Nordstadtblogger

Helfen kann jeder: Mit Handwärmern gegen das Erfrieren – Aktion der Diakonie gegen Obdachlosigkeit in Dortmund

Thomas Bohne und Heike Ester verteilten in der City die Handwärmer. Fotos: Sophia Stahl

Thomas Bohne und Heike Ester verteilten in der City die Handwärmer. Fotos: Sophia Stahl

Von Sophia Stahl

„Ganz viele aufmerksame Ohren und Augen in der Stadt“, das wünscht sich Diakonie-Geschäftsführerin Anne Rabenschlag. 400 kleine Handwärmer in Form einer Wärmflasche sollen dabei helfen. Mit der Aktion „Wenn es kalt wird, schenken Sie Wärme!“, will die Diakonie die BürgerInnen auf Wohnungslose im Winter aufmerksam machen.

Zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose betreut 1800 Menschen

Die Diakonie bietet - wie auch andere Wohlfahrtsorganisationen - Obdachlosen eine Postanschrift an.

Die Diakonie bietet – wie auch andere Wohlfahrtsorganisationen – Obdachlosen eine Postanschrift an.

Am Mittwoch begann die Aktion: Die Diakonie verteilte die Handwärmer in der Innenstadt. Befestigt sind die kleinen Wärmflaschen an einem Flyer. „Noch viel wichtiger als der Handwärmer ist  die Rückseite des Flyers. Dort sind alle wichtigen Telefonnummern und Anlaufstellen aufgelistet“, erklärt Thomas Bohne, Leiter der Zentralen Beratungsstelle für wohnungslose Menschen (ZBS).

Zurzeit betreut die ZBS 1800 KlientInnen. Der Großteil von ihnen verfügt über eine prekäre Wohnmöglichkeit, das bedeutet: Sie können bei Freunden, Bekannten, der Familie oder in Übernachtungsstellen unterkommen. 300 Klienten leben allerdings ganz auf der Straße, also ohne Unterkunft. „Fehlender Wohnraum und wachsende Armut führen dazu, dass die Zahl der Wohnungslosen in Dortmund und ganz Deutschland steigt“, erklärt Thomas Bohne.

Menschen mit Erfrierungen kommen zum medizinischen Hilfsangebot

Diese Menschen sind im Winter der realen Gefahr ausgesetzt, zu erfrieren. Heike Ester, Krankenschwester der ZBS, berichtet: „Es kommen tatsächlich Menschen mit Erfrierungen zum medizinischen Hilfsangebot.“ Die Krankenschwester betreut zurzeit einen Herrn, der sich mit einer Kreissäge an der Hand verletzt hat. Die Verletzung wird bei zunehmender Kälte immer schmerzhafter, weshalb er die Hand kaum trainieren kann.

„Als Folge droht, die Hand für immer steif zu bleiben“, schildert Heike Ester. Andere Klienten leiden unter schweren Erkrankungen der Bronchien im Winter. Für Menschen, die abends in eine warme Wohnung zurückkehren, sind solche Zustände kaum vorstellbar.

Vielleicht ein Grund für die Berührungsängste vieler Menschen gegenüber Wohnungslosen. Thomas Bohne hat dafür Verständnis: „Unsere Aktion soll die Bevölkerung aufklären, damit jeder in der Lage ist, zu helfen. Im Notfall reicht es auch, einfach die Polizei oder eine Hilfseinrichtung zu informieren.“ Anne Rabenschlag fügt als Ermunterung  hinzu: „Niemand, der Hilfe oder eine Übernachtungsstelle braucht, wird von der Diakonie abgewiesen. Wir finden für alle eine Lösung.“

Diakonie-Chefin Anne Rabenschlag warnt: „Jeder kann obdachlos werden!“

Diakonie-Geschäftsführerin Anne Rabenschlag

Anne Rabenschlag

Für die Diakonie-Geschäftsführerin ist das Hilfsangebot für Wohnungslose „eine Herzensangelegenheit“. Für sie ist klar: „Jeder kann obdachlos werden!“ Ein Klient der ZBS war Meister in einem Handwerksunternehmen. Sein Leben geriet durch die Trennung von seiner Frau und einer Herzerkrankung aus den Fugen.

