
700 Jahre hat das Schloss Bodelschwingh den Witterungen der Natur standgehalten, doch es zeigt sich immer mehr, dass das Schloss ein sanierungsbedürftiger Fall ist. Nun trafen sich nach acht Jahren Planung neben der Eigentümerfamilie, dem Planungsbüro und Verwaltungsvertreter:innen auch die Politiker:innen, die sich für die Sanierung eingesetzt haben, zu dem „Spatenstich“.
Das Schloss wird wetterfest gemacht
Ein erster Versuch, das Schloss zu sanieren, ist bereits gescheitert. Es wurde im Verlauf klar, dass das Projekt einen größeren Aufwand mit höheren Kosten als vorgesehen haben wird. „Es geht bei dem Projekt darum das Gebäude wetterfest zu machen“, erklärte die Schlossherrin Mireta zu Knyphausen.

Bei dem Schloss ist mittlerweile durch Witterungen, wie Regen, Schnee und Frost für Jeden erkennbar, dass einige Schäden bereits entstanden sind. Neben Rissen und Flecken an der Fassade ist auch der Dachstuhl in Mitleidenschaft gezogen worden. Es werden daher die komplette Dacheindeckung nebst Regenwasserableitung erneuert, der Dachstuhl ertüchtigt, Steinmetzarbeiten ausgeführt und die Fassade inklusive der Fenster saniert. Der ursprüngliche Steinbruch, aus dem die Steine für das Schloss stammen, existiert jedoch nicht mehr. Stattdessen kommt ein Sauerländischer Stein zum Einsatz.
Diese Arbeiten sind, laut Architekt Michael Schwarz, keine Seltenheit, jedoch gilt die Beschickung und Einrüstung des Wasserschlosses als besonders herausfordernd. Denn das Schloss hat einen Wassergraben, in Westfalen Gräfte genannt. Dieser hat einen sehr instabilen, matschigen Grund und zum Schloss eine sehr steile Böschung, was ein simples Standardgerüst unbrauchbar macht. Das Wasser kann auch nicht einfach abgelassen werden, da Sauerstoff das uralte bisher nicht angetastete Fundament angreifen würde.
Viele schützende Hände unterstützen das Sanierungsprojekt
Stattdessen werden mithilfe eines Kranes und Taucher Module auf dem Grund der Gräfte gebaut, welche das Fundament für das Baugerüst über dem Wasser bilden. Das Gerüst ist dann nur über eine Planke quer über die Gräfte zu erreichen. Diese Art von Gerüst und die Sanierungsarbeiten sind sehr kostenintensiv aber erforderlich, um das Projekt im Einklang mit den Denkmalschutzbehörden umzusetzen.

Wegen der hohen Kosten und dem immateriellen Wert des Schlosses unterstützten aus der Politik der Oberbürgermeister Thomas Westphal, der Oberbürgermeister a.D. Ullrich Sierau, die Dezernenten Stefan Szuggat und Arnulf Rybicki, die frisch wiedergewählten Bundestagsabgeordneten Sabine Poschmann und Jens Peick, Landesminsterin Ina Scharrenbach und Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann das Projekt, sodass es eine Förderung vom Bund in Höhe von über 3,2 Millionen Euro und vom Land in Höhe von 2,5 Millionen Euro bekam.
Zudem bekam das Sanierungsprojekt Unterstützung aus der Forschung von Prof. Dr. Barbara Welzel und Prof. Dr. Wolfgang Sonne sowie Mitgliedern des Denkmalschutzförderverein, wie der ehemalige Staatsminister Christoph Zöpel. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, kurz DSD, steuerte rund 730.000 Euro zum Projekt bei. Leiterin der Denkmalförderung des DSD, Anette Liebeskind, betonte in ihrer Rede, dass private und öffentliche Fördermittel sich gegenseitig nur ergänzen können und nicht einander ersetzen.
Acht Jahre Planung für 2 Jahre Bauzeit
Das Erbe der Familie Knyphausen kehre sich zum Schutzauftrag um, so Liebeskind. Es zeige sich bei dem Projekt, dass viele Menschen aus Politik, Verwaltung und Stiftungsgesellschaften die schützenden Hände auf dieses Projekt gelegt haben und es realisierbar gemacht haben. Der Oberbürgermeister zitierte Schlossherrn Felix zu Knyphausen, dass es sogar Spaß gemacht habe, sich mit den Bauämtern auseinanderzusetzen.

Zöpel erklärte, dass Dortmund von einer der bedeutsamsten Städte Europas im Mittelalter mit seiner Umgebung zur drittgrößten Universitätsmetropolregion Ruhr entwickelt hat. Das Schloss Bodelschwingh sei für diese Entwicklung ein besonderes Zeitzeugnis. Er lobte daher auch den Einsatz der Familie Knyphausen, der das Schloss seit Jahrhunderten gehört, für ihren Einsatz zum Erhalt der gesamten Schlossanlage.
Das Finanzielle des Projektes wird mithilfe der Sparkasse Dortmund und dessen Vorstandsmitglied Peter Orth geregelt. Die Planung und Leitung des Projektes übernehmen die beiden Architektinnen aus dem Büro „Spital-Frenking und Schwarz“ Hannah Brand und Gülcan Cermik. Die achtjährige Planung sieht das Ende der nun beginnenden Bauphase um den Jahreswechsel 2026/2027. Neben den Sanierungsarbeiten soll auch die Gräfte zum Wasserrückhaltebecken umgebaut werden.
Reaktionen
Till Strucksberg
Ganz nett: 6,43 Mill. € öffentlicher Gelder für die Renovierung eines privaten Wohn- und Geschäftssitzes, der noch nicht einmal für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Man darf das Schloss von weitem ansehen, aber das Gelände nicht betreten, weil die Bewohner nicht gestört werden möchten. Und das können sie fordern, weil die Anlage „ausschließlich aus privaten Mitteln unterhalten“ werde, so die Webseite (abgerufen heute) – was also nicht stimmt. Beste Verbindungen zur Politik waren durch die Jahrhunderte hindurch für den Adel immer Bedingung für den Erhalt ihres Reichtums.