Vorhang auf für das 42. Internationale Frauenfilmfestival in Dortmund

IFFF lädt bis 6. April Filmkreative und Fans in Lichtspielhäuser ein

Key Visual – IFFF 2025
Festivalplakat_Internationales Frauenfilmfestival Dortmund+Köln 2025 IFFF

Von Sandra Danneil

Warum braucht es heute noch ein Frauenfilmfestival? Diese Frage musste Dr. Maxa Zoller, Festivalleiterin des IFFF, in den vergangenen Jahren immer wieder beantworten. Nur nicht in diesem. Sie ist überzeugt, dass die zunehmende, weltweite „Gender-Ungerechtigkeit“ einmal mehr auf die Notwendigkeit eines Filmfestivals hinweist, das den Female Gaze, also den weiblichen Blick, in den Mittelpunkt rückt. Seit 1973 rücken die Initiator:innen nun schon. Mit aller Kraft tun sie das, um Filmfans und Filmemacher:innen aus sämtlichen Gewerken beim IFFF Dortmund+Köln auch 2025 wieder einen erfahrbaren Raum für Begegnung und Austausch zu schaffen.

Das 42. IFFF in Zahlen und mit NRW-Festivalpremiere

Vom 1. bis 6. April können sich Filmfans auf 103 aktuelle und historische Filmbeiträge aus insgesamt 42 Ländern freuen. Es werden fünf Filmpreise im Wert von 22.000 Euro verliehen und über 70 internationale Gäste willkommen geheißen.

Still aus Martina Priessners DIE MÖLLNER BRIEFE, der auf der Berlinale 2025 Premiere feierte
Still aus Martina Priessners DIE MÖLLNER BRIEFE, der auf der Berlinale 2025 Premiere feierte IFFF

Den Festivalauftakt im Dortmunder CineStar macht Martina Priessners Die Möllner Briefe – ein Dokumentarfilm, der Erinnerungen an die rechtsextremen Brandanschläge in Mölln 1992 wachruft.

Statt investigativer Rachefantasie im True Crime-Stil erzählt Priessner die Geschichte, die mit den zahlreichen ‚verschollenen‘ Briefen der Solidarität 30 Jahre lang nicht erzählt werden konnte. Gemeinsam mit Ibrahim Arslan und weiteren Überlebenden der Anschläge schafft die Regisseurin ein Stück Erinnerungskultur des Sehens und Gehörtwerdens.

Dortmunds Filmkultur hat ihre Preise und viel Unterstützung

Während die Etatkürzungen in der Freien Filmszene Köln ausreichend Raum für bissige Kommentare seitens der Festivalleitung erlauben, kann sich die Szene in Dortmund (noch) freuen. Die Leiterin des Dortmunder Kulturbüros, Hendrikje Spengler, erklärt dazu im Pressegespräch: „Im Ruhrgebiet sind wir mit die einzige Metropole, die nicht von den Kürzungen im Kultursektor betroffen ist. Ganz im Gegenteil, der Haushalt ist sogar leicht erhöht worden.“

FAMILY THERAPY (2024) von Sonja Prosenc konkurriert mit sieben anderen Spielfilmbeiträgen im int. Wettbewerb um 15.000 Euro
FAMILY THERAPY (2024) von Sonja Prosenc konkurriert mit sieben anderen Spielfilmbeiträgen im int. Wettbewerb um 15.000 Euro IFFF

„Dazu waren wir selten zuvor so divers und so vernetzt wie in diesem Jahr“, ergänzt Zoller mit plausiblem Stolz. Vor allem die Dortmunder Sparkasse bleibe dem Festival als ein verlässlicher „lokaler Player“ erhalten, versichert ihre Vertreterin Gabriele Kroll.

Umso leichter fällt es, die Filmwettbewerbe mit attraktiven Preisgeldern zu dotieren. Neben dem beliebten internationalen Spielfilmwettbewerb, in dem acht Beiträge um 15.000 Euro konkurrieren, liegt ein weiterer besonderer Fokus auf dem „Female Gaze“.

