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Interessante Ausstellung startet im Hoesch-Museum: „Essen außer Haus – Vom Henkelmann zum Drehspieß“

Bereiteten die Ausstellung vor: Dr. Jens Stöcker (MKK), Michael Dückershoff (Hoesch-Museum), Dr. Heinrich Tappe (Brauerei-Museum) Isolde Parussel (Deutsches Kochbuchmuseum). Foto: Joachim vom Brocke

Bereiteten die Ausstellung vor: Dr. Jens Stöcker (MKK), Michael Dückershoff (Hoesch-Museum), Dr. Heinrich Tappe (Brauerei-Museum) Isolde Parussel (Deutsches Kochbuchmuseum). Fotos: Joachim vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

„Essen außer Haus. Vom Henkelmann zum Drehspieß“ heißt eine Ausstellung, die nach und nach in drei Dortmunder Museen lockt. Sie dauert fast bis zum Jahresende. Auftakt ist am Sonntag, 2. April, ab 11 Uhr im Hoesch-Museum an der Eberhardstraße 12 – diesmal sogar mit Wein im Angebot und leckerer Curry-Wurst.

Gegessen wurde in den Dortmunder Werken anfangs meist am Arbeitsplatz

Essensausgabe bei Hoesch, vor dem heutigen Eingang des Museums. Daneben ein Arbeiter mit doppeltem Henkelmann. Foto:Joachim vom Brocke

Essensausgabe bei Hoesch, vor dem heutigen Eingang des Museums. Daneben ein Arbeiter mit doppeltem Henkelmann.

Sowas gab’s damals nicht. Die Mahlzeiten waren – vor allem in der Nachkriegszeit – für die schwer arbeitenden Männer eher dürftig. Das Bütterken wurde in Zeitungspapier eingewickelt mitgenommen oder die Frau brachte das Essen im Henkelmann ans Werkstor.

Werksküchen oder Kantinen gab es erst sehr viel später. „Zunächst“, weiß Hoesch-Museumsleiter Michael Dückershoff, „wurden die Mahlzeiten immer mehr am Arbeitsplatz eingenommen“. So auch bei Hoesch.

Als die Westfalenhütte 1871 mit 300 Arbeitern startete, kamen die Arbeiter mit dem Henkelmann zum Arbeitsplatz, eine blecherne Büchse, meist emailliert. Später kam die Butterbrotdose aus Aluminium hinzu.

Erst 20 Jahre nach Gründung von Hoesch, 1892, wurde beschlossen, eine Speiseanstalt einzurichten. Erst acht Jahre später, im Januar 1900 nahm die „Werksschänke“ den Betrieb auf. Die Entwicklung von den ersten Speisehallen bis hin zu den modernen Kantinen der Gegenwart wird die Entwicklung im Hoesch-Museum dargestellt.

Getränke am heißen Ofen waren extrem wichtig

Getränke waren bei der Arbeit am heißen Ofen immer extrem wichtig. Michael Dückershoff: „Der Wasserverlust während einer Arbeitsschicht lag bei Hitzearbeitern im allgemeinen zwischen drei und sechs Litern. Hoesch legte viel Wert darauf, dass seine Beschäftigten mit ausreichend Flüssigkeit versorgt wurden“.

Seit den 1930er Jahren war Tee neben Mineralwasser eines der beliebtesten alkoholfreien Getränke auf der Hütte. Mitte der 1930er Jahre setzte sich Hoesch für die Abgabe von Milch und Milcherzeugnissen an bedürftige, kranke und kinderreiche Werksangehörigen ein.

Hoesch hatte auf der Westfalenhütte eigenen Weinkeller mit vielen Köstlichkeiten

Winfried Knipping in früheren Jahren. Er war Kellermeister bei Hoesch und für den Wein zuständig. Repro: Joachim vom Brocke

Winfried Knipping  war Kellermeister bei Hoesch in der Nordstadt und dort für den Wein zuständig.

Ende der 1940er Jahre wurde ein Fahrzeug auf dem Werksgelände eingesetzt, das bis zu 2000 Flaschen Milch transportieren konnte.

In den Trinkhallen auf dem Westfalenhüttengelände um 1900 konnte man Bier der Kronen-Brauerei kaufen. 1920 wurde der Weinkeller in den Kellerräumen der Oesterholzstraße direkt unter der Werksschänke gebaut.

Jedoch wurde Wein in der Regel von den Chefs verköstigt; die Arbeiter liebten eher ihr Bier, gefolgt vom Schnaps. Legendär ist der Weinkeller von Hoesch, der von Winfried Knipping geleitet wurde.

Knipping und die weiteren Zeitzeugen Marlies Berendsen und Horst Klaffke, sämtlich inzwischen betagt, nehmen am 6. April um 18.30 Uhr an einem Museumsgespräch teil und erzählen von ihren Erinnerungen aus jenen Jahren.

Kantine Oesterholzstraße produzierte 8500 Mahlzeiten täglich

Edelstahlgeschirr für die späteren Werksküchen. Foto: Joachim vom Brocke

Edelstahlgeschirr für die späteren Werksküchen.

