„Salon 5“:  „Wir wollen aus Dortmund heraus jungen Menschen eine Stimme geben“

Die Jugendredaktion von Correctiv öffnet werktäglich am Borsigplatz

Fertig eingerichtet: In der Redaktion gibt es neben Aufnahme-Equipment auch viele Bücher. Foto: Karlotta Hamburg für Nordstadtblogger.de

Von Karlotta Hamburg

Nach einem Jahr kann „Salon 5“ – die Jugendredaktion des Medienhauses Correctiv – seinen Standort in Dortmund eröffnen. „Wir wollen aus Dortmund heraus jungen Menschen eine Stimme geben“, sagt Hatice Kahraman, Chefredakteurin von Salon 5. Vor fünf Jahren sei die Idee entstanden, eine Redaktion zu gründen, die explizit Jugendliche anspricht. Denn viele Medien würden eine jüngere Zielgruppe nicht mehr erreichen, da sie nicht auf ihre Bedürfnisse eingehen.

Ein Ort für Austausch unweit des Borsigplatzes

„Wir versuchen zu fragen, was brauchst du denn, wie möchtest du redaktionell teilnehmen?“, so Kahraman. „Salon 5“ produziert verschiedene Formate, von Podcasts, über Beiträge und Kurzvideos auf Instagram und TikTok bis hin zu Texten.

V.l.: David Brüsseler, Hatice Kahraman und Alina Andrazcek Foto: Karlotta Hamburg für Nordstadtblogger.de

Im Namen „Salon 5“ steht die fünf für den Artikel der Pressefreiheit im Grundgesetz . Der Salon wiederum soll ein Ort der Begegnung sein, in dem jederzeit Menschen einen Platz finden können.

„Wir wollen, dass junge Menschen einen Ort haben, wo sie in den Austausch kommen“, beschreibt Kahraman. Und weiter: „Wir wollen eine demokratische Welt.“ Dazu gehöre es, zu lernen, faktenbasiert zu argumentieren und den Jugendlichen die notwendige Medienkompetenz zu vermitteln.

Die erste „Salon 5“-Redaktion entstand in Bottrop, inzwischen gibt es vier Standorte und über 100 Jugendreporter:innen deutschlandweit.  „Für mich ist dieser Ort etwas ganz Besonderes“, erzählt Kahraman, denn sie selbst sei in Dortmund aufgewachsen. „Es ist der Ort, den ich mir früher gewünscht habe“, sagt die Chefredakteurin.

Die Suche nach einer Location in der Nordstadt war schwierig

Doch bis hierhin war es ein langer Weg, weiß Redakteurin Alina Andrazcek, die seit einem Jahr den Aufbau des neuen Standortes begleitet. Es begann mit der Durchführung von Workshops an Schulen, bis hin zu Veranstaltungen im Dietrich-Keuning-Haus und Fritz-Henßler-Haus.

Jan-Henrik Gruszecki kaufte das Haus an der Dürener Straße 29, das als Problemimmobilie galt. Foto: Amelie Borggrefe für Nordstadtblogger.de

„Auf der Suche nach einem Ort für die Redaktion bin ich wie eine Wahnsinnige durch die Nordstadt gelaufen, habe Fotos von Lokalen gemacht und versucht, die Kontaktdaten von Vermietern zu bekommen.“ Schließlich fiel die Wahl auf die Dürener Straße 29.

Jan-Henrik Gruszecki, Geschäftsführer der Borsigplatz Developement GmbH sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass „Salon 5“ eine neue Bleibe suche. Er bezeichnet sich selbst als langjährigen Unterstützer von Correctiv und sei daher bereit gewesen, das Erdgeschoss nach Wünschen der Redaktion zu sanieren.

Drei Haupträume: ein großer Raum, für Redaktionskonferenzen und Workshops, das Büro und das Studio, inzwischen ausgestattet mit  Greenscreen, Mikrofonen für Podcasts, Handhalterungen und allem, was es sonst zur Aufnahme braucht, und natürlich eine Toilette bilden seit einer Woche die Redaktion von „Salon 5“ in der Dortmunder Nordstadt.

Salon5 will dort anknüpfen, wo die Leute sind

„Das Viertel ist immer im Wandel“, sagt Andrazcek, „man merkt, dass es ein vielfältiger Ort ist.“ Während der Begrüßung zur Feier trägt ein Jugendreporter ein Gedicht über die Nordstadt vor: „Nicht immer perfekt, doch voller Respekt“, ist eine der Zeilen.

Chefredakteurin Hatice Kahraman begrüßt die Besucher:innen bei der Einweihungsfeier in der Dürener Straße. Foto: Karlotta Hamburg für Nordstadtblogger.de

Zum Team der „Salon 5“-Redaktion gehört auch Davis Brüsseler, der als Sozialarbeiter noch aus einer anderen Perspektive die Arbeit begleitet. Ihm sei es wichtig, die ganze Nachbarschaft einzubinden. „Wir versuchen so niedrigschwellig zu sein, dass wir direkt dort anknüpfen, wo die Leute sind.“

Ganz in der Nähe des Borsingplatzes habe man auch viel Laufkundschaft, sagt er. Dementsprechend hoch sei auch die Neugier und das Interesse der Menschen.

Medienkompetenz und Raum für eigene Ideen

Die Jugendreporter:innen sind mit Feuer und Flamme dabei. Während der Einweihungsfeier drehen sie Storys für Instagram. Für sie sei „Salon 5“ ein Ort, an dem sie sich wohlfühlen, die Atmosphäre sei fast familiär. Außerdem würden sie hier Dinge lernen, die es die Schule nicht schaffe, zu vermitteln: der Umgang mit Medien und das Überprüfen von Fakten im Internet. Und natürlich sei es auch aufregend, sich selbst dann im Radio zu hören oder auf Social Media zu sehen. Für ihre Arbeit würden die jungen Reporter:innen viel positives Feedback bekommen.

Auch Anette Dowideit, stellv. Chefredakteurin von Correktiv ist zu dem besonderen Anlass angereist. Foto: Amelie Borggrefe für Nordstadtblogger.de

Doch als Jugendredaktion von Correctiv, die spätestens durch ihre Reportage „Geheimplan gegen Deutschland“ Anfang letzten Jahres Bekanntheit erlangte, bleibt „Salon 5“ auch Widerstand im Netz nicht erspart. Zwischenzeitlich sei der Instagram-Kanal gesperrt worden, berichten die Jugendlichen, da er mehrfach gemeldet worden sei. Sie würden sich wünschen, dass das aufhört.

Von nun an stehen die Türen der Redaktion werktags von  9:30 bis 18 Uhr offen. Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren können sich hier ganz ohne Vorkenntnisse ausprobieren und ihre eigenen Ideen einbringen.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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