Oft leiden die Betroffenen unter Suchterkrankungen oder psychischen Problemen wie Depressionen. Außerdem gibt es immer mehr junge und alte Wohnungslose. „Die Wohnungslosigkeit wird immer jünger“, sagt Thomas Bohne. Gleichzeitig betreut die ZBS aber auch Klienten im Alter von 80 Jahren, die sich dem Altenheim verweigern.

Kein Grund für Resignation oder Hoffnungslosigkeit

Resigniert oder hoffnungslos sind Anne Rabenschlag, Thomas Bohne und Heike Ester trotzdem nicht. „Ich bin mir sicher, da geht immer was! Durch die Beratung kommt was in Bewegung bei den Klienten. Viele finden sich in das Leben zurück“, sagt Anne Rabenschlag.

Nun hofft die Diakonie durch ihre Aktion auch auf Bewegung in der Bevölkerung beim Umgang mit Wohnungslosen. Auf die Frage: „Wie sollen BürgerInnen am besten auf Hilfsbedürftige zugehen?“ Antwortet Heike Ester: „Ich würde einfach eine Tasse Kaffee mitnehmen.“

Wichtige Adressen:

  • Übernachtungsmöglichkeiten:  
  • Frauenübernachtungsstelle: Prinz-Friedrich-Karl-Str.5, Tel.0231/5844960
  • Männerübernachtungsstelle: Unionstr. 33, Tel.0231/2225688
  • Sleep In – Jugendübernachtungsstelle: Körner Hellweg 19
  • Versorgungsangebote: 
  • KANA –Suppenküche: Mallinckrodtstr. 114, Tel. 0231/ 839853
  • Gasthaus: Rheinische Str.22, Tel.0231/ 140936
  • Franziskaner Kloster: Franziskaner Str.1, Tel. 0231/5622180
  • Suppenküche Wichern: Stollenstr.36 (Wichernhaus), Tel. 0231/ 8630983
  • Die ZBS bittet gerade im Winter um Spenden von Schlafsäcken, Winterjacken, Winterschuhen und warmen Anziehsachen.
  • Es kann aber auch finanziell geholfen werden: Sparkasse Dortmund, Stichwort: Wohnungslosen-Hilfe, BLZ: 44050199, Konto: 1777777, IBAN: DE90440501990001777777

Mehr zum Thema au nordstadtblogger.de:

Unterstützung und Hoffnung für wohnungslose Menschen – Beratungsstelle der Diakonie gibt es jetzt seit 40 Jahren

Zentrale Beratungsstelle für wohnungslose Menschen in Dortmund besteht seit 40 Jahren – „Markt der Diakonie“

Der Nordmarkt-Kiosk ist ein Unikum: Die Nordstadt-Bude ist die einzige ohne Bier und Kippen im Ruhrgebiet

Ehrenamtliche feiern mit Wohnungslosen den Heiligabend im Reinoldinum: „Das ist Weihnachten, so wie es sein soll“

 

Print Friendly, PDF & Email

Ein Gedanke zu “Helfen kann jeder: Mit Handwärmern gegen das Erfrieren – Aktion der Diakonie gegen Obdachlosigkeit in Dortmund

  1. Christoph Lange

    Sehr geehrte Fr. Stahl,

    schön, dass sie über das Thema Wohnungslosigkeit berichten.

    Allerdings habe ich eine vervollständigende Anmerkung:
    Vorher kurz zu mir:
    Ich arbeite seit fast 10 Jahren mit Menschen zusammen die ohne Obdach sind und zumeist eine aktuelle Drogenthematik haben. Seit fast 5 Jahren bin ich Sozialarbeiter in der Drogenberatung und arbeite dort sehr viel im Café Flash, auch bin ich im Gasthaus aktiv.

    Bei der Auflistung von wichtigen Anlaufstellen fehlt das Café Flash als wichtige Anlaufstelle für Menschen mit Suchtthematik und auch bestender/drohender Wohnunglosikeit. Hier gibt es für über 100 obdachlose Menschen einen Postvertrag und intensive psychosoziale Beratung, weiter machen wir auch Streetwork und bieten u. a. rechtliche u. ärztliche Beratung durch Externe. Gerne kann ich Ihnen auch ausführlich unsere Arbeit schildern. In die Liste von Anlaufstellen gehören wir allerdings hinein.

    Fragen Sie gerne bei uns nach weiteren Infos

    Mit freundlichen Grüßen

    Christoph Lange

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.