Nordstadtblogger

Nordstadt-Rundgang der SPD-Ratsfraktion: Müll, Drogen und Problemhäuser rund um den Nordmarkt im Fokus

Start des Rundgangs war das Nordstadtbüro des Ordnungsamtes an der U-Bahn-Haltestelle Brunnenstraße.

Start des Rundgangs war das Nordstadtbüro des Ordnungsamtes an der U-Bahn-Haltestelle Brunnenstraße.

Von Leopold Achilles

Vom Büro des Ordnungsamtes, über den Spielplatz an der Missundestraße, ging der Rundgang bis hin zum Nordmarkt. Die Themen dabei: Drogenkonsum und die Verdrängung der Konsumenten, Problemhäuser und die allgemeine Kriminalität im Nordstadt-Quartier. Neben den eher unschönen Seiten machte dieser Rundgang der SPD-Ratsfraktion auch auf die positiven Entwicklungen im bevölkerungsreichsten Stadtbezirk Dortmunds aufmerksam.

Dortmunder Ordnungsdienst erhält zum nächsten Jahr zehn neue Stellen

Der Rundgang beginnt an der Bornstraße 124, im Nordstadtbüro des Ordnungsamtes. Im Stammbüro des kommunalen Ordnungsdienstes, wie die Bezeichnung neuerdings lautet, wurde über die Räumlichkeiten an sich, wie auch die Aufgaben der dort ansässigen MitarbeiterInnen des Präsenzdienstes und des Ordnungsamtes informiert.

Die Ratsfraktion der Dortmunder SPD sah sich auch einen Hinterhof in der Nordstadt an.

Die Ratsfraktion der Dortmunder SPD sah sich auch einen Hinterhof in der Nordstadt an.

Aktuell sind es 60 Stellen die für den Service und Präsenzdienst, liebevoll „Rotkäppchen“ genannt, eingeplant sind. Für den Ordnungsdienst sind es zurzeit 48. Diese Zahl soll zum 1. Januar 2018 um weitere zehn Stellen aufgestockt werden, sagte Jürgen Walther. Der Abteilungsleiter des Ordnungsamtes in Dortmund erklärt, dass die eingesetzten Kräfte das subjektive Sicherheitsgefühl erkennbar stärken und rechtfertig damit die geplante Aufstockung bei den Ordnungsdienstlern.

Dann kommt die Frage auf, „Wo sind die Straßenprostituierten?“. Ordnungsdezernentin Jägers erläutert, dass die, größtenteils aus Osteuropa stammenden Frauen, wieder in ihre Heimatländer zurück gekehrt sind. Stellen, wo es noch Prostitution gäbe sind rar geworden in Dortmund. Und auch eine Abwanderung in benachbarte Städte wie Bochum könne man nicht erkennen, so Jägers weiter. Wichtig ist allen beteiligten, dass die Prostitution nicht auf den Straßen statt findet. Das Internet hätte das Geschäft sowieso geändert, merkt ein Mitglied der SPD an. Alle sind sich einig, dass dieses Gewerbe aber wie eh und je zu einer Großstadt gehöre.

Spielplatz von Drogen befreit – Drogenabhängige in einer Garage eines Hinterhofs

Das Thema „Problemhäuser“ leitet Diane Jägers ein. Sie ist als Ordnungsdezernentin mit den Schwierigkeiten mit Mietern und Eigentümern in Dortmunds Norden bestens informiert. Ein paar der Häuser hat die Stadt bereits gekauft und saniert, sowie mit neuem Leben gefüllt. Die dort vorher lebenden, meist drogenabhängigen Menschen werden dadurch natürlich verdrängt, stellt Jägers fest und fragt:„Wo gehen die vertriebenen Menschen hin?“

Der Spielplatz an der Missunde- Ecke Düppelstraße war Thema bei dem Rundgang.

Der Spielplatz an der Missunde- Ecke Düppelstraße war Thema bei dem Rundgang.

Der Spielplatz an der Missunde- Ecke Düppelstraße ist der zweite Halt des Rundgangs und Teil der Antwort auf die Frage der Ordnungsdezernentin. Hier hat die Stadt im Frühjahr 2017 einen Teil des Parks abgezäunt. Dort waren immer wieder Drogenabhängige hin gepilgert um Drogen zu Kaufen und zu konsumieren. „Besonders das Handeln mit Drogen auf offener Straße ist eins der zentralen Probleme, wenn es um den Jugendschutz geht,“ erklärt Jägers.

