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„Flammende Köpfe“ im Schauspiel Dortmund: Wie radikalisieren sich Menschen im Internet? 

 Das Video-Lecture „Flammende Köpfe“ von Arne Vogelgesang hat am Samstag am Schauspiel Dortmund Premiere.

Das Video-Lecture „Flammende Köpfe“ von Arne Vogelgesang hat am Samstag am Schauspiel Dortmund Premiere.

Von Joachim vom Brocke

Als ein „analoges und digitales Videoabenteuer“ bezeichnen die Dramaturgen Alexander Kerlin und Anne-Kathrin Schulz die bevorstehende Uraufführung der Video-Lecture „Flammende Köpfe“ von Arne Vogelgesang am Schauspiel in Dortmund. Premiere ist am Samstag, 25. März, 19.30 Uhr, im Ausweichquartier im Hörder Megastore. Der ausgebildete Regisseur Arne Vogelgesang geht der Frage nach, wie sich Menschen im Internet radikalisieren und wie daraus ein reales Szenario der Bedrohung entsteht.

„Wir sind stolz darauf, Arne Vogelgesang für unser Theater gewonnen zu haben“

Arne Vogelgesang hat viel recherchiert. Fotos: Beate Hupfeld

Arne Vogelgesang. Fotos: Beate Hupfeld

Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz: „Er beobachtet und verfolgt seit Jahren bei Twitter und auf YouTube die rechte Szene und versucht sie in einen geschichtlichen Kontext zu setzen“.

Ihr Kollege Alexander Kerlin schwärmt: „Wir sind stolz darauf, Arne Vogelgesang für unser Theater gewonnen zu haben“. Bei einer Tagung über „Theater trifft Aktion“ im Herbst 2015 habe man sich kennen und schätzen gelernt. Daraus sei zunächst das Projekt „Schreiende Köpfe“, schließlich „Flammende Köpfe“ geworden.

Das steckt dahinter: Im Februar 2016 brüllt im sächsischen Dorf Clausnitz ein Mob einen Bus mit Geflüchteten nieder. Wolfram Fischer, im Bus als Dolmetscher dabei, erinnert sich später vor allem an eine „Menge von Köpfen“. Hassende, brüllende Köpfe – ein Bild, das zu einem populären Propaganda-Trend im Internet passt.

Videobotschaften von Menschen, die sich aufregen. Zum Beispiel über Fremde, über die Medien, über Politiker sowie über deren Wähler. In diesen Mischformen aus Video-Blog und politischer Rede spielen Köpfe und ihre Gesichter die entscheidende Rolle. Aber welche Rolle und in welchem Stück?

 Wie radikalisieren (sich) Menschen im Internet? Wie entsteht ein reales Szenario der Bedrohung?

Arne VogelgesangArne Vogelgesang geht bei seinen oft stundenlangen Recherchen auf YouTube oder Twitter der Frage nach: Wie radikalisieren (sich) Menschen im Internet? Wie entsteht daraus ein reales Szenario der Bedrohung?

Manchmal lässt sich ein entflammter Kopf von seinem Körper nachts zu einem Flüchtlingsheim tragen, um es anzuzünden. Ist der Kopf dann noch wach? Oder schläft er und träumt von den Messern des Jihad?

„Besorgte Bürger, die sagen, dass sie sagen, was alle denken, weil sie wollen, dass alle denken was sie sagen“, wird Arne Vogelgesang zitiert. Für die Inszenierung greift Vogelgesang auf seine ständig aktualisierte Sammlung von Internet-Propaganda-Videos zurück. Das Ich und der virtuelle Stammtisch: Welche Wirkung hat Online-Extremismus auf die Welt, in der wir leben?

Die Bühne: links und rechts zwei große Leinwände. In der Mitte Arne Vogelgesang, der die Bilder steuert. Er will die Zuschauer mitnehmen in sein Internet-Universum. Dramaturg Alexander Kerlin: „Es geht in Clausnitz los und kehrt nach Clausnitz zurück“. Doch keine bange: der Zuschauer werde nicht von Videoschnipsel zu Videoschnipsel depressiver – es gebe auch Unterhaltungswert, versicherte Kerlin.

 Mehr Informationen:

  •  Premiere von „Flammende Köpfe“ ist am Samstag, 25. März, 19.30 Uhr, im Megastore des Schauspiel Dortmund in Hörde. Restkarten sind noch zu haben.
  •  Weitere Vorstellungen: am 1. und 30. April. Infos und Karten unter (0231) 50 27 222.
  • www.theaterdo.de

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