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Unterstützung und Hoffnung für wohnungslose Menschen – Beratungsstelle der Diakonie gibt es jetzt seit 40 Jahren

Immer mehr Menschen in Dortmund sind wohnungs- oder obdachlos. Foto: Klaus Hartmann

Immer mehr Menschen in Dortmund sind wohnungs- oder obdachlos. Archivfoto: Klaus Hartmann

Von Mira Kossakowski

Schritt für Schritt zurück in ein menschenwürdiges Leben: Mit ihrer zentralen Beratungsstelle für wohnungslose Menschen in Dortmund betreut die Diakonie nun bereits seit 40 Jahren wohnungslose KlientInnen. Am Montag (25. September) findet deshalb im Rahmen des Monats der Diakonie, der sich langsam dem Ende zuneigt, ein Fachtag im Wichern statt. Unter dem Titel „Mein Haus hab‘ ich immer bei mir – Ohne Dach! Ohne Aussicht?“ sollen neue Kooperationen geknüpft und alternative Lösungen gefunden werden.

In 40 Jahren hat sich viel verändert – Oberste Priorität ist nach wie vor der Schritt aus der Wohnungslosigkeit

Anne Rabenschlag und Thomas Bohne freuen sich auf den Fachtag am 25. September. Foto: Mira Kossakowski

Anne Rabenschlag und Thomas Bohne freuen sich auf den Fachtag am 25. September. Foto: Mira Kossakowski

Die Beratungsstelle wurde 1977 mit dem Vorhaben gegründet, Menschen einen Weg aus der Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu aufzuzeigen. Denn es kann jeden treffen: Aus einer Spirale von schweren Schicksalsschlägen, besonderen Lebenslagen und drohender Armut herauszukommen, schaffen es viele Menschen nicht mehr eigenständig heraus.

Zunächst wurde eine ambulante Betreuung angeboten, die von zahlreichen Frauen und Männern angenommen wurde. 1987 kam ein Tagesaufenthalt für Wohnungslose dazu, der Brückentreff. Hier kommen Wohnungslose, aber auch ehemalige Wohnungslose zusammen, können einen geregelten Tagesablauf erleben. Auch Duschen, Waschmaschinen und Küchen stehen den Menschen hier zu Verfügung.

Die Hilfe zur Selbsthilfe ist für die Diakonie ein wichtiger Schritt aus der Wohnungslosigkeit. Das sieht auch Thomas Bohne, Leiter der Beratungsstelle so: „Wir wollen, dass diese Menschen wieder Teilhabe an der Gesellschaft haben.“

Aufsuchende medizinische Hilfe ist ein wichtiger Weg, um Menschen aus der sozialen Isolation zu holen

Auch im Kiosk der Diakonie leistet die aufsuchende medizinische Hilfe wichtige Arbeit. Foto: Alex Völkel

Auch im Kiosk der Diakonie leistet die aufsuchende medizinische Hilfe wichtige Arbeit. Foto: Alex Völkel

Zusätzlich bietet die Beratungsstelle eine aufsuchende medizinische Hilfe an, die immer mehr Menschen in Anspruch nehmen. Tätigkeiten, die von Fußpflege bis hin zur Versorgung mit Medikamenten reichen, bietet ein erfahrenes medizinisches Team an. Seit 2001 bietet die Diakonie diesen Dienst in Kooperation mit der Stadt Dortmund an.

„Viele Wohnungslose müssen eigenes Wohnen erst wieder lernen“, erklärt Bohne. Deshalb verfügt die Beratungsstelle über 6 Wohnungen mit jeweils zwei Plätzen, in denen Wohnungslose ein Wohntraining erhalten.

Dort lernen sie mit der Hilfe einer Hauswirtschafterin, wie sie wieder einen eigenen Haushalt führen. Für Außenstehende unvorstellbar – für Betroffene leider bittere Realität.

Trotz wirksamer Arbeit: Beratungsstelle steht immer wieder vor Herausforderungen

In diesem Jahr feiert die ZBS der Diakonie 40-jähriges Bestehen. Foto: R. J. Medera

In diesem Jahr feiert die ZBS der Diakonie 40-jähriges Bestehen. Fotos (3): R. J. Mendera

Insgesamt zeigt die Arbeit der Zentralen Beratungsstelle, dass die Angebote dringend notwendig, aber auch wirksam sind. So konnte 73 Prozent der KlientInnen, die 2016 ohne Unterkunft waren, eine Alternative vermittelt werden. 79 Prozent hatten nach der Beratung eine geklärte Einkommenssituation und insgesamt konnte 87 Prozent der KlientInnen zu einer besseren Lebenssituation verholfen werden.

