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Musik-CD im Jugendtreff Stollenpark in der Nordstadt produziert: „Schreib es auf – lass es raus – Die Jugend rappt!“

„Schreib es auf – lass es raus – Die Jugend rappt!“, lautet der Titel einer Musik-CD, die im Jugendtreff Stollenpark in der Nordstadt enstanden ist.

Zwölf Songs von Jugendlichen sind auf dieser von Simon Milz (2.v.l.) produzierten CD enthalten. Fotos: Alex Völkel

„Schreib es auf – lass es raus – Die Jugend rappt!“, lautet der Titel einer Musik-CD, die im Jugendtreff Stollenpark in der Nordstadt enstanden ist. Zwölf Songs von Jugendlichen sind auf dieser CD enthalten, die sich kreativ, musikalisch und kritisch mit den Themen Miteinander und Diskriminierung auseinandersetzen.

„Teufel meiner Seele“, „Nazi“ und „Plattenbau“ heißen die Eigenkompositionen

Jugendliche unterschiedlichster Herkunft haben bei dem Rap-Projekt mitgemacht, welches  im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ gefördert und vom Planerladen e.V. angeboten wurde.

Mit dem Rap-Projekt wurden Jugendliche unterschiedlichster Herkunft aus der Dortmunder Nordstadt und anderen Stadtteilen erreicht, sensibilisiert und für die Zivilgesellschaft „künstlerisch“ aktiviert.

Simon Milz betreute und unterstützte die Jugendlichen während des Projektes und verbrachte viele Stunden im Tonstudio im Treffpunkt Stollenpark. Die Jugendlichen schrieben ihre eigenen Texte und komponierten dazu ihre Songs/Beats.

Rapper und Produzent Simon Milz hat die Jugendlichen bei ihrer Arbeit unterstützt.„Wir wollten möglichst viele Jugendliche dazu bringen, ihre Musik, die sie ohnehin machen, in eine andere Richtung lenken“, erklärt Milz, gleichzeitig auch Tonstudio-Mitarbeiter im Stollenpark.

Statement gegen Diskriminierung und für die Stärkung von Miteinander und Solidarität

„Teufel meiner Seele“, „Nazi“ und „Plattenbau“, so einige Titel der Songs. In den Liedern geht es um eine kritische Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Alltag. Sie beinhalten aber auch ein Statement gegen Diskriminierung und für die Stärkung von Miteinander und Solidarität.

Nabil fand es spannend, mit seiner Musik mal in eine andere  – eine politischere  – Schiene zu gehen. „Ich hätte keine Probleme damit, auch in Zukunft solche Tracks machen – aber nicht ausnahmslos“, sagt der junge Rapper.

Er hat unter anderem den Song „Plattenbau“ beigesteuert, in der die Benachteiligung von Migranten thematisiert wird. „Man merkt, wie die eigenen Chancen geringer werden als die seiner deutschen Klassenkameraden“, sagt Nabil.

Er ist in einem Hochhaus in Dorstfeld aufgewachsen und ärgert sich, dass er und seine muslimischen Freude regelmäßig von der Polizei kontrolliert werden – allein in der vergangenen Woche vier Mal kontrolliert – seine deutschen Freunde hingegen gar nicht.

„Wir Moslems sind nicht alles Terroristen und nicht gefährlicher als Christen“, betont der junge Rapper, der sich früher nicht mit politischen Themen beschäftigt hat.

Rund ein halbes Jahr vergingen von der ersten Tonaufzeichnung bis zum letzten Foto

Kinder- und Familienfest auf dem Nordmarkt

Nabil und Görkem sind im Rahmen des Projekts auch beim Familienfest auf dem Nordmarkt aufgetreten.

Görkems Track ist härter und lauter als der Durchschnitt auf der CD. Er hat das Stück „Verräter“ denjenigen gewidmet, die ihn in seinem Leben bereits verraten haben.

„Es spiegelt wider, was draußen passiert, was Freunde über dich zu anderen sagen. Ich habe Hass, Wut und Schmerz in einen Liedtext verwandelt“, so Görkem alias „Ankat“. Solche Stücke fallen ihm leicht. Aber einen Track über Politik zu machen, darüber hat er sehr lange überlegt. Er hat sich dazu entschieden, das Thema Anschläge zu thematisieren.

Rund ein halbes Jahr von der ersten Tonaufzeichnung bis zum letzten Foto hat die CD-Produktion gedauert. Nicht alle Jugendlichen haben durchgehalten und ihre Tracks fertiggestellt: „Wir haben viele halbe Lieder und Ideen“, räumt Simon Milz ein.

Drei Mal die Woche für jeweils drei Stunden arbeitet er im Stollenpark. Für die CD-Produktion hat er teils auch im privaten Studio mit den TeilnehmerInnen gearbeitet – „wenn halt Motivation und Zeit war“.

600 CD’s produziert – Wunsch nach einer Musikvideoproduktion

600 CD’s haben sie produziert. Sie sind kostenlos im Jugendtreff Stollenpark erhältlich. Wer Interesse hat, kann die CD auch per e-Mail bestellt werden: jugendforum@planerladen.de. Für Jugendliche ist das kostenlos. Wenn Erwachsene bestellen, müssen sie drei Euro für Verpackung und Versandkosten bezahlen.

Simon Milz hofft, dass dies nicht das letzte Projekt im Tonstudio war. Er könnte sich vorstellen, als nächstes einen „Stollenpark-Allstars-Song“ mit allen beteiligten KünstlerInnen aufzunehmen. „Wünschenswert wären auch Musikvideos. Das wäre der nächste Schritt. Das würde ich gerne in Zukunft anbieten – als neues Projekt“, so Milz.

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