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„WeGebAU“ der Arbeitsagentur ebnet Wege in eine neue berufliche Zukunft: Mit 31 Jahren ein Neustart im Handwerk

Handwerksmeister Sven Hülsmann und Umschüler Bosse Sümpelmann. Foto: Alex Völkel

Handwerksmeister Sven Hülsmann (li.) und sein Umschüler Bosse Sümpelmann. Foto: Alex Völkel

Der Volksmund sagt: „Handwerk hat goldenen Boden.“ Doch immer weniger junge Leute wollen sich darauf einlassen. „Sie wollen sich nicht mehr die Hände schmutzig machen“, winkt Sven Hülsmann ab. Der Inhaber und Geschäftsführer der Friedhelm Berger GmbH in der Dortmunder City bekam vor zehn Jahren noch 17 Bewerbungen. Dieses Jahr waren es nur noch zwei. Das ist Anlass genug, neue Wege zu gehen.

Nach zehn Jahren im Büro nun eine Umschulung im Handwerk

Sehr ärgerlich, weil der Chef des Sanitär-, Heinzungs- und Klimaunternehmen auf Wachstum setzt: Als ich vor zwei Jahren das Unternehmen übernommen habe, war ich noch alleine. Jetzt sind es schon sechs Beschäftigte und nach den Sommerferien folgt ein neuer junger Azubi.

Einen weiteren Azubi hat er bereits im Dezember eingestellt: Bosse Sümpelmann. Der 31-Jährige hätte sich noch vor einem Jahr nicht vorstellen können, mal im Handwerk zu arbeiten. Er hatte Bürokaufmann gelernt und auch in dem Bereich gearbeitet. Doch für eine unbefristete Stelle reichte es nie. Meist war nach mehreren Zeitverträgen Schluss. So auch im Mai letzten Jahres.

„Nach dem Jobverlust habe ich nach Perspektiven gesucht. Mein Arbeitsvermittler hat mir eine Umschulung empfohlen. Ich habe keine zwei linken Hände, aber nie Interesse am Handwerk gehabt“, gesteht der 31-Jährige.

Umschulung unterscheidet sich deutlich von der klassischen Ausbildung

Arbeitsagentur - WegebauDavon merkt man heute nichts mehr. Nach mehreren Praktika – unter anderem auch bei Hülsmann – stand die Entscheidung fest. Er machte eine Umschulung: Statt 3,5 Jahren Ausbildung hat er nur maximal 27 Monate Zeit, sich das Fachwissen und die praktischen Fähigkeiten „draufzuschaffen“.

Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können. Man kommt rum, hat Kontakt zu vielen Kunden und die Arbeit ist abwechslungsreich“, gerät er ins Schwärmen. „Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es eher gemacht. Ich habe den Jackpot hier und Chemie stimmt“, versichert Bosse Sümpelmann.

Die Arbeitsagentur hört das natürlich gerne. Denn Sümpelmann ist Teilnehmer des Weiterqualifizierungsprogramms „WeGebAU – Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“.

Hinter dem sperrigen Titel steht ein bunter Strauß an Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, mit denen die Agentur für Arbeit bei der Entwicklung von Perspektiven helfen kann.

Durch die Agentur finanzierte Qualifizierungen gibt es nicht nur für Arbeitslose

Anja Pachura, Bosse Sümpelmann, Sven Hülsmann und Martina Würker. Foto: Alex Völkel

Anja Pachura, Bosse Sümpelmann, Sven Hülsmann und Martina Würker. Foto: Alex Völkel

Übrigens nicht nur für Arbeitslose: Auch Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten können sich beim Arbeitgeberservice melden – auch dann sind Förderungen möglich, wenn zum Beispiel eine Meisterprüfung ansteht. „Wir können da mit Bildungsgutscheinen helfen“, erklärt Arbeitsvermittlerin Anja Pachura.

Sümpelmann ist kein klassischer Azubi. Er hat einen regulären und unbefristeten Anstellungsvertrag bekommen und geht auch nicht ein Mal pro Woche zur Berufsschule. Stattdessen hat er Blockunterricht von jeweils drei bis vier Wochen.

„Für diese Zeiten zahlt die Arbeitsagentur Arbeitsentgeltzuschüsse und finanziert auch die Qualifizierung beim Bildungskreis Handwerk“, erklärt Martina Würker, die neue Chefin der Agentur für Arbeit in Dortmund.

Wochenlanger Blockunterricht statt wöchentlichen Berufsschulbesuchen

Es sind modulare Qualifizierungen mit verschiedenen Bausteinen – passend zu den jeweiligen individuellen und betrieblichen Erfordernissen. Auf Sümpelmanns warten auf dem Weg zum Anlagenmechaniker insgesamt sechs Module.

„Das macht mehr Sinn mit Blockunterricht. Die Betriebe sind nicht glücklich, aber für die Azubis ist das besser“, betont Sven Hülsmann. Denn sein „Neuer“ muss viel lernen – drei bis vier Wochen am Stück Theorie pauken ist anspruchsvoll. Doch beim Bildungskreis bekommt er viel Unterstützung – teils gibt es eine 1:1-Betreuung durch einen erfahrenen Meister.

Bosse Sümpelmann kann sich vorstellen, sich im Handwerk weiterzuentwickeln, vielleicht auch den Meister zu machen. „Das steht natürlich hinten an, erst mal werde ich Erfahrungen sammeln müssen.“ Doch er weiß schon jetzt, was mit der Redewendung „Handwerk hat goldenen Boden“ gemeint ist. Hier winkt ihm eine sichere Zukunft. Denn gute Handwerker werden händeringend gesucht.

Die Broschüre zum Programm als PDF zum Download:

https://www.arbeitsagentur.de/wegebau

 

 

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