Auch zum Schutz der Kinder hat die Stadt reagiert, diese einfache Vorkehrungen getroffen und das Gelände dem benachbarten Kindergarten zugesprochen. Das Lagern von Drogen wird seitdem an dieser Stelle unterbunden. Der Spielplatz selbst sieht wieder einladend aus. Das Problem zeigt sich an anderer Stelle nicht unweit des Spielplatzes wieder auf.

Direkt gegenüber des Spielplatzes in der Schleswiger Straße führen die beiden Ordnungsamt-Mitarbeiter die Gruppe in einen Hinterhof. Hier zeigt sich, was mit „Verdrängung“ gemeint ist. Die in dem Hinterhof befindliche Garage beherbergt auch an diesem Mittag zwei Männer, die sich augenscheinlich diesen Ort zum Konsum ihrer Droge ausgesucht haben. Jürgen Walther erklärt, dass das Problem die Zugänglichkeit zu diesem Ort ist. „Die Tür zum Hof ist in der Regel offen und dieser Rückzugsort somit frei zugänglich“. Und das direkt gegenüber von dem vorher besuchten, wieder „drogenfreien“ Spielplatz.

Einblick in den Hinterhof:

Der Dortmunder Nordmarkt ist der letzte Halt des ordnungspolitischen Rundgangs

Ein paar Meter weiter Richtung Nordmarkt, hält die Gruppe an einem Haus in der Schleswiger Straße. Hier, berichtet Walther, drohte eine Wassersperrung. Strom gäbe es schon länger nicht mehr in dem Haus. Das Problem hier: kriminelle Strukturen, die die Mieter zwar um ihr Geld bringen, dieses aber nicht an den Strom- und Wasserversorger weiterreichen.

Rundgang durch die Nordstadt von Dortmund.Zurzeit wird dieses Haus von etwa 34 Menschen aus Bulgarien bewohnt. Die Stadt ist bemüht den Menschen zu helfen, zwischen dem Wasserversorger und ihnen zu vermitteln und so den Hausverwalter zu umgehen und ein normales Leben hier möglich zu machen. Trotz aller Bemühungen ist dieser für die Stadt wie auch die Mieter nicht zu erreichen.

In dem Moment wo die Gruppe vor dem Haus steht, fährt ein aktueller Range Rover durch die Straße und hält vor einem der alten Häuser. Für die Mitglieder des Rundgangs ein Symbol für die Ungleichheit im Viertel.

Ein paar Gehmeter weiter hält die Gruppe an der Mallinckrodtstraße. An der Ecke zum Nordmarkt werden die Häuser mit den Hausnummern 55 bis 57 zum Thema. Die dort ansässigen Betriebe haben bereits die Kündigung ihrer Mietverträge erhalten sagt Jürgen Walther. „Bis Ende des Jahres sind die Räume leer!“. Die Pläne der Stadt sind bislang noch wage und beschäftigen sich mit der Einrichtung einer Kindertagesstätte bzw. Kindesbetreuung. Diese Stelle soll somit von herumlungernden Gestalten und dem Handel mit Drogen in den Cafés bereinigt werden. Ende diesen Jahres sollen hier die ersten Baumaßnahmen beginnen.

Das Ordnungsamt hat inzwischen eigene Büroräume direkt am Nordmarkt

Der Gebäudeteil direkt auf der Ecke zum Nordmarkt (Nordmarkt 3) ist schon heute in den Händen der Stadt. Im Erdgeschoss befindet sich inzwischen ein Büro für die Mitarbeiter von Ordnungsamt und Präsenzdienst. Dieses soll in erster Linie Arbeitsplatz, sowie eine Anlaufstelle für die Bürger sein.

Einblick in die Räume des Ordnungsamtes am Nordmarkt 3.

Einblick in die Räume des Ordnungsamtes am Nordmarkt 3.

Von hier aus hat man einen direkten Blick auf den Nordmarkt, die Mallinckrodt- und die Schleswigerstraße. Dabei sind die Scheiben der Räume so verspiegelt, dass von außen nicht zu erkennen ist, ob jemand in den Räumen ist. So wurden schon mehrfach Ordnungswidrigkeiten um den Standort herum ganz leicht erkannt und geahndet, berichtet Jürgen Walther.

Die vorletzte Station auf dem ordnungspolitischen Rundgang führt auf den Nordmarkt. Der Platz ist zum einen Teil als Spielplatz zu sehen, zum anderen als Grün- und Erholungsanlage. Nach Norden hin sind das Rauchen, das Trinken sowie das Fahrradfahren verboten. Auf der südlichen Seite nicht. „Hier trifft sich immer noch die Alkoholiker Szene“, erklärt Jürgen Walther. Die Größe der Gruppe der zum Nordmarkt kommenden AlkoholikerInnen habe sich in den letzten Jahren verringert und auch die Zahl der Toten durch Alkohol ist zurück gegangen.

