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Warnstreik bei Starbucks: Beschäftigte in der Systemgastronomie fordern deutlich mehr als den Mindestlohn

Warnstreik der Starbucksbeschäftigten an der Kleppingstraße. Fotos: Klaus Hartmann

Für einen Caffe Latte Venti müssen die Beschäftigten in der Systemgastronomie bei Starbucks 40 Minuten arbeiten, für ein Big Mac Menü bei McDonald´s 58 Minuten und für ein Whopper Menü bei Burger King ganze 64 Minuten. Da stellt sich die Frage, ob man sich so ein Produkt selber leisten kann, dass man herstellt.

Der erste Streik in der Gastronomie seit 1991 – Nächster Warnstreik ist in Planung

Die Beschäftigten in der Systemgastronomie bekommen zur Zeit nur den Mindestlohn.

Mehr Lohn für ihre Arbeit fordern jetzt die Angestellten die bei Gastronomie-Ketten beschäftigt sind. Gestern gab es ein Warnstreik bei Starbucks auf der Kleppingstraße.

Für eine Stunde blieben zur Mittagszeit die Kaffeeautomaten kalt. „Der erste Warnstreik in der Gastronomie seit 1991“ weiß Manfred Sträter von der Gewerkschaft Nahrung Genuss, Gaststätten.

So lange wollen sie nicht mehr warten. Der nächste Streik ist schon in Planung. Diesmal wird die Hamburger-Kette Burger King in Dortmund betroffen sein.

Währenddessen betreibt Starbucks Deutschland Personalakquise für die Zeit des Arbeitskampfes im Ausland. „Hast du Lust ins deutsche Bundesgebiet zu reisen und dort zu arbeiten“ heißt es auf einem Papier, dass der Gewerkschaft in deutscher und polnischer Sprache vorliegt. Geboten wird der deutsche Mindestlohn von 8,84 Euro.

Die Arbeitnehmer bieten Lohnerhöhung um 5,07 Euro pro Monat, brutto, an

Manfred Sträter (NGG)

Nach drei ergebnislosen Tarifverhandlungen mit dem Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) erhöht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) den Druck und ruft bundesweit zu Warnstreiks und Aktionen auf.

McDonald’s, Burger King, Starbucks und Co. wollten die rund 100.000 Beschäftigten in der deutschen Systemgastronomie mit Löhnen auf Mindestlohnniveau abspeisen, so Sträter.

Für die unterste Tarifgruppe soll es eine „Erhöhung“ auf 8,87 Euro pro Stunde geben – bei Vollzeit sind das 5,07 Euro pro Monat (brutto) über den Mindestlohn.

„Die Arbeit ist geprägt durch Zeitdruck und Stress. Diese Arbeit ist viel mehr wert als der Mindestlohn“, findet Manfred Sträter. Zu den Unternehmen im BDS gehören unter anderem McDonald’s, Burger King, Starbucks, Nordsee, Kentucky Fried Chicken und Pizza Hut.

Die NGG fordert sechs Prozent mehr Geld für alle Beschäftigten und Einstiegslöhne deutlich oberhalb des Mindestlohns von 8,84 Euro und nicht unter 9 Euro pro Stunde.

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3 Gedanken über “Warnstreik bei Starbucks: Beschäftigte in der Systemgastronomie fordern deutlich mehr als den Mindestlohn

  1. NGG

    NGG setzt Warnstreiks und Aktionen fort. Mach mit! Wir lieben es, fair bezahlt zu werden!

    Die Tarifverhandlungen für die rund 100.000 Beschäftigten in der Systemgastronomie (McDonald’s, Burger King, Nordsee, Starbucks, Tank & Rast, Autogrill, Kentucky Fried Chicken, Vapiano u.a.) drohen zu scheitern. Auch nach drei Verhandlungsrunden bieten die Arbeitgeber gerade mal eine „Erhöhung“ von 3 Cent über dem Mindestlohn in der untersten Tarifgruppe an.

    Wertschätzung für gute Arbeit geht anders! Um unserer Forderung nach einem verhandlungsfähigen Angebot der Arbeitgeber noch vor dem nächsten Verhandlungstermin weiter Nachdruck zu verleihen, finden bundesweit weitere Streiks und Aktionen statt. Mach auch Du in Nordrhein-Westfalen (Dortmund) mit!
    
