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Prozessauftakt in Dortmund nach verheerender Gasexplosion in Hörde – Der Angeklagte schweigt noch zu den Vorwürfen

Angehörige der getöteten Karin E. verfolgen erschüttert den Prozessauftakt. Fotos: Alex Völkel

Freunde der getöteten Karin E. verfolgten erschüttert den Prozessauftakt. Fotos (4): Alexander Völkel

Von Mira Kossakowski

Eine Gasexplosion in der Teutonenstraße in Dortmund-Hörde zerstörte am 31. März 2017 ein Mehrfamilienhaus. Dabei kam eine 36-jährige Mieterin um, weitere wurden verletzt. Die Explosion soll von einem Mieter aus dem Obergeschoss absichtlich verursacht sein worden. Am Mittwoch (20. September) begann der Mordprozess vor dem Dortmunder Schwurgericht.

Schwerwiegende Gasexplosion führte zu vollständigem Einsturz des Obergeschosses

Bei der Gasexplosion wurde das komplette Obergeschoss des Hauses zerstört.

Bei der Gasexplosion wurde das komplette Obergeschoss des Hauses zerstört. Foto: Dirk Planert

Vor etwa einem halben Jahr war es in Hörde zu einer schwerwiegenden Explosion gekommen, verursacht durch ausströmendes, mit einer Flamme entzündetes Gas. Der Angeklagte T. soll sie ausgelöst haben. Dabei wurden Trümmerteile in einem Radius von über 60 Metern verteilt. Seine Nachbarin Karin E. erstickte qualvoll unter den Trümmern – weitere MieterInnen wurden verletzt.

Das hochexplosive Gas-Luft-Gemisch wurde in den Morgenstunden des Tattages durch eine Flamme entzündet. Als Folge dessen kam es zu einer Explosion und Druckentlastung, die dazu führte, dass das Obergeschoss und das Dach des Hauses in der Teutonenstraße vollständig einstürzten.

Neben dem Angeklagten und der getöteten Mieterin befand sich zum Tatzeitpunkt eine weitere Mieterin im Haus, die unter anderem Atemwegsprobleme und Prellungen an den Rippen erlitt. Zwei weitere MieterInnen waren zum Tatzeitpunkt nicht im Haus.

Angeklagter T. muss sich wegen mehreren Tatvorwürfen verantworten

Der Angeklagte wurde vorgeführt - er wird noch immer im Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg behandelt.

Der Angeklagte wurde vorgeführt – er wird noch immer im Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg behandelt.

Auch der Angeklagte T. wurde lebensgefährlich verletzt und musste wegen starken Verbrennungen monatelang behandelt werden. Er wurde direkt nach der Explosion einer Polizeibeamtin übergeben.

Nun muss er sich wegen Mordes, vierfachen versuchten Mordes sowie der vorsätzlichen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verantworten. Er soll durch seine Handlung den Tod seiner Mitmieter billigend in Kauf genommen haben.

Der Angeklagte, der derzeit im Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg behandelt wird, wird in Handschellen von einem Wachmeister in den voll besetzten Anhörungssaal geführt. Dabei zeigt sich an seinen Kompressionshandschuhen, dass auch er Schäden von der Explosion davon getragen hat.

Angehörige und Freunde suchen nach Antworten und Gründen für die Tat

Norbert Pahlke hat durch die Explosion seine Freundin verloren. Er kam als Feuerwehrmann zum Ort des Geschehens.

Norbert Pahlke hat durch die Explosion seine Freundin verloren. Er kam als Feuerwehrmann zum Tatort.

Besonders die Freunde der verstorbenen Karin E. erhoffen sich durch den Prozess eine Erklärung für die Tat. „Wir haben viele offene Fragen und möchten wissen, wieso“, sagt der Lebensgefährte Norbert Balge. Denn der Angeklagte war bereits zuvor mehrfach auffällig geworden und kurz vor der Tat erst aus der Psychiatrie entlassen worden.

Pahlke war als Feuerwehrmann zum Einsatz- und Explosionsort gekommen. Erst vor Ort wurde ihm bewusst, dass es um das Haus um seine Freundin ging. Er wurde aus dem Einsatz genommen, konnte aber am Ort des Geschehens geblieben.

Eine Stunde vor Prozessbeginn erinnern die Freunde an die getötete Dortmunderin. Mit Kerzen und Herzen, die Karin E.s Namen tragen, stehen sie vor dem Landgericht und verfolgen später erschüttert den Prozessbeginn.

„Was soll es da für eine Gerechtigkeit geben?“, fragt ein Freund der Verstorbenen mit einem Blick auf die Schwere der Tat. Die Freunde, die sich zum Teil erst nach dem Ereignis kennen lernten, kamen vor allem, um der anwesenden Familie Halt und Unterstützung zu geben.

Die Mutter der getöteten Dortmunderin tritt im Prozess als Nebenklägerin auf. Und im Verhandlungssaal wird klar: Das Ereignis hat die Angehörigen mit Ungewissheit, Trauer und der Frage nach dem „Wieso“ zurückgelassen. Von dem Prozess erhoffen sich Freunde und Angehörige nun endlich Klarheit.

Gutachter: Die Explosion wurde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich herbeigeführt

Staatsanwalt Golo Osthoff ist davon überzeugt, der Angeklagte habe die Explosion absichtlich herbeigeführt.

Staatsanwalt Golo Osthoff ist davon überzeugt, der Angeklagte habe die Explosion absichtlich herbeigeführt.

Unter großem Interesse der Presse und auch überregionalen Fernsehsendern fand nun der Prozessauftakt in Dortmund statt. Dabei zeigen die Aussagen mehrerer sachverständiger Zeugen, dass die Explosion nur vorsätzlich herbeigeführt sein worden kann.

„Die Gasanlage war komplett sicher“, bestätigt Stefan Giese, der sowohl mit der Freiwilligen Feuerwehr als auch als Energieelektroniker vor Ort war. Auch ein Gutachten des Sachverständigen für Brand- und Explosionsfragen Guido Schweers bestätigte dies.

So soll die Leitung des Gasherdes durch einen Ermüdungsbruch zertrennt worden sein – das funktioniert nur durch gewaltsames, mutwilliges Einwirken. Zudem sei auffällig gewesen, dass der Gasherd auf der Seite lag, während der Rest der Küche noch an Ort und Stelle gestanden habe.

Angeklagter schweigt weiterhin – Psychiatrisches Gutachten soll vorgestellt werden

Gleichzeitig bleiben Zweifel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten T. zurück. Aus diesem Grund wurde ein psychiatrisches Gutachten beauftragt. Dieses soll am dritten Termin der Verhandlungen vorgestellt werden.

Doch die Angehörigen haben immer noch keine Antworten: Der Angeklagte schweigt weiterhin zu den Tatvorwürfen. Für den Prozess sind insgesamt vier Fortsetzungstermine geplant. Der nächste Prozesstag ist am 9. Oktober, weitere Termine sind am 23.10., 30.10., und 10.11.2017.

Explodiertes Haus Hörde Teutonenstraße Dortmund

Blick aus dem Innenhof auf die entstandene Lücke in der Häuserreihe in Hörde. Foto: Leopold Achilles

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