Das Gelände sei nicht ruhig, aber überwiegend Konflikt frei und auch die Aufteilung in Spielplatz und Park trifft inzwischen auf Akzeptanz. Wenn auch die Beteiligten auf dem Nordmarkt darüber geteilter Meinung sind. Ein Mann spricht von einer diskriminierenden Art und Weise, wie die Stadt hier gegen einfache Bürger vorgehe und, dass das Ordnungsamt ihn persönlich immer wieder bedränge. Ein Anderer ist froh, dass er hier so oft Beamte sieht und sich so sicherer fühlen kann.

Nordmarkt-Kiosk bietet Minijobs für langzeitarbeitslose und trockene Alkoholiker

Der Nordmarkt-Kiosk - Ein soziales Projekt.

Der Nordmarkt-Kiosk – Ein soziales Projekt.

Weiter gehts: Der Nordmarkt-Kiosk ist der letzte Halt des Rundgangs. Der von der Diakonie betriebene Kiosk besteht an dieser Stelle schon seit 15 Jahren und ist Treffpunkt und der Ort für Gespräche für alle Besucher des Nordmarkts. „Hier werden soziale Kontakte geknüpft und gepflegt“, beschreiben es Susanne Thoma und Eva Jekel vom Projekt „Passgenau“.

Einzigartig an dem Geschäftsmodell dieses Kiosks ist, dass hier keinerlei Drogen verkauft werden. Also auch kein Alkohol und kein Tabak. Hier arbeiten langzeitarbeitslose und trockene Alkoholiker und verdienen sich damit bis zu 100 Euro zu ihren Hartz IV-Sätzen dazu. Gottfried Brodde ist einer der Verkäufer im Kiosk. Er berichtet, dass die Arbeit hier nicht immer einfach sei. „Gibt oft Stress mit den Alkis“, sagt er.

Für Eva Jekel, die hier als Straßensozialarbeiterin arbeitet, ist in den letzten Jahren die Arbeit nicht leichter geworden. Sie berichtet von den Schwierigkeiten mit rumänischen und bulgarischen Menschen. „Allein die Sprachbarriere macht vieles kompliziert.“ Jekel spricht zwar polnisch, rumänisch oder bulgarisch aber nicht. „Und dann kommt noch hinzu, dass in diesen beiden Kulturen die Frau an sich keinen leichten Stand hat“, so ihre Erfahrung.

Die öffentlichen Toiletten auf dem Nordmarkt sind ein leidiges Thema

Ein Einblick in die Toiletten auf dem Nordmarkt - Hier in eher sauberen Zustand.

Ein Einblick in die Toiletten auf dem Nordmarkt – Hier in eher sauberen Zustand.

Abschließend sind die Toiletten und Sanitäranlagen auf dem Nordmarkt Thema in der Gruppe. Die beiden Mitarbeiterinnen der Diakonie berichten, dass die Toiletten eigentlich durchgängig unbenutzbar sind. Es reiche nicht, die Toiletten einmal am Tag in normaler Art und Weise putzen zu lassen, schildern sie die Lage. „Der Gestank ist da drin. Den bekommt man da nicht so schnell raus!“

Eine Grundreinigung wird von der Stadt nicht durchgeführt, erfuhren die beiden Frauen in der Vergangenheit auf Anfrage. Hier finden sich schon wenige Stunden nach der Reinigung wieder Fäkalien, Drogen und Dreck. Eine unzumutbare Situation für alle, die dort ihre Notdurft verrichten möchten. Wie es mit den Toiletten in Zukunft weiter gehen sollte, wissen die beiden Frauen auch nicht.  Da ist der Weg für jeden normalen Bürger zur Gastronomie auf dem Nordmarkt, dem Grünen Salon, nahe liegend. Die Pächterin berichtet, dass es oft vorkomme, dass Passanten und Nutzer des Nordmarktes um die Benutzung der dortigen Sanitäranlagen bitten.

Konkrete Ergebnisse brachte dieser mehrstündige Spaziergang natürlich nicht. Für alle Beteiligten ergab sich ein aktuelles Bild dieses Teilbereichs der Nordstadt, mit all seinen schönen und weniger schönen Facetten sowie den ungelösten Problemen.

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