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Neues Kapitel in der unendlichen Geschichte von St. Albertus Magnus: Statt Abriss für Kita nun ein Hotel in der Kirche

Für das „Soziale Zentrum Avanti“ soll das Kirchenschiff nicht genutzt werden.

Das Gebäude-Ensemble der Alberts-Magnus-Kirche soll zu einem Hotel umgebaut werden. Archivfotos: Alex Völkel

Von Alexander Völkel

Das ist ein Paukenschlag: Die katholische Kirchengemeinde Hl. Dreikönige Dortmund hat die mittlerweile vor zehn Jahren außer Dienst gestellte und profanierte Albertus-Magnus-Magnus in der Enscheder Straße mit den Nebengebäuden verkauft. An Stelle der Kirche soll demnächst ein Hotel entstehen – vielleicht sogar im bestehenden Gebäude.

Kirche steht seit zehn Jahren leer – Bekanntheit durch Besetzung erlangt

Kirche Sankt Albertus Magnus

Die Kirche St. Albertus Magnus wurde 1933/34 erbaut. Seit 1989 wird die nicht mehr von der Gemeinde genutzt.

Dies teilte Pfarrer Ansgar Schocke am Sonntagvormittag den überraschten Gemeindemitgliedern mit. Damit wird ein völlig neues Kapitel in der wechselvollen Geschichte der katholischen Kirche unweit des Borsigplatzes aufgeschlagen.

Bereits 1989 hatte die Gemeinde die in den Jahren 1933 / 1934 erbaute Kirche der Kroatischen Mission überlassen. Nach der Übertragung des Allerheiligsten, dem Löschen des ewigen Lichtes und der Verlesung des Profanierungsdekrets schloss die Kirche St. Albertus Magnus dann 2007 endgültig ihre Pforten.

Vor drei Jahren erlangte die Nordstadt-Kirche kurzzeitig Bekanntheit, weil die autonome Initiative „Avanti“ das Gebäude besetzt hatte und zu einem sozialen Zentrum entwickeln wollte. Nach einer nicht durch die Kirche veranlassten Räumung wurde es wieder ruhig um die Immobilie.

Abriss und Kita-Bau waren geplant – Probleme durch Denkmalschutz

Baulich wäre sehr viel zu tun - ein wichtiges Thema ist die Standfestigkeit der Gebäude.

Baulich ist sehr viel zu tun – ein wichtiges Thema ist die Standfestigkeit der Gebäude.

Die Gemeinde wollte das stark baufällige Ensemble abreißen und das Gebäude an die Dortmunder Wert-Voll gGmbH verkaufen, die dort eine interkulturelle Kita errichten wollte. Doch Abriss und Verkauf verzögerten sich, weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht.

Die Kirche musste daher vor dem Verkauf zunächst den Abriss forcieren. Doch die Löschung des Denkmalschutzes erwies sich schwieriger als zunächst gedacht. Während die städtische Denkmalschutzgebäude keine Gründe sah, die gegen einen Abriss des Gebäudes sprachen, forderte die Denkmalschutzbehörde in Münster zuvor noch einen Maklernachweis.

Daraus musste hervorgehen, dass das Gebäudeensemble nicht anderweitig nutz- oder verwendbar sei. Diese „Formalie“ – die Gemeinde selbst hatte mehrere Jahre lang erfolglos versucht, dass Gebäude an einen seriösen Käufer zu verkaufen und dies auch dokumentiert – brachte aber neuen Schub in den Vorgang.

Makler fand sechs Kaufinteressierte – sehr eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten

„Avanti“ möchte vor allem den Veranstaltungssaal unter dem Kirchenschiff nutzen.

Unter der Kirche gibt es noch einen großen Gemeindesaal, der über den Hof zugänglich ist.

Sechs Kaufinteressierte meldeten sich bei dem beauftragten Maklerbüro, berichtet Pfarrer Ansgar Schocke im Gespräch mit den Nordstadtbloggern. Dabei ist es durchaus schwierig, einen neuen Nutzer zu finden. Denn die Diozöse schreibt vor, dass die Nachfolgenutzung nicht den „kirchlichen Interessen“ entgegen darf. Im Klartext: Spielhalle, Bordell, Erotikladen oder eine andere Einrichtung, „die dem christlichen Glauben entgegen gesetzt ist“, sind tabu.

Dennoch fanden sich für das Gebäudeensemble großes Interesse: „Die Kirchengemeinde hat sich schließlich für HD-Immobilien aus Düsseldorf entschieden“, berichtet Schocke. „Dieses Unternehmen hat Erfahrung mit der Umwidmung von alten und leerstehenden Gebäuden und möchte aus dem Gebäudekomplex ein Hotel machen“, freut sich der Nordstadt-Pfarrer.

Natürlich werde das neue Haus kein Stunden-Hotel, sondern ein seriöses Haus. Die Verträge sind unterzeichnet, der Kaufbetrag gezahlt und die Schlüssel übergeben. Einen Weg zurück gibt es nicht mehr. Nun ist es am neuen Eigentümer zu prüfen, um sich das Hotel im Bestand errichten lässt oder ob erneut das Thema Abriss eine Rolle spielt.

Neuer Käufer will nun den Bau eines Hotel forcieren – Bedarf ist vorhanden

Verwildert sind die Außengelände der Kirche. Vom gärtnerischen Einsatz vor einem Jahr ist nichts mehr zu sehen.

Verwildert sind die Außengelände der Kirche.

Die neue Nutzung als Hotel scheint im städtische Interesse. Mit großem Wohlwollen hat die Stadt in den vergangenen Jahren die Etablierung neuer Hotelbetriebe in Dortmund forciert.

Die Übernachtungszahlen sind seit der WM 2006 jedes Jahr gestiegen. Die Kapazitäten reichen trotz der bisher schon geplanten Neubauten im Bereich des Wallrings (u.a. im Dortberg-Haus und neben dem Hotel Esplanade) nicht aus.

Allerdings wird das Vorhaben in der Nordstadt sicher kein Schnellschuss werden. Denn sollte nur der Abriss in Frage kommen, müsste HD-Immobilien das Verfahren zur Löschung des Denkmalschutzes neu betreiben. Durch den Verkauf ist das bisherige Verfahren obsolet und beendet geworden.

Verkauf der Kirche an Hotel-Betreiber ist für die Gemeinde deutlich lukrativer

Für das „Soziale Zentrum Avanti“ soll das Kirchenschiff nicht genutzt werden.

Noch immer steht die Alberts-Magnus-Kirche unter Denkmalschutz.

Für die Wert-Voll gGmbH bedauert Schocke die Wendung. „Ich hätte gerne gesehen, dass hier eine Kita entsteht“, betont Schocke. Allerdings war diese Variante nach Bekanntwerden der neuen Kaufinteressenten für die Gemeinde keine Option mehr. „Nach dem Abriss wären von dem Verkaufserlös wären für uns nur noch 20.000 Euro übrig geblieben“, rechnet der Pfarrer vor.

Doch nach dem neuen Deal sieht das anders aus: 298.000 Euro hat die Kirche jetzt aus Düsseldorf. bekommen. 160.000 Euro ist das Grundstück an der Enscheder Straße wert. Der Rest des Kaufpreises stellt den Wert der Gebäude dar. Neben dem eigentlichen Kirchenschiff und einem großen Hof gibt es dort noch weitere Nebengebäude, einen Gemeindesaal im Keller sowie einen Wohnhaus-Trakt.

Der Verkaufspreis entspricht dem ermittelten Wertgutachten. Das Geld fließt allerdings nicht 1:1 in die Tasche der Nordstadt-Gemeinde. Auch die Diozöse und der Makler bekommen ihren Teil vom Kuchen, dämpft Schocke etwaige Erwartungshaltungen. Für Schocke ist die neue Wendung ein gutes Zeichen für den gesamten Stadtteil: Schließlich zeige es, dass es in der Nordstadt positive Entwicklungen und einen Markt auch für solche Vorhaben gebe.

Ob, wie und vor allem wann die unendliche Geschichte der Kirche weitergeht, ist noch völlig offen. Doch das muss Pfarrer Schocke und seine Gemeinde nicht mehr beschäftigen. Sie kann und muss sich nun um die Zukunft der anderen katholischen Kirchen in der Nordstadt kümmern – es gibt ja noch sechs weitere.

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