
Von Karlotta Hamburg
Wie können Jugendliche von der Politik wahrgenommen werden? Dieser Frage widmete sich die Podiumsdiskussion im Fritz-Henßler-Haus. Organisiert durch „Salon 5“, der Jugendredaktion des gemeinnützigen Medienunternehmens Correctiv, stand die Veranstaltung unter dem Motto „Mach mal laut! – Jugend mischt sich ein“. Matti Stahlbaum von „Salon5“ moderierte das Gespräch zwischen den fünf Gäst:innen.
Jugendliche werden nicht ernst genommen
„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Stimme von Jugendlichen nicht wahrgenommen wird“, stellt Mirjam Borzymski, Reporterin bei „Salon5“, fest. Perspektiven der Jugendlichen würden in politischen Diskussionen oft übergangen. „Es gibt nichts, was ich mehr hasse, als wenn über Menschen gesprochen wird, statt mit Menschen zu sprechen“, sagt Borzymski. Doch genau das sei bei Jugendthemen der Fall.
Miriam Golda-Langner arbeitet für den Jugendring Dortmund in der Arbeitsstelle JugendBotschaft in Politik und Verwaltung. Ihr sei es wichtig, dass auch die leisen Menschen in der Politik zu Wort kommen. Selbst wenn junge Menschen nicht direkt politisch seien, „Bedürfnisse und Interessen haben sie sehr wohl.“
Mehr Mut, laut zu werden
Der Name der Veranstaltung ist Programm: Alle sind sich einig, dass Jugendliche sich mehr trauen sollten, ihren Standpunkt klar zu vertreten und ihrer Meinung Gehör zu verschaffen. Lukas Pazzini von den Nordstadtbloggern ist der Überzeugung: „Wenn man selbstbewusst auftritt, dann nehmen einen die Leute auch ernst. Man muss das ein bisschen erzwingen.“

Malik Pätzold von Fridays For Future stimmt ihm zu. „Meist ist es leider so, dass Entscheidungsträger in der Politik nicht aktiv auf junge Leute eingehen“, urteilt er.
Doch da durch Demonstrationen eine große Öffentlichkeit für die Forderungen von Fridays For Future hergestellt worden sei, sei auch die Ernsthaftigkeit der Politikerinnen gewachsen, erklärt er. „Man kann sich seinen Einfluss bauen, wenn man das will.“
Stipendium für benachteiligte Jugendliche
Golda-Langner appelliert an die Jugendlichen, mutiger zu sein: „Wir brauchen auch Leute, die sich heutzutage einfach trauen rauszugehen und laut zu werden.“ „Man darf sich selbst nicht runterspielen“, fügt Borzymski hinzu, „wir haben genauso das Recht, hier zu sein, wie die anderen auch.“

Miguel Fraczek ist Mitgründer des Nordsterne-Stipendiums. 30 Jugendliche der siebten bis neunten Klasse werden durch das Projekt mit Geld und Bildungsangeboten unterstützt. Das Stipendium richtet sich explizit an Jugendliche, die in der Nordstadt wohnen und gesellschaftlich benachteiligt sind.
„Auch ich hatte meine Hürden, deshalb möchte ich jungen Menschen helfen, ihre Träume zu erfüllen“, sagt Fraczek. Gerade über die Nordstadt gebe es das Vorurteil, dass es kein Potenzial gebe. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Jugendlichen gesehen fühlen. Es ginge um die Motivation zur persönlichen Entwicklung: „Das bedeutet, dass die Person stärker geworden ist und ihre Träume erfüllen, ihre Ziele erreichen kann.“
Umgang mit dem Rechtsruck
Fraczek erzählt, in den Bewerbungsgesprächen hätten die Jugendlichen häufig geäußert, dass ihnen der Aufstieg der AfD Angst macht. Viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund, manche sind aus ihrem Heimatland geflohen.

Unter den Zuhörenden kommt die Frage auf, was sich gegen den Rechtsruck an der Schule tun lasse. Fraczek antwortet: „Haltung zeigen. Ein paar Leute labern sehr viel Müll – andere sind einfach still.“
Auch Borzymski zeigt sich beunruhigt. Menschen der jungen Generation würden die AfD uninformiert wählen, aufgrund der Videos, die sie auf TikTok sehen. „Das macht traurig zu sehen, dass sie eine Partei wählen, die sich gar nicht für sie interessiert.“
Klein anfangen, Großes erwarten
Im Laufe des Gespräches zeigt sich die klare Meinung: Es seien die kleinen Dinge, die Veränderung bewirken können. „Wir müssen nicht immer nur im Großen, sondern auch im Kleinen als Gesellschaft füreinander einstehen“, so Golda-Langner. Eine gute Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen: E-Mails zu schreiben an die Bezirksvertretung, Ratspolitiker:innen und Abgeordnete. „Das ist deren Job!“, betont sie.

„Die Schule ist ein super Ort, um das erste Mal ein Projekt zu starten“, empfiehlt Borzymski, beispielsweise eine AG oder einen Workshop. Auch die Arbeit in der Schülervertretung, einem Verein oder Verband würde sich eignen, um erste Schritte zu machen.
Jugendliche sollten Dinge einfach ausprobieren. „Wenn du es nicht machst, dann macht es vermutlich niemand,“ stellt Pätzold fest. „Oder es macht jemand falsches“, fügt Fraczek hinzu.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!