Hiermit haben die Festivalmacher:innen den 2001 ins Leben gerufenen Nationalen Wettbewerb aus dem Wachkoma geholt, um nun junge Nachwuchsfilmschaffende aus NRW mit 5.000 Euro Sachpreis für herausragende Bildgestaltung zu ehren. Maxa Zoller freut sich sehr darüber: „Auch wenn sie es als junge Absolvent:innen der Filmhochschule nicht gedacht hätten – ohne Filmfestival geht es einfach nicht und oft nicht weiter.“ Selbst wer leer ausgeht, weiß heute offenbar, Vernetzung ist das Buzzword unserer Zeit.

Gegen den weißen Blick hilft Sehen Lernen und Verlernen

„Let me see that body move“ befiehlt eine Stimme den Bildern des offiziellen Festivaltrailers des 42. IFFF Dortmund+Köln. Eingehüllt in einen zeitgemäßen Dubstepbeat reihen sich tanzende an fallende Körper. Andere Körper rennen und wieder andere sind wütend. Das besondere an Deutschlands größten und ältesten Filmfestival: Der „Body“ im, vor und hinter dem Bewegtbild ist weiblich.

Im Kurzfilmprogramm werden die Stummfilme (hier: LAUGHING GAS) musikalisch begleitet
Im Kurzfilmprogramm werden die Stummfilme (hier: LAUGHING GAS) musikalisch begleitet IFFF

Thematisch geht es den Festivalmacher:innen aber auch um das „Sehen Lernen und Verlernen“ von kolonialisierten Körpern, Damit verfolgt das IFFF im „FOKUS:“-Program einen Diskurs-verändernden Ansatz, mit dem alte und neue Filme von ihren verkrusteten (An-)Sichten dekolonisiert, also abgelöst werden sollen.

Ziel dabei ist ein offener, befreiter statt weißer Blick auf Arbeiten aus über 120 Jahren Filmgeschichte, um die Störpraxis verstetigter rassistischer Strukturen zu beenden.

Specials mit Prominenz, Projektionen und Party

Helke Sander und Claudia von Alemann organisierten das “Frauenfilmseminar”. Das gilt als das weltweit erste Frauen-Filmfestival mit Filmen von und über Frauen. Aufnahmedatum: November 1973
Helke Sander und Claudia von Alemann organisierten das “Frauenfilmseminar”. Das gilt als das weltweit erste Frauen-Filmfestival mit Filmen von und über Frauen. Aufnahmedatum: November 1973 bpk / Abisag Tüllmann

Auch wenn die Specials in diesem Jahr etwas magerer ausfallen als zuletzt, bietet das Festivalprogramm doch ein paar nennenswerte Highlights. Wer nicht nur gerne Filme im Kino ansieht, blättere im Festivalprogramm einfach nach ganz hinten.

Unter „SPECIALS“ finden sich unter anderem eine Spurensuche nach den Anfängen des IFFF und ein Best Practice-Gespräch mit der gebürtigen Dortmunderin und prominenten Autorenfilmerin Yasemin Şamdereli (Alles Getürkt!, 2002; Almanya, 2011) zu ihrer internationalen Koproduktion Samia (2024) – ein Spielfilm über eine somalische Olympionikin mit tragischer Geschichte.

Yasemin Şamdereli bei der CineCoPro Premiere SAMIA  beim 41. FILMFEST MÜNCHEN im Juli 2024.
Yasemin Şamdereli bei der CineCoPro Premiere SAMIA  beim 41. FILMFEST MÜNCHEN im Juli 2024. Sophie Wanninger

Dazu sind alle zu dem beliebten Kurzfilmprogramm „KINO TO GO“ eingeladen. Mit dem mobilen Kinoapparat zieht der Tross auch dieses Jahr wieder um die Häuser.

Am Dienstag, 2. April ab 19 Uhr werden diese Wände zu Kinoleinwänden für ein vielfältiges Programm aus Experimentalfilm, Musikvideos, Animation und Stop-Motion-Trickfilm.

Der feierliche Danceact in Form der traditionellen Festivalparty findet 2025 dort statt, wo vor vielen Jahren auch mal Kino stattgefunden hat. Das Domicil in der Hansastraße ist zwar schon lange ein beliebter Jazz-Club, wird bei der Festivalparty am Freitag, 4. April aber sicher ein toller Ort, um mit den Geistern seiner nur fast vergessenen Kinoära zu feiern.

Mehrt Informationen:

Alle Infos zu Events, Programm und Ticketpreisen unter https://frauenfilmfest.com/ oder direkt im Festivalbüro „Superraum“ auf der Brückstraße.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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