Neue Ausstellung im Naturmuseum Dortmund: Einblicke in die geheime Welt der Waldameisen

„Superhelden auf sechs Beinen“ sind in der Nordstadt zu sehen

Die Schönheit des Bildes vom glänzend blauen Laufkäfer und der Waldameise, die auf ihm zu reiten scheint, täuscht. Der Käfer wird fürs Nest zerlegt. Ingo Arndt Photography

Das Naturmuseum in Dortmund ist immer den Besuch wert. Aber ganz besonders gilt das, wenn eine zusätzliche Ausstellung besucht werden kann: Unter dem Titel „Waldameisen. Superheldinnen auf sechs Beinen“ werden seit vergangenem Freitag Bilder von einer Welt gezeigt, die den meisten Menschen unbekannt und dennoch allgegenwärtig ist.

Ameisen-Fotografien von künstlerischer Qualität

Die zur Zeit in Dortmund gezeigten Fotografien von Ingo Arndt bieten als großformatige Wiedergaben faszinierende Einblicke in das Zusammenleben und -arbeiten dieser kleinen Tiere – man kennt rund 15.000 Arten, von denen sechs in unseren Breiten leben –, die schon zu Zeiten der Dinosaurier die Erde bevölkerten. Unter der verantwortlichen Leitung von Dr. Oliver Adrian wurde die Ausstellung durch Muriel Montag, die am Naturmuseum als wissenschaftliche Volontärin beschäftigt ist, kuratiert.

In der „Waldameisen“-Ausstellung: Dr. Oliver Adrian und Muriel Montag vom Naturmuseum. Foto: Peter Krause

Die gezeigten Bilder und erläuternden Texte sind für Laien und Fachleute gleichermaßen verständlich. Hervorzuheben ist die künstlerische Qualität der Fotografien, die, neben der wissenschaftlichen Aussagekraft, ausgesprochen beeindruckt.

Ingo Arndt, der weitgehend auf Bildbearbeitungen verzichtet, hat für seine Arbeiten darum prominente Auszeichnungen, u.a. mehrmals die Auszeichnung als „Wildlife Photographer of the Year“ oder 2006 den „Deutschen Preis für Wissenschaftsfotografie“, erhalten.

Die Besucher:innen der Ausstellung erfahren viel Wissenswertes. Beispielsweise davon, dass Ameisenstaaten die längste Zeit des Jahres nur aus weiblichen Tieren bestehen, Königinnen bis zu zwanzig Jahre leben (und in dieser Zeit fortwährend Eier legen), während sie von den Arbeiterinnen gepflegt und umsorgt werden.

Beeindruckende Einblicke in den Ameisenstaat

Es wird den Besucher:innen vor Augen geführt, wie eine Ameise an einem Wassertropfen an einer Flechte ihren Durst stillt, ein Eichelhäher mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Ameisenhügel hockt, um sich durch die Ameisensäure das Gefieder desinfizieren zu lassen. Man ahnt, mit welch liebevoller Geduld der Fotograf für solche Aufnahmen zu Werke ging!

Bild: Ingo Arndt Photography

In den Wäldern nehmen Waldameisen wichtige Aufgaben wahr. Sie tragen zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts bei, beispielsweise indem sie sich von Insekten wie dem Borkenkäfer ernähren, der insbesondere im fortschreitenden Klimawandel als ausgemachter Forstschädling gilt. Zudem tragen Ameisen durch ihre Erdnester zur Belüftung der Böden und zur Verbreitung von Samen bei.

Ingo Arndt hat mit seiner Kamera beobachtet und in eindrucksvollen Bildern festgehalten, wie im Ameisenstaat gebaut, gejagt, geputzt, gegärtnert, aber auch wie der Nachwuchs umsorgt und gepflegt wird. So liegt die Frage bald nicht mehr fern, was wir Menschen von diesen kleinen Tieren möglicherweise lernen können?

Längst beschäftigen Stauforscher:innen sich mit Ameisenstraßen, um Verkehrsflüsse auf den Straßen der Menschen zu optimieren. Oder die Greifwerkzeuge der Ameisen werden zur Vorlage für die Entwicklung von Werkzeugen für die Chirurgie. Auch die Soziobiologie beschäftigt sich mit den kleinen Tierchen, denn Ameisen vermögen es, sich im Kollektiv stets sinnvoll und sozial zu verhalten. Diese Fähigkeit scheint uns Menschen nur allzu oft abhanden zu kommen!

Seit vielen Jahren auf Reisen durch die Welt

Ingo Arndt bereist für seine Reportagen seit vielen Jahren die Welt. So entstanden auf allen Kontinenten Reportagen, die in angesehenen Magazinen wie National Geographic, GEO, Stern oder BBC Wildlife erschienen sind.

„Waldameisen – Superhelden auf sechs Beinen“ heißt die neue Ausstellung im Naturmuseum von Ingo Arndt. Bild: Ingo Arndt Photography

Für die nun im Naturmuseum in Dortmund gezeigten Bilder hat Arndt sich zwei Jahre lang – vor allem in seiner hessischen Heimat – mit der ganz eigenen Welt der Waldameisen beschäftigt.

Dazu war er in der freien Natur unterwegs oder erstellte mit Unterstützung von Biolog:innen im Labor temporär naturähnliche Lebensbedingungen, unter denen einzigartige Aufnahmen, etwa von der Brutpflege, die sonst tief im Innern des Ameisenbaus erfolgt, möglich wurden.

Im Laufe der zwei Jahre hat Arndt über 30.000 Fotografien erstellt, von denen er 300 archivierte – und schließlich 50 besonders gelungene Aufnahmen für die Dortmunder Ausstellung ausgewählt hat. Gekonnte Tier- und Naturfotografie – und die beherrscht Ingo Arndt – lehrt den unbedingten Respekt vor dem Leben unserer Mitwelt. Diesem Effekt der ausgesprochen gelungenen Ausstellung werden sich die Besucher:innen – ob alt oder jung –, nicht entziehen können. Und das ist auch gut so!

Wer den Fotografen persönlich kennenlernen will, hat dazu am 2. Juli um 19 Uhr Gelegenheit. Dann berichtet Ingo Arndt im Naturmuseum in einem Vortrag von seinen Erkundungen der geheimen Welt der Waldameisen.

Mehr Informationen:

Foto: Peter Krause
    • Naturmuseum, Münsterstraße 271, Dortmund
    • Die Ausstellung läuft bis zum 28. September 2025
    • Dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet
    • Die Sonderausstellung kostet für Erwachsene 4 Euro (2 Euro ermäßigt), für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.
    • Der Eintritt in die Dauerausstellung ist kostenlos.

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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