    Kundgebung in Dortmund – am Mittwoch, den 22. März 2017, von 11.00 bis ca. 13.00 Uhr
    Ostenhellweg 3 (Platz vor der Reinoldikirche)

    Es informieren und diskutieren NGG-Tarifkommissionsmitglieder aus NRW:
    Marco Romualdi (Nordsee, Köln), Gökmen Yücel und Kürsad Kahraman (Burger King, Dortmund), Khaled Saleha (Starbucks, Duisburg), Hasret Celebi (Burger King, Bochum)

    Grußworte: Jutta Reiter (DGB), Armin Jahl (MdL, SPD, AFA NRW), Mario Krüger (Grüne, MdL), Christian Leye (Die Linke), Guntram Schneider (Minister NRW bis 2015, SPD, MdL)

    An der Gitarre: Fred Ape (Liedermacher)

    Moderation: IsabellMura ,Hagen
    und Manfred Sträter ,Dortmund (beideNGG)

  2. Linke NRW

    Linke: Keine Hungerlöhne in der Systemgastronomie

    „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Systemgastronomie erarbeiten die Traumrendite für McDonald’s, Burger King & Co, trotzdem wird ihnen ein anständiger Lohn verweigert. Es ist ein Unding, dass die Arbeitgeber nach nunmehr drei Runden der bereits seit Oktober andauernden Tarifverhandlungen, ein Angebot vorlegen, das nur drei Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt. Dieses sogenannte Angebot entspricht einem Hungerlohn und ist vollends inakzeptabel“, kritisiert Christian Leye, Landessprecher der NRW-Linken und deren Spitzenkandidat zur anstehenden Landtagswahl.

    Aktuell werde zwar viel über soziale Gerechtigkeit geredet, dabei sei dringend notwendig, dass nicht nur geredet werde: „Wir müssen die Menschen aus dem Niedriglohnsektor rausholen. Die ‚Agenda 2010‘ muss zurückgenommen werden, damit die Menschen, die arbeiten gehen, nicht mehr durch die Unternehmen erpressbar sind. Leiharbeit dient der Lohndrückerei, so etwas gehört verboten!

    Das gleiche gilt für sachgrundlose Befristung. Wieso ist so etwas eigentlich legal in Deutschland? Und es braucht einen Mindestlohn, der wirklich ein Mindestlohn ist, und da reden wir über 12 Euro, alles darunter führt direkt in die Altersarmut“, rief Leye, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiitern aus der Systemgastronomie zu, die sich am heutigen Vormittag in Dortmund zu einer Protestkundgebung versammelt hatten.

  3. NGG

    Zeitler: „Sechs Cent über Mindestlohn sind nicht verhandelbar“

    Ohne Ergebnis hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die vierte Tarifverhandlung für die 100.000 in der Systemgastronomie Beschäftigten heute in Wiesbaden abgebrochen. „Das Angebot der Arbeitgeber von 8,90 Euro pro Stunde in der untersten Tarifgruppe ist völlig inakzeptabel“, hat Guido Zeitler, stellvertretender NGG-Vorsitzender und Verhandlungsführer, erklärt.

    „Der Bundesverband der Systemgastronomie BdS war nicht bereit, ein akzeptables Angebot vorzulegen. Sechs Cent mehr pro Stunde über dem gesetzlichen Mindestlohn sind nicht verhandelbar“, hat Guido Zeitler erklärt. Wertschätzung für die harte Arbeit der Beschäftigten sehe anders aus als 8,90 Euro in der untersten Tarifgruppe ab Mai 2017 und erst in einer zweiten Stufe neun Euro ab August 2018.

    Auch für die anderen Tarifgruppen lag das Angebot nur zwischen 1,5 bis drei Prozent für zwei Jahre. „Das ist deutlich unter den branchenüblichen Abschlüssen, die für zwei Jahre bei rund sechs Prozent liegen, und ein Armutszeugnis für den Arbeitgeberverband“, so der NGG-Vize. „Ein Weltkonzern wie McDonald’s, der Platzhirsch im BdS, mit einem Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro allein in Deutschland will seine Beschäftigten mit Niedrigstlöhnen abspeisen. Dieses Geschäftsmodell, dass Vollzeit arbeitende Menschen ihren Lohn letztlich mit Leistungen der Arbeitsagentur aufstocken müssen, trägt zur sozialen Ungerechtigkeit bei.“

    Zeitler kündigte an, dass die NGG weiter mobilisieren und den Tarifkonflikt in die Betriebe der Systemgastronomie tragen werde. Seit Anfang des Jahres haben mehr als 1.000 Teilnehmende insbesondere bei McDonald’s, Burger King, Starbucks, Pizza Hut, Nordsee, Tank & Rast und Autogrill in zahlreichen Protestaktionen und mehr als 50 Warnstreiks deutlich gemacht, dass sie für einen Tarifvertrag und für Löhne kämpfen, von denen sie leben können.

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