Dann gab es noch eine Kantine an der Oesterholzstraße. Von den hier produzierten 8500 Mahlzeiten täglich wurden 5000 in die vielen über die Werke verteilten Relaisküchen und Speisesäle geliefert.

3500 Essen wurden im modernen, vollklimatisierten Speisesaal über ein Cafeteria-Wählsystem ausgegeben. Das Spektrum reichte vom deftigen Eintopf über einen herzhaften Heringssalat bis zum saftigen Braten.

Längst haben viele Imbissbuden und Restaurants mit internationaler Küche das Angebot erweitert. Dückershoff: „Die 1400 MitarbeiterInnen der Westfalenhütte besuchen vor allem die Imbissbuden rund um den Borsigplatz, essen aber auch gerne in der werkseigenen Kantine.

Im MKK eine Präsentation aus dem Kochbuchmuseum

Die weiteren Ausstellungen eröffnen am 23. April. Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) ist eine Präsentation des Deutschen Kochbuchmuseums zu sehen. „Dabei“, erklärte die Leiterin Isolde Parussel, „sind die grundlegenden Veränderungen und Trends der Zeit nach 1900 und nach 1945 zusammengefaßt“.

Parussel lädt die BesucherInnen dazu ein, selbst von ihren Erfahrungen zu berichten und Erinnerungen wie Fotos oder Objekte einzubringen. Für das Kochbuchmuseum, lange im Westfalenpark beheimatet, wird noch eine Bleibe mit großer Ausstellungsfläche gesucht.

Das Brauerei-Museum in der Nordstadt erinnert an alte Restaurants

Eine Auswahl von Henkelmännern. Meist wurde der Inhalt in einem Warmwasserbad erhitzt. Foto: Joachim vom Brocke

Eine Auswahl von Henkelmännern. Meist wurde der Inhalt in einem Warmwasserbad erhitzt.

Das Brauereimuseum beschäftigt sich ab 23. April – dem „Tag des Bieres“ – bis Ende Dezember mit den prachtvollen Restaurants im ausgehenden 19. Jahrhundert, die – so Brauereimuseumsleiter Dr. Heinrich Tappe – „zunächst gut betuchten bürgerlichen Kreisen vorbehalten war“.

In Dortmund sei das Restaurant „Unionbräu“ solch ein Treffpunkt gewesen. Die Speisekarte seien in jenen Jahren üppig und vielseitig gewesen.

Impressionen aus der spannenden Geschichte der Speisegaststätten vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die heutige Gegenwart bietet die Sonderausstellung.

 Mehr Informationen:

  •  Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 2. April, 11 Uhr, im Hoesch-Museum.
  • Öffnungszeiten: dienstags und mittwochs von 13 bis 17 Uhr, donnerstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr.
  •  Ergänzt werden die Ausstellungen von Museumsgesprächen, Salongeschichten und öffentlichen Führungen.
  •  www.hoeschmuseum.dortmund.de

2 Gedanken über “Interessante Ausstellung startet im Hoesch-Museum: „Essen außer Haus – Vom Henkelmann zum Drehspieß“

  1. Hoeschmuseum

    Auf den Spuren von Stahl und Eisen: Geführte Fahrradtour von Hoesch zu Phoenix und Union

    Die Spuren von Stahl und Eisen in Dortmund mit dem Drahtesel erfahren – diese Gelegenheit bietet am Sonntag, 9. April, 11 Uhr das Hoesch-Museum.

    Bei einer geführten Fahrradtour von der Westfalenhütte im Norden geht es über den PHOENIX See und das Phoenix-West-Gelände zurück zum Hoesch-Museum. Die Tour führt teils auf der ehemaligen Gleistrasse der Stahl- und Eisentransporte und über die Trasse der ehemaligen Elias-Bahn. Start ist am Hoesch-Museum, Eberhardstraße 12.

    Die Strecke ist zwischen 22 und 27 km lang, die Fahrt dauert einschließlich einer Pause am PHOENIX See drei bis vier Stunden. Die Tour unter der Leitung von Walter Gockel und Burkhard Brieskorn kostet 5 Euro pro Teilnehmer und 10 Euro für Familien. Anmeldung im Museum unter Tel.: 0231 / 844-5856.

    Die Teilnehmer benötigen verkehrstaugliche Fahrräder, müssen sich sicher im Straßenverkehr und in der City bewegen können und sollten Fahrradhelme tragen.

  2. Nordstadtblogger-Redaktion

    Vom Henkelmann, Kantinen und dem Weinkeller: Museumsgespräch im Hoesch-Museum

    Die aktuelle Ausstellung „Essen außer Haus. Vom Henkelmann zum Drehspieß“ im Hoesch-Museum erzählt von der Verpflegung der „Hoeschianer“: Noch bis zum 9. Juli geht es an der Eberhardstraße 12 um die verschiedenen Formen der Gemeinschaftsverpflegung bei Hoesch, um den legendären Weinkeller und um den Wandel im Essverhalten seit den 1870er Jahren. Bei einem Museumsgespräch am Donnerstag, 6. April, 18.30 Uhr berichten Zeitzeugen über den Henkelmann, die Kantinen und die Arbeits- und Essbedingungen zu Zeiten Hoeschs. Der Eintritt ist frei.

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