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Arbeit des Fördervereins trägt Früchte: Fünf alte Grabsteine bekamen auf dem Nordfriedhof einen neuen Platz

Das Bestattungsunternehmen Hibbeln aus Eving restaurierte die Steine kostenlos. Fotos: Ole Steen

Das Bestattungsunternehmen Hibbeln aus Eving restaurierte die Steine kostenlos. Fotos: Ole Steen

Von Joachim vom Brocke

Gerettet wurden auf dem Nordfriedhof an der Burgholzstraße die Gedenksteine von fünf Kindergräbern aus den Jahren 1902 bis 1904. Sie ließen damals die Eltern zur Erinnerung an ihre Kinder aufstellen, die sie in einem Alter zwischen einem und drei Jahren verloren hatten. Die Gräber im Feld 3 befanden sich in einem schlechten Zustand. Der Förderverein des Nordfriedhofes wollte die Gedenksteine in irgendeiner Weise retten.

Gründlich saniert und aufgearbeitet – Experte: „Arbeiten heute kaum noch bezahlbar“

Christian Berndt, der Verwalter des Nordfriedhofes, hatte die Idee, die fünf Steine der Kindergräber entlang des Hauptweges zur Trauerhalle neu aufzustellen. Mit diesem Vorschlag waren die Mitglieder vom Förderverein einverstanden: „Dort haben sie einen würdigen Platz gefunden“, freute sich Gerda Horitzky. Doch zunächst mussten die Grabsteine gründlich saniert und aufgearbeitet werden.

Der Förderverein hatte die Übernahme der Kosten für Restaurierung und Neuaufstellung in Aussicht gestellt. „Umso erfreulicher war in der Folge die Zusage des Bestattungsunternehmens Hibbeln GmbH aus Eving, die Steine kostenlos zu restaurieren und neu aufzustellen“, so Gerda Horitzky. Bestatter Meik Hibbeln und seine Steinmetze machten sich an die Arbeit.

„Heute wären diese Arbeiten aus hellem und dunklen Granit kaum mehr zu bezahlen“, sagte der Experte bei der Vorstellung der renovierten Grabsteine. In Marmor und in einem granitähnlichen Gestein sind die Namen der viel zu früh verstorbenen Kinder eingelassen.

Zwei neue Ruhebänke für Senioren folgen – Statue und Platte aus Bronze nicht wieder aufgetaucht

Durch diese Erhaltungsarbeit auf dem Nordfriedhof – unmittelbar gegenüber dem ältesten Grab von August Vockerodt (gestorben 1897) gelegen – geht die Arbeit des Fördervereins weiter. Demnächst sollen noch zwei Ruhebänke für Senioren aufgestellt werden.

„Auf dem Weg vom Parkplatz bis zur Trauerhalle können dann ältere Friedhofsbesucher eine Pause einlegen“, erklärte Gerda Horitzky. Weiter ungeklärt ist der Diebstahl von Bronzefiguren auf dem Nordfriedhof aus dem letzten Jahr.

Verschwunden sind damals eine historische Bronzestatue und eine Bronzeplatte. Beides Kunstgegenstände, die sehr schwer sind und kaum von einer einzelnen Person getragen werden können. Auch zum Abtransport müsse ein Fahrzeug zur Verfügung gestanden haben, obwohl der Friedhof nachts geschlossen ist. Auch hier überlegt der Förderverein, wie die leeren Stellen wieder hergestellt werden können.

Der Nordfriedhof  wurde 1897 als vierter kommunaler Friedhof in Dortmund eröffnet

Eröffnet wurde der Nordfriedhof als vierter kommunaler Friedhof in Dortmund 1897. Einige großzügige Grabstätten aus der Gründerzeit sind noch gut erhalten. Die unmittelbare Nachbarschaft zur ehemaligen Zeche Minister Stein prägt den Nordfriedhof.

In einem Text von 1960 wird noch von dem „Bild der Industrie, des pulsierenden Lebens“ berichtet, das „sich mit dem des Friedhofs zu einem seltsamen Ganzen“ vereinigt. 1987 wurde Minister Stein stillgelegt und ihr Gelände zum modernen Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum umgenutzt. Die den Stadtteil prägenden Gebäude wie der Hammerkopfturm blieben dabei als Landmarken erhalten.

Trauriges Zeugnis der Bergbaukultur sind die Gemeinschaftsgräber der Grubenunglücke. Zwei von ihnen gibt es auf dem Nordfriedhof: in Feld 33 erinnert ein Denkmal an die Explosionskatastrophe von 1925 auf Zeche Minister Stein. Ein weiteres Denkmal (Feld 29) wurde den 30 Menschen gesetzt, die 1920 bei der Grubenausfahrt aus Kaiserstuhl II tödlich verunglückten.

Mehr Informationen:

  • Der Nordfriedhof ist etwa 19 Hektar groß. Im Jahr 1897 fand die erste Beisetzung statt.
  • Das Märzgefallenendenkmal in Feld 28 erinnert an die Arbeiter, die 1920 bei den Unruhen nach dem Kapp-Putsch ums Leben kamen. Außerdem gibt es ein weiteres Denkmal, das an die 300 tödlich verunglückten Bergmänner erinnert.
  • In Feld 42 und 48 ruhen nahezu 300 Bombenopfer aus dem 2. Weltkrieg. Erinnert wird zudem an die 30 Menschen, die 1920 bei der Grubenausfahrt aus Kaiserstuhl II tödlich verunglückten.

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