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IT-Systemhaus aus Huckarde setzt bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels auch auf Flüchtlinge als Auszubildende

Muhamed Ali Abdulaziz  und Mohamed Ali Natoura haben einen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung ergattert. Fotos: Alex Völkel

Muhamed Ali Abdulaziz  und Mohamed Ali Natoura haben nach der sechsmonatigen Einstiegsqualifikation einen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung ergattert. Fotos: Alex Völkel

Von Alexander Völkel

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Das gilt auch für die berufliche Integration von Flüchtlingen in Dortmund. Einen bemerkens- und nachahmenswerten Weg hat die Firma „proLogistik“ in Huckarde eingeschlagen. Die Firma bietet ein eigenes Integrationsprogramm für Geflüchtete an.

IT-Systemhaus für Intralogistik bietet eine Einstiegsqualifikation an

Seit mehr als 30 Jahren gibt es das IT-Systemhaus für Intralogistik – es stellt u.a. Software-Lösungen für die Lagerverwaltung her. Das Unternehmen mit 160 Beschäftigten war schon immer offen für soziale Projekte. Und da auch der Fachkräftemangel für das Unternehmen ein Thema ist, bietet das Unternehmen seit zwei Jahren ein eigenes Integrationsprogramm für Geflüchtete als Einstiegsqualifikation an.

Rund sechs Monate können zwischen fünf und sieben Menschen daran teilnehmen, bekommen Deutschkurse, lebenspraktische Hilfestellungen und betriebliche Einblicke in die unterschiedlichen Unternehmensbereiche und Ausbildungsberufe. „Als wir damit angefangen haben, gab es von staatlicher Seite noch nicht so viel“, berichtet Caroline Pitzer. Sie haben sich daher ein eigenes Programm ausgedacht und vereinen so soziales und wirtschaftliches Engagement.

Bereits zwei Durchläufe hat das Unternehmen gemacht und jeweils zwei junge Syrer als Azubis eingestellt. Die anderen Teilnehmer sind dabei nicht einfach „durch das Raster gefallen“ – sie konnten sich erproben, ob der Beruf überhaupt etwas für sie ist und ob ihnen die Arbeit in dem multikulturell bunt geprägten Unternehmen gefällt.

Mehrere Geflüchtete als Azubis eingestellt – auch Direkteinstieg ist möglich 

„Es ist ja auch für Deutsche ein schwerer Ausbildungsberuf“, betont Pitzer. Die Flüchtlinge müssten  zusätzlich ja auch noch die Sprache und kulturelle Besonderheiten lernen. „Wer nicht bei uns anfängt, den lassen wir nicht fallen, sondern wir schauen gemeinsam, ob es Alternativen gibt und wo sie unterkommen können. Es ist für sie keine verlorene Zeit.“

Tim Elberich, Abteilungsleiter für das Projekt- und Systemgeschäft, im Gespräch mit zwei seiner Azubis.

Tim Elberich, Abteilungsleiter für das Projekt- und Systemgeschäft, im Gespräch mit zwei seiner Azubis.

Das können Muhamed Ali Abdulaziz – der 20-Jährige ist im zweiten Lehrjahr –  und Mohamed Ali Natoura – der 21-Jährige hat zum 1. August seine Ausbildung begonnen – nur bestätigen. Sie haben die Integrationsmaßnahme durchlaufen und einen Ausbildungsplatz als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung ergattert.

Aber auch Fachinformatiker für Systemintegration, Systemelektroniker, IT-Kaufleute sowie Bürokaufleute bildet das Unternehmen aus – wenn auch nicht in jedem Ausbildungsjahr. Denn das Ziel ist klar die Übernahme – „proLogistik“ bildet die Nachwuchskräfte selbst aus. „Wir betreiben Nachwuchsförderung – egal woher die Menschen kommen“, so Pitzer. 13 Nationalitäten sind im Unternehmen vertreten – aus Europa, Afrika und Asien kommen die Beschäftigten.

Die beiden angehenden Fachinformatiker fühlen sich hier wohl und haben auch Kontakt zu den anderen Azubis. Sie lernen gemeinsam und unterstützen sich, die Erfahreneren helfen den Neuen. Die beiden jungen Syrer konnten hier ihren Traum verwirklichen. Der Ältere der beiden Geflüchteten hatte in der Heimat Abitur gemacht, bevor er mit seiner Familie floh.

