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„Wenn es kalt wird, zeigen Sie Herz!“: Die Diakonie verteilt in Dortmund warme rote Herzen an Obdachlose 

Diakonie-Aktion "Wenn es kalt wird, zeigen Sie Herz" vorgestellt: Anne Rabenschlag, Diakonie- Geschäftsführerin, Thomas Bohne, Leitung ZBS und Heike Esther, Medizinische Hilfen der ZBS. Foto: Joachim vom Brocke

Anne Rabenschlag, Thomas Bohne  und Heike Esther zeigen Herz. Fotos: Joachim vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

„Keiner soll frieren“ hat sich die Diakonie erneut vorgenommen. Noch bevor die Temperaturen deutlich unter Minusgraden sinken, wird schon jetzt auf die Problematik wohnungsloser Menschen aufmerksam gemacht. Dazu wurde die Aktion „Wenn es kalt wird, zeigen Sie Herz!“ ins Leben gerufen. Mit dem leuchtend roten Herz will die Diakonie dazu beitragen, dass diese Menschen die vorhandenen Hilfsangebote in der Stadt finden und sie motivieren, sie auch zu nutzen.

Rotes Herz gibt wenigstens für 20 Minuten Wärme

Auf der Rückseite der Herzkarte stehen Adressen und Rufnummern von Übernachtungsstellen, Versorgungsangeboten, soziale Beratung und Möglichkeiten zum Tagesaufenthalt. Die Karte ist gedacht für wohnungslose Menschen und wird in der Zentralen Beratungsstelle für wohnungslose Menschen (ZBS) in der Rolandstraße 10 und von den Krankenschwestern der Aufsuchenden medizinischen Hilfen bei ihren Rundgängen verteilt.

Eine symbolische Aktion mit Hinweisen auf konkrete Unterstützung für die Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen auf der Straße, auf Parkbänken, in Abrisshäusern, unter Brücken leben und übernachten müssen. Mit dem auf der Karte aufgeklebten Handwärmer gibt es wenigsten für 20 Minuten Wärme.

Bei Obdachlosen nicht einfach wegsehen – Etwa 400 Frauen und Männer leben „auf der Platte“

Rote Herz-Kissen werden an Obdachlose verteilt. Der Handwärmer sorgt wenigstens 20 Minuten für warme Hände. Foto: Joachim vom Brocke

Rote Herz-Kissen werden an Obdachlose verteilt. Der Handwärmer sorgt 20 Minuten lang
für warme Hände.

Zusätzlich bittet ZBS-Leiter Thomas Bohne die Bürger, „einfach mal auf die Menschen zuzugehen, sie anzusprechen und nicht einfach vorüber zu gehen“. In besonders harten Fällen rät Bohne, „eventuell auch die Polizei zu rufen“. Keine Lösung sei es, so Bohne, „einfach wegzusehen“ und zu riskieren, „dass jemand erfriert“.

Heike Esther, die als Aufsuchende der medizinischen Hilfe unterwegs ist: „Wohnungslose spüren durch den großen Alkoholkonsum die Kälte nicht“. Was folgt sind Erfrierungen an den Füßen, in denen es in besonders schlimmen Fällen zu Amputationen führen kann.

Der ZBS-Abteilung in der Diakonie liegen keine gesicherten Zahlen vor, wie viele Menschen „auf der Platte leben“. Geschätzt werden um die 400 Frauen und Männer, bei steigender Tendenz. Im laufenden Jahr wurden bisher schon 1584 Menschen in der ZBS betreut – eine Steigerung zum Vorjahr um 100 Personen.

„Von denen leben etwa 15 bis 20 Prozent ganz ohne Unterkunft, also ,auf der Platte’, das waren rund 230 bis 320 Personen“, schildert Thomas Bohne die aktuelle Situation. Ansonsten halten sich viele bei Bekannten, Familien – soweit vorhanden – oder in den Übernachtungsstellen für Frauen und Männer auf.

Thomas Bohne: „Armut hat Konjunktur in Deutschland“

„Durch das Fehlen günstiger Wohnungen wird es zunehmend schwerer, einen bezahlbaren Wohnraum zu finden“, sagt Bohne – und das liege nicht am Zuzug von EU-Bürgern oder von Asylsuchenden.

Diese Probleme gebe es in allen großen Städten, weiß Bohne: „Armut hat Konjunktur in Deutschland“. Von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) wird bundesweit ein weiterer Zuwachs um 200 000 auf dann 536 000 wohnungslosen Menschen prognostiziert. Ursachen dafür sei eine seit Jahrzehnten verfehlte Wohnungspolitik in Deutschland in Verbindung mit einer unzureichenden Armutsbekämpfung.

Breites Hilfeangebot der Zentralen Beratungsstelle

Das Hilfeangebot der Dortmunder Zentralen Beratungsstelle für wohnungslose Menschen richtet sich an wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen und Männer. Es handelt sich dabei vorwiegend um unterversorgte bzw. vom Regelversorgungssystem ausgegrenzte Einzelpersonen oder Einpersonenhaushalte.

Ihre besondere Lebensverhältnisse können zu sozialen Schwierigkeiten, vor allem in der Familie, in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz führen, so dass eine Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft nicht möglich oder erheblich beeinträchtigt ist und sie diese Schwierigkeiten aus eigenen Kräften und Mitteln nicht überwinden können. Das Leistungsangebot orientiert sich an den vorhanden Eigenkompetenzen und Ressourcen des Hilfe suchenden Leistungsempfängers.

Neben der konkreten existenzsichernden Beratung durch erfahrene Sozialarbeiter gibt es folgende Angebote bei der ZBS in Dortmund: Tagesaufenthalt (Brückentreff), ambulant betreutes Wohnen, Wohntraining, Aufsuchende medizinische Hilfe und Krankenwohnungen.

Mehr Informationen:

  • Von der ZBS werden von Bürgern Sachspenden wie Decken oder Schlafsäcke gerne entgegen genommen. „Ganz besonders gefragt sind dicke, warme Herrenschuhe“, sagt Heike Esther. 
  • Wer etwas spenden möchte, kann sich mit der ZBS – Telefon (0231) 8494109 – in Verbindung setzen.
  • Bei Abgabe an der Rolandstraße 10 wird den Spendern beim Ausladen geholfen. 
  • Geldspenden sind ebenfalls möglich: Diakonie, Sparkasse Dortmund, Konto 1 777 777, BLZ: 440 501 99; IBAN: DE90 440 501 990 001 777 777
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