Bundesarbeitsminister Hubertus Heil zu Besuch bei Thyssenkrupp Steel in Dortmund

Im Gespräch mit Beschäftigten über ihre Sorgen der Zukunft:

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil war zu Besuch in der Feuerbeschichtungsanlage vom Thyssenkrupp-Standort Dortmund. Foto: Darya Moalim für Nordstadtblogger.de

Seit Monaten bangen Beschäftigte der Thyssenkrupp Steel Europe AG um ihre Arbeitsplätze. Konzern-Chef Miguel López schließt seit August letzten Jahres nicht aus, tausende Arbeitsplätze abzubauen. Die Zahlen erstrecken sich dabei auf bis zu 13.000 Stellen, davon rund 600 in Dortmund. Um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen, waren Bundesarbeitsminister Hubertus Heil gemeinsam mit den Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordneten Sabine Poschmann und Jens Peick am 21. Januar in der Nordstadt zu Gast auf der Westfalenhütte.

Zentraler Partner der Automobilindustrie, der vor großen Herausforderungen steht

Neben einer Besichtigung der Feuerbeschichtungsanlage trat Heil auch in den direkten Austausch mit den Beschäftigten, die ihre Sorgen und Fragen offen mit dem Minister teilen konnten. Dabei standen vor allem die geplanten Stellenkürzungen und die Zukunft der Stahlindustrie in Deutschland im Fokus.

Er kam zum zuhören, nicht zum reden: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil Archivbild: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Das Thyssenkrupp Steel Werk Dortmund stellt besonders für die Automobilindustrie einen zentralen Konzern dar, wie beim Rundgang der Feuerbeschichtungsanlage hervorgehoben wurde. Das Unternehmen produziert dabei jährlich rund eine Million Tonnen feuerverzinkten Stahls.

„Die Stahlproduktion hier läuft rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr“, erklärte ein Mitarbeiter des Werks. Als einer der größten Kunden von Thyssenkrupp Steel Dortmund gilt Automobilhersteller Volkswagen.

Die Feuerbeschichtungsanlage weist eine Kapazität von 600.000 Tonnen Flachstahl pro Jahr auf. Foto: Darya Moalim für Nordstadtblogger.de

Dennoch steht die Zukunft von Thyssenkrupp Steel Dortmund aufgrund des möglichen Stellenabbaus vor großen Herausforderungen. Das Unternehmen nennt dabei mehrere Gründe für die Kürzungen.

Unter anderem setzten günstige Stahlimporte aus Asien die Preise unter Druck, und die schwache Wirtschaft führt zu weniger Nachfrage nach Stahl. Gleichzeitig machten die hohen Kosten für die Umstellung auf eine klimafreundliche Produktion die Lage noch schwieriger.

Generationen im Werk: Beschäftigte zeigen Sorgen um ihre Zukunft

Es ist keine Seltenheit, dass in der Stahlindustrie Beschäftigte über Generationen hinweg im selben Werk tätig sind. Auch in Dortmund berichten die „Hoeschianer“, seit Jahrzehnten in der Branche zu arbeiten – oft gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern. Umso größer ist die Sorge vieler Beschäftigter um eine sichere Zukunft.

Thyssenkrupp CEO Miguel López plant Stellenabbau. Foto: Darya Moalim für Nordstadtblogger.de

Besonders eine Mitarbeiterin äußerte ihre Ängste angesichts der geplanten Stellenstreichungen, die sie mit ihrem Bruder teilt, der ebenfalls in einem Thyssenkrupp-Werk arbeitet.

Für diese Sorgen zeigte der Minister vor Ort großes Verständnis. Er berichtete den Beschäftigten von seiner Heimatstadt, die ebenfalls stark von der Stahlindustrie geprägt war, aber in den vergangenen Jahren einen massiven Stellenabbau erleben musste.