Unternehmen möchte so einen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels leisten

Der Jüngere der beiden Alis hat sogar nur die elfte Klasse beendet, bevor er ohne seine Eltern nach Deutschland kam. Doch beide hatten schon von Anfang an ein Faible für Computer, Informatik und technische Anwendungen. Daher sind sie auch so motiviert.

„Ich wollte von klein auf etwas mit Informatik machen“, betont Abdulaziz. Dass er kein Abitur hat, ist kein Hindernis. Mathematik, Englisch und ein privates Interesse an Computern. Dazu Motivation, Interesse und Fleiß sind Dinge, die sich das Unternehmen wünscht.

„Mit der Integration klappt es sehr gut, es gibt keine Hemmschwellen bei den Kollegen“, berichtet Tim Elberich, Abteilungsleiter für das Projekt- und Systemgeschäft.

Im Herbst beginnt die neue Bewerbungsrunde für die Einstiegsqualifikation

Caroline Pitzer freut sich über den Interkulturellen Wirtschaftspreis, den das Unternehmen 2016 gewonnen hat.

Caroline Pitzer freut sich über den Interkulturellen Wirtschaftspreis, den „proLogistik“ 2016 gewonnen hat.

Daher will das Unternehmen im kommenden Januar erneut ein rund halbjähriges Training für Geflüchtete anbieten, um dann im kommenden Sommer wieder welche als Azubis einzustellen.

Geflüchtete können sich dafür im Herbst wieder bei dem Unternehmen in Huckarde melden – übrigens nicht nur für eine Ausbildung, auch ein Direkteinstieg ist möglich. Doch nicht nur Syrer arbeiten hier: „Auch ein afghanischer Flüchtling hat bei uns seine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration begonnen“, berichtet Caroline Pitzer.

Das Engagement spricht sich herum – die IHK hatte das Unternehmen 2016 für sein Integrationsprogramm für den Interkulturellen Wirtschaftspreis vorgeschlagen – Der Preis und die Urkunde zieren nun die Eingangshalle das Unternehmens. Man ist stolz auf seine Philosophie, die sich andere Firmen gerne abgucken dürften: „Rassismus hat bei uns keinen Platz“, so Pitzer. Mehr zum Unternehmen auf www.prologistik.com.

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  1. Multikulturelles Forum

    Jetzt für den Interkulturellen Wirtschaftspreis bewerben!

    „Es geht nicht nur um gesellschaftliche Anerkennung, sondern in erster Linie um innovative Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Hatice Müller-Aras vom Multikulturellen Forum (MkF) und verdeutlicht so die wirtschaftlichen Vorteile von kultureller Vielfalt in Unternehmen.

    Das MkF lobt, wie schon in den vergangenen elf Jahren, auch dieses Jahr den Interkulturellen Wirtschaftspreis (IWP) gemeinsam mit Partnern wie der IHK zu Dortmund, der Handwerkskammer Dortmund und der Stadt Dortmund aus. Der Preis ehrt Unternehmen und Betriebe aus dem westfälischen Ruhrgebiet, die vorbildhaft interkulturelle Vielfalt in ihrem Team verankern und fördern. Denn, darin sind sich die Partner des Preises einig, kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz fördert nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg, sondern erhöht gleichzeitig die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber. Im globalisierten Wettbewerb – vielfach auch um die besten MitarbeiterInnen – ein wichtiger Faktor.

    Kleine und mittelständische Unternehmen jeglicher Branche aus dem westfälischen Ruhrgebiet, die die interkulturellen Kompetenzen ihrer MitarbeiterInnen fördern und die betriebliche Integration von MigrantInnen unterstützen, können sich bis zum 20. Oktober 2017 für den Preis bewerben. Auch ArbeitnehmerInnen können ihr Unternehmen für den Preis vorschlagen.

    Die Preisverleihung findet im November im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund statt. Diesjähriger Schirmherr ist Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund. Gastredner bei der Preisverleihung ist Andreas Schmidt, Vorstandsvorsitzender bei der REWE Dortmund.

    Informationsflyer mit dem Bewerbungsbogen liegen ab sofort bei allen beteiligten Partnern aus und können auch im Internet unter http://www.interkultureller-wirtschaftspreis.de abgerufen und online ausgefüllt werden. Ansprechpartnerin für Rückfragen ist Frau Hatice Müller-Aras (Tel.: 02306 / 30630-17; aras@multikulti-forum.de).

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