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Video-Interview mit Kay Voges: Mit Spiegelwürfeln gegen Neonazis – Rechte Mobilisierungsaktionen in Dortmund

Die Spiegelblockade steht - das Training mit 200 TeilnehmerInnen war eindrucksvoll.

Die Spiegelblockade steht – das Training mit 200 TeilnehmerInnen war eindrucksvoll. Fotos: Alex Völkel

Rund 200 Menschen haben am Sonntag am bisher größten Training für die sogenannte Spiegelblockade teilgenommen. Das Schauspiel des Theater Dortmund und die Künstlergruppe Tools for Action haben dazu erst zur Katharinentreppe und dann zum Friedensplatz eingeladen.

Aktion in der Tradition von Andy Warhols Silver Clouds und Christos „Land-Art-Projekten“

Die aufblasbaren Würfel sind auf einer Seite verspiegelt - die Aktivisten wollen so den Nazis den Spiegel vorhalten.

Die aufblasbaren Würfel sind auf einer Seite verspiegelt – die Aktivisten wollen so den Nazis den Spiegel vorhalten.

Die Menschen übten mit den aufblasbaren Würfeln, wie man sich damit effektiv und bildgewaltig Neonazis am kommenden Samstag in den Weg stellen kann.

Sie wollen so in der Stadt ein deutliches Zeichen des Widerspruchs gegen Rassismus und Antisemitismus setzen, wenn die Neonazis zum sogenannten Tag der deutschen Zukunft (TddZ) aufmarschieren.

Dazu mobilisieren die rechtsextremen Parteien „Die Rechte“, die NPD und „Der III.Weg“ sowie parteifreie Neonazigruppen. Erwartet werden bis zu 1000 Neonazis aus Deutschland und dem benachbarten Ausland.

Dieses Zeichen wollen sie mit Hilfe von aufblasbaren Barrikaden, die künstlerisch irgendwo in der Tradition von Andy Warhols Silver Clouds und Christos „Land-Art-Projekten“ liegen, setzen.

Für das Projekt werden noch Sponsoren gesucht – Patenschaften für Würfel

Die Spiegelblockade steht - das Training mit 200 TeilnehmerInnen war eindrucksvoll.

Das Training für die  Spiegelblockade war gut besucht.

Für das Projekt werden noch Sponsoren gesucht. Es läuft auch eine Crowdfunding-Kampagne.

Zahlreiche Schulklassen, Gruppen und Privatleute nutzen im Mai die Gelegenheit, mit dem Team um Artur van Balen (Tools For Action) an den Würfeln mitzubauen.

Wer wollte, beziehungsweise will, kann auch „Patenschaften“ übernehmen und  – wie bei den Stolpersteinen – die Finanzierung des Materials für die Würfel übernehmen.

Mehr Informationen zu den Künstlern und dem Projekt unter www.toolsforaction.net. Das Crowdfunding-Projekt ist auch auf Facebook.

Neonazis machen vielfältige Aktionen im Vorfeld des Aufmarschs

Symbolträchtig: Neonazi Michael Brück „hinter Gittern" - die Flugblattverteilung floppte.

Symbolträchtig: Neonazi Michael Brück „hinter Gittern – Riegel vor“. Seine Flugblattverteilung floppte.

Die Dortmunder Neonazis schauten sich am Sonntag aus der Ferne das Treiben mit den Würfeln an. Sie mussten an der Katharinentreppe weichen – die Polizei erteilte den wenigen erschienenen Neonazis einen Platzverweis und riegelte die Kunstaktion ab.

Nach ihrer Mobilisierungsdemo am Samstag im westfälischen Hamm wollen die Neonazis in dieser Woche verstärkt in Dortmund in Erscheinung treten.

Am heutigen Montag planen sie gleich zwei Aktionen, um für ihren Aufmarsch am 4. Juni zu trommeln: Sie wollen um 13 Uhr an der U-Bahnstation Reinoldikirche Flyer verteilen.

Ebenfalls am Montag, um 19 Uhr, wollen sie eine Mobilisierungaktion in der Nordstadt machen. Sie treffen sich am kleinen Borsigplatz (Ecke Wambeler Straße und Im Spähenfelde).

Bündnis gegen Rechts erinnert an den Jahrestag der Bücherverbrennung

Bücherverbrennung

In dem mittlerweile von den Nazis gleichgeschalteten „General-Anzeiger” und der konservativen „Dortmunder Zeitung” (Repro) wurde die Verbrennungsaktion auf dem Hansaplatz in allen Details beschrieben.

Allerdings gibt es auch sehenswerte Gegenaktionen: So plant das Bündnis Dortmund gegen Rechts ebenfalls am Montag bereits um 17 Uhr auf der Katharinentreppe eine Aktion zum Jahrestag der NS-Bücherverbrennung.

„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Dieser hellsichtige Satz von Heinrich Heine ist das Motto der Dortmunder Veranstaltung zur Bücherverbrennung am 30. Mai 1933.

An diesem Tag errichtete der NS-Lehrerverband auch in Dortmund einen Scheiterhaufen auf dem Hansaplatz und verbrannte tausende von Büchern.

Das Beste, Klügste, Humanste, das deutsche und internationale Literatur hervorgebracht hatte