„Deutschland muss Stahlland bleiben“ – Heil fordert mehr Unterstützung

Für den Bundesarbeitsminister ist klar: „Deutschland muss Stahlland bleiben“, wie er den Beschäftigten mit Nachdruck versichert. Dabei müsse der Staat eine aktive Rolle bei der Unterstützung der Branche spielen und nicht „die Hände in den Schoß legen“. Länder wie die USA und China investierten laut Heil konsequenter in ihre Industriepolitik, was in Deutschland zunehmend in den Hintergrund gerückt sei.

Heil trat in den direkten Austausch mit den Beschäftigten. Foto: Darya Moalim für Nordstadtblogger.de

Zudem betonte der Gast aus Berlin, dass die Transformation hin zu grünem Stahl nicht auf Kosten der Belegschaft erfolgen dürfe und betonte die Bedeutung der Stahlindustrie für die deutsche Wirtschaft und den Klimaschutz.

Projekte wie die Wasserstoffwirtschaft seien dabei essenziell, um den CO₂-Ausstoß der Branche deutlich zu senken und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. „Wir müssen alle ein bisschen Verantwortung übernehmen“, forderte Heil und richtete sich dabei an Management, Sozialpartnerschaft, die Belegschaft sowie den Staat.


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Reaktionen

  1. Kundgebung der IG Metall Vertrauensleute bei ThyssenKrupp Steel in Dortmund (PM)

    Die IG Metall Vertrauensleute bei ThyssenKrupp Steel in Dortmund rufen am 22. Februar zu einer Kundgebung in der Dortmunder Innenstadt auf. Sie möchten auf ihre Situation im Kampf um Arbeitsplätze aufmerksam machen. Auch andere Belegschaften, die sich in ähnlichen Situationen befinden, sind eingeladen. Delegationen von ZF Witten, tkSE Duisburg und Opel Bochum werden erwartet. Örtliche Politiker verschiedener Parteien wurden ebenfalls eingeladen, um zu den Themen der Kundgebung zu sprechen. Verschiedene Organisationen haben ihre Solidarität angekündigt.

    Die Veranstaltung soll ein Zeichen gegen Faschismus und rechte Hetze setzen, einen Tag vor der Wahl. Die IG Metall betont, dass die aktuellen Probleme nicht durch einfache Antworten gelöst werden können, die zu Spaltung, Hass und der Untergrabung von Arbeiterrechten führen.

    Die Kundgebung beginnt um 11:00 Uhr und umfasst auch einen kurzen Demonstrationszug durch die Innenstadt.

    Wann: Samstag, 22. Februar 2025, 11:00 bis 13:00 Uhr
    Wo: DSW21- Kundencenter, Kampstraße, Dortmund

    Aus dem Aufruf:

    Wir setzen ein Zeichen:

    – Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze und gegen die Angriffe der Vorstände, unter anderem von thyssenkrupp, VW, ZF und Ford.
    – Unsere Forderungen sind klar:
    – Keine Standortschließungen!
    – Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz!
    – Kein Outsourcing und kein Verzicht!

    Wir akzeptieren nicht, dass Konzerne Arbeitsplätze vernichten, während uns das Streikrecht verwehrt bleibt. Wir werden alle Mittel nutzen und unsere Streikformen weiterentwickeln.

    Wenn neue Technologien und Produktivitätssteigerungen Arbeitsplätze vernichten, müssen gleichwertige Ersatzarbeitsplätze geschaffen oder die Arbeit auf mehr Schultern verteilt werden.

    Wir lehnen die Vorstöße von BDA und BDI ab, die unsere hart erkämpften Errungenschaften wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall angreifen wollen. Kein „Durchregieren“ auf Kosten der Belegschaften. Verzicht hat noch keinen Arbeitsplatz gerettet.

    Ein besonderes Anliegen ist es uns, ein Zeichen gegen Rechtsruck und Faschismus zu setzen. Wir Arbeiterinnen und Arbeiter lassen uns nicht von faschistischer Demagogie rechter Kräfte verhetzen oder spalten.

    Wir freuen uns über eine rege Teilnahme und nutzen diesen Tag auch zur Mobilisierung für unseren Aktionstag am 15. März 2025 in Köln. Bringt eure Familien und Freunde mit – das geht uns alle an!

    Vertrauensleute – Das sind wir!

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