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Dortmunder Muslime distanzieren sich von Gewalt und Terror – Kritik an Umgang mit den Gemeinden nach Amri-Anschlag

Der Innenraum der Dortmunder Zentralmoschee ist bereits neu gestaltet.

Mit großer Besorgnis beobachtet der Rat der muslimischen Gemeinden in Dortmund (RMGD) in den letzten Wochen und Monaten die Medienberichterstattung nach dem schrecklichen Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. „Wir haben hierzu schon vielfach Position bezogen: Wir als Muslime verurteilen solche terroristischen Handlungen auf das schärfste und distanzieren uns ganz klar von diesen Taten und Tätern.“

Rat der Muslime nimmt zu möglichen Moscheebesuchen von Anis Amri Stellung

Der Terrorist Anis Amri soll auch Dortmunder Moscheen besucht haben. Bild: BKA

Der Terrorist Anis Amri soll auch Dortmunder Moscheen besucht haben. Bild: BKA

Nach dem Anschlag sind muslimische Gemeinden in Dortmund in die Negativschlagzeilen der Medien geraten. Anis Amri soll in Dortmunder Moscheen gebetet haben und eine Liste Dortmunder Moscheen kursiert in den Medien.

„Bestürzt und zugleich verwundert waren wir als RMGD darüber, dass diese Liste jene Moscheenamen beinhaltet, die in Dortmund als gemäßigte, gesellschaftsoffene, vertrauensvolle und zuverlässige Ansprechpartner gelten“, heißt es in einer Stellungnahme des Rates.

Viele dieser Moscheen sind im Interreligiösen Dialog aktiv und arbeiten in Kooperationen mit anderen Akteuren der Gesellschaft zusammen. Daher sieht sich das Gremium genötigt, in Bezug auf die Vorwürfe, dass Amri sich in Dortmunder Moscheen aufgehalten haben soll, Stellung zunehmen.

Die Stellungnahme im Wortlaut:

  • Die in der besagten Liste erwähnten Moscheen standen zu keinem Zeitpunkt in Verbindung mit Anis Amri. Weder die Vorstände, noch die Imame der durch RMGD vertretenen Moscheegemeinden hatten Kontakt zu ihm. Da die Moscheen, wie auch Kirchen usw., offen für jeden Besucher sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass Amri einige Moscheen schon mal besucht hat. Was wir jedoch definitiv ausschließen können, ist, dass er als Vorbeter in einer der Moscheen eingesetzt oder beauftragt wurde. Die Moscheen haben in der Regel fest angestellte Imame und stellvertretende Vorbeter im Falle der Verhinderung oder Abwesenheit, die auch ausschließlich von den Vorständen der jeweiligen Moschee bestimmt werden.
  • Die genannten Moscheen leisten seit ihrer Gründung Aufklärungsarbeit und ergreifen sehr viele Maßnahmen zur Prävention von Gewalt und Radikalisierung. Die Moscheen treffen sich seit einigen Jahren regelmäßig mit der Polizei und sind nach wie vor bereit mit den Sicherheitsbehörden zusammenzuarbeiten, um den gesellschaftlichen Frieden zu erhalten und zur Aufklärung von derartigen schrecklichen Vorfällen beizutragen. Allerdings muss hier erwähnt werden, dass den Moscheegemeinden und dem RMGD zu keinem Zeitpunkt – weder vor noch nach dem Anschlag – Informationen, Hinweise oder Anfragen von den Sicherheitsbehörden zur Person Amri vorlagen.
  • Weiterhin möchten wir alle Dortmunder – Wir ALLE sind Dortmund! – dazu aufrufen, weiter Hand in Hand für eine positive und friedvolle Gestaltung unserer Gesellschaft zusammenzuarbeiten. Wir dürfen das Feld nicht den Scharfmachern überlassen! Derartige schreckliche Vorfälle bzw. eine Minderheit von Menschen mit radikalem Gedankengut dürfen uns weder von unserer gemeinsamen Einheit in Vielfalt, noch vom Kurs der friedlichen Koexistenz bzw. der konstruktiven Zusammenarbeit abbringen. 

Objektive Berichterstattung eingefordert – Kritik an den Ruhrnachrichten

Ahmad Aweimer

Ahmad Aweimer ist u.a. Sprecher des Rates der muslimischen Gemeinden in Dortmund.

Außerdem ruft der Rat der muslimischen Gemeinden die Medien zu einer objektiven Berichterstattung aufgerufen. Anlass ist die Berichterstattung der „Ruhrnachrichten“ über den Sprecher des Rates, Ahmad Aweimer.

„Der zuletzt in den Ruhrnachrichten erschienene negative Artikel (…) lässt uns an der Sachlichkeit und Objektivität stark zweifeln“, heißt es in dem Schreiben.

„Herr Aweimer genießt unser volles Vertrauen. Er ist seit über 27 Jahren ehrenamtlich im interreligiösen Dialog in Dortmund tätig und er steht für ein friedliches Miteinander aller Dortmunder, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Dies bezeugt seine unermüdliche Arbeit und tatkräftige Unterstützung verschiedenster Projekte und Gremien“, so die Mitstreiter von Aweimer.

Mahnwache am Internationalen Tag gegen Rassismus

Abschließend sichert das Gremium noch einmal allen gesellschaftlichen Akteuren seine Gesprächsbereitschaft zu, „um weiter gemeinsam konstruktiv zusammenzuarbeiten und aufeinander zuzugehen und gegenseitige Vorurteile abzubauen“.

Eine Möglichkeit ist bereits am kommenden Dienstag: Am 21. März findet von 12 bis 12.30 Uhr vor dem
Rathaus am Friedensplatz eine vom Dialogkreis der Abrahamsreligionen geplante Mahnwache im Rahmen der Kampagne „Wir alle sind Dortmund“ statt.

An dieser Mahnwache werden neben Oberbürgermeister Ullrich Sierau und den
weiteren Mitglieder des Verwaltungsvorstandes auch VertreterInnen von Christen, Juden und Muslimen teil. Interessierte sind dazu willkommen.

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Ein Gedanke zu “Dortmunder Muslime distanzieren sich von Gewalt und Terror – Kritik an Umgang mit den Gemeinden nach Amri-Anschlag

  1. isnogud

    Und mit ebenso großer Besorgnis kann man den Rat der Muslime leider nicht dabei beobachten, wie eine innere Aufarbeitung des Kontakts von Amri erfolgt. Wo bleibt das ernsthafte Bemühen um Aufklärung über die Rolle von Amri in Dortmund? Wieso verweist der Rat auf die Polizei statt selbst nachzuforschen?

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