Trotzdem steht das zwanzigköpfige Team der Beratungsstelle immer wieder vor Herausforderungen: So konnten sie die medizinische Versorgung vor der Kooperation mit der Stadt Dortmund nur mit Hilfe des Lions Clubs aufrechterhalten.

Auch die stark ansteigenden Zahlen Hilfebedürftiger zeigen, dass die Zentrale Beratungsstelle in Zukunft vor einer großen Anzahl neuer Aufgaben stehen wird.

Rapider Anstieg der Zahlen – Immer mehr Menschen in Dortmund sind wohnungssuchend

Die ZBS der Diakonie betreut nun seit 40 Jahren wohnungslose KlientInnen.

Die ZBS der Diakonie betreut nun seit 40 Jahren wohnungslose KlientInnen.

So schön die Erfolgsquote der Beratungsstelle auch klingt: Immer mehr Menschen suchen die Betreuungsstelle auf. Seit 2010 ist die Anzahl der wohnungslosen KlientInnen um 45% auf 1722 im Jahr 2016 gestiegen. Davon sind etwa 20% obdachlos – sie leben und übernachten auf der Straße.

Wohnungslose sind allerdings nicht immer obdachlos. Viele Frauen und Männer schlafen in Übernachtungsstellen oder finden einen Platz auf dem Sofa von FreundInnen. Trotzdem haben sie keinen Mietvertrag und erhalten erst in der Beratungsstelle eine Erreichbarkeitsadresse.

Die Zahlen zeigen außerdem, dass immer mehr junge Menschen und auch Frauen auf der Straße landen. Deshalb ist es wichtig, die Angebote, aber auch die Kenntnisse der MitarbeiterInnen an den konstant steigenden Bedarf anzupassen.

Schuld an der Lage sind eine Vielzahl schwer greifbarer Faktoren: Der immer härter umkämpfte Wohnungsmarkt, aber auch soziale Ungleichheit, Armut oder psychische Erkrankungen zwingen immer mehr Menschen zu einem Leben auf der Straße.

Fachtagung am Montag soll neue Lösungsansätze und Kooperationen möglich machen

Beim Fest der Diakonie wurde für das leibliche Wohl der TeilnehmerInnen gesorgt.

Beim Fest der Diakonie wurde für das leibliche Wohl der TeilnehmerInnen gesorgt.

Ein Schritt in die richtige Richtung soll mit der Fachtagung am 25. September gemacht werden. Nachdem bereits mit wohnungslosen Menschen ein großes Fest veranstaltet wurde, bei dem sie gemeinsam einen schönen Tag verbringen konnten, soll es nun um konkrete Lösungsansätze gehen.

Deshalb kommen bei der Tagung KooperationspartnerInnen, PolitikerInnen und Fachkräfte zusammen, um sich auszutauschen, zu diskutieren und Kontakte zu knüpfen. Es werden etwa 100 TeilnehmerInnen erwartet.

Trotz der sich immer weiter verschärfenden Lage bleibt Geschäftsführerin Anne Rabenschlag positiv gestimmt. Viele Wohnungslose seien gewillt, an ihrer eigenen Situation zu arbeiten: „Sehnsucht ist immer ein Ausgangspunkt für Veränderung.“

Mehr Informationen zur Veranstaltung:

  • Wann? Montag, 25. September 2017, 9:30 bis 16 Uhr
  • Wo? Kultur- und Tagungszentrum Wichern, Stollenstr. 36, 44145 Dortmund
  • Die Teilnahme an der Fachtagung ist kostenfrei, allerdings ist die Anzahl der Teilnehmenden begrenzt.

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2 Gedanken über “Unterstützung und Hoffnung für wohnungslose Menschen – Beratungsstelle der Diakonie gibt es jetzt seit 40 Jahren

  1. Diakonie Dortmund

    Ein starker Partner für Menschen in Not: Fachtag zum 40-jährigen Bestehen der Zentralen Beratungsstelle für wohnungslose Menschen in Dortmund

    Über 1700 Menschen, die wohnungslos oder in akuter Gefahr sind, ihre Wohnung zu verlieren, betreut die Zentrale Beratungsstelle für wohnungslose Menschen (ZBS) der Diakonie in Dortmund. Zum 40-jährigen Bestehen der ZBS veranstaltete die Diakonie am vergangenen Montag, 25. September 2017, einen Fachtag mit den Gestaltern und Entscheidern des Dortmunder Hilfesystems im Wichern Kultur- und Tagungszentrum.

    Wie ist die Situation der wohnungslosen Menschen in unserer Stadt und welche Vernetzungen der einzelnen Träger sollten ausgebaut werden? Gemeinsam mit über 80 Gästen, bestehend aus Kooperationspartnern, Ehrenamtlichen, Politikern und der Fachöffentlichkeit, tauschte sich die Diakonie mit Blick auf den Anstieg der Wohnungslosenzahlen in unserer Region aus. Darunter Michael Wedershofen vom Kostenträger Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Jan Orlt vom Ev. Fachverband Wohnungslosenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe sowie Mitglieder des Sozialausschusses der Stadt Dortmund. Beteiligte Träger und Vereine in Dortmund waren unter anderem Bodo e.V., das Gasthaus, der Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen e.V. (VSE), Kana e.V. und der Verein „Aufsuchende medizinische Hilfen für wohnungslose Menschen in Dortmund“.

    Zahlreiche wohnungslose Klienten kamen per Video, Tonaufnahme und durch ein Fotoprojekt der Diakonie zu Wort, lieferten Verbesserungsvorschläge, äußerten Lob und Dankbarkeit und verschafften Einblicke in ihren Lebensalltag auf der Straße und in den Hilfeeinrichtungen. In einer Gruppenarbeit wurden Problemstellungen und Fragen definiert, die abschließend mit den beteiligten Mitgliedern des Sozialausschusses diskutiert wurden.

    Übereinstimmend kam hier der Bedarf nach einer noch engeren Verzahnung der Angebote auf, damit auch Menschen, die bewusst keine Hilfe in Anspruch nehmen wollen oder können, besser erreicht werden. Ein Vorschlag war die Schaffung von Lotsen durch das Gesamtsystem. Grundsätzlich betonten alle Teilnehmer eine benötigte Aufstockung des Personals und der Mittel im Bereich der Wohnungslosenhilfe durch die Politik. Die menschenwürdige Unterbringung aller Obdachlosen in Dortmund, unabhängig von Herkunft oder sozialrechtlichem Status, sei das gemeinsame Ziel. „Die Arbeit gegen Wohnungslosigkeit ist eine elementare Aufgabe der Diakonie. Seit 40 Jahren setzen wir uns für diese Menschen ein. Auch zukünftig bleiben wir für sie ein starker Partner“, betonte Diakonie-Geschäftsführerin Anne Rabenschlag. 250.000 Euro der Eigenmittel des Diakonischen Werkes Dortmund und Lünen fließen jährlich in die Wohnungslosenhilfe.

    Der Fachtag zum 40-jährigen Bestehen der ZBS ist Teil des Monats der Diakonie #einfachdiakonie, in dem das Diakonische Werk zahlreiche seiner Arbeitsgebiete in den Blickpunkt der Öffentlichkeit stellt. Weitere Informationen unter http://www.diakoniedortmund.de

  2. Diakonie Dortmund

    Monat der Diakonie endet mit Musik und Tanz
    Eintritt frei: Abschlusskonzert und Tanzvorführung am Freitagabend im Wichern

    30 Tage lang hat die Diakonie in Dortmund und Lünen unter dem Motto „#einfachdiakonie – frei für den Mitmenschen“ ihre Arbeit und die Menschen dahinter in zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen der Öffentlichkeit präsentiert. Am Freitag, 29. September 2017, endet der Monat der Diakonie mit einem kostenlosen Abschlusskonzert inklusive Tanzvorführung im Wichern Kultur- und Tagungszentrum, Stollenstr. 36. Interessierte oder musikbegeisterte Bürger sind herzlich eingeladen, Beginn ist um 19 Uhr.

    An dem Abend zeigt die Diakonie noch einmal ihre ganze Vielfalt: Den Auftakt macht eine Vorführung der Gruppe „Dance in – Dance out“. Das inklusive Tanzprojekt des Friederike-Fliedner-Hauses, einer Rehabilitationseinrichtung für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, steht unter der Leitung von Monica Fotescu-Uta. Die Choreografin ist die ehemalige Primaballerina des Dortmunder Balletts.

    Weitere Höhepunkte des Abends sind die Auftritte der Musikgruppe LSH-Connection, bestehend aus Bewohnern und Mitarbeitern des Ludwig-Steil-Hauses, einer Einrichtung für abhängigkeitskranke Menschen, sowie des Diakoniechores CHORiander. Den Abschluss des Konzertabends bildet die Band „Unkaputtbar“, ein weiteres, langjähriges Musikprojekt der Diakonie. Alle drei Musikprojekte leben den Gedanken der Inklusion: Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen singen und musizieren gemeinsam.

    Zum Abschlussabend des Monats der Diakonie #einfachdiakonie sind alle interessierten Bürger herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei:

    Freitag, 29. September 2017, um 19 Uhr
    Wichern Kultur- und Tagungszentrum,
    Stollenstr. 36
    44145 Dortmund

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