mehrfach vergeben sind. Auch das von Polizei und ADFC angepriesene Kodieren der Räder ist in mehrfacher Hinsicht wertlos. Es existieren mehrere, nicht miteinander kompatible Kodierungen. Was dazu führen kann, dass die Kodierung in einem anderen Bundesland nicht dekodiert werden kann. Außerdem dürfen viele moderne Fahrradrahmen wegen der neuen Verbundwerkstoffe nicht mehr graviert werden. Obendrein setzt sich der Fahrradcode in NRW zusammen aus dem Kfz-Kennzeichen – etwa DO – einem 5-stelligen amtlichen Kode der Straße in der der Eigentümer wohnt, der maximal 3-stelligen Hausnummer, 2 Initialen des Eigentümers und dem Jahr der Codierung. Damit wird also einmalig der erste Käufer kodiert, samt Adresse zum Kaufzeitpunkt. Umzüge und Gebrauchtverkäufe machen mit diesem System mehr Probleme als sie lösen. Schätzungen zufolge erhalten pro Großstadt wie Düsseldorf oder Dortmund gerade mal zwei Besitzer pro Jahr ihr Velo aufgrund dieser Kodierung zurück. Wir erinnern uns – alleine in Dortmund werden pro Jahr zweitausendfünfhundert mal mehr Fahrräder gestohlen als durch diese Kodierung an ihre Eigentümer zurück gegeben. Ein weiteres bagatellisiertes Problem ist, dass ein in Dortmund – also NRW – entwendetes Velo bestenfalls aber selten landesweit bei einer Indidualnummernabfrage von der Leitstelle der Streife als gestohlen zurückgemeldet wird. Oftmals erfährt schon die Streife in Bochum oder Schwerte nicht mehr, dass das Fahrrad einliegt. Von anderen Bundesländern und dem angrenzenden Ausland innerhalb der EU ganz zu schweigen. Da bleibt dem noch so engagierten Streifenpolizisten nichts übrig, als den noch so verdächtigen Dieb mit dem gestohlenen Fahrrad ziehen zu lassen, auf dass es niemals wieder auftaucht.

  2. Lothar Schwarz

    Was ist denn das für eine „Nachricht“ ? Da wundert man sich, dass der Dieb seinerseits keine Diebstahlsmeldung macht ???? Der dürfte ja dann auch bekannt sein, da das Fahrrad ja abgeschlossen bei seiner Wohnung stand. Und dann ist diese Person für den Diebstahl zu bestrafen. Das ist das, was ich ungewöhnlich an dem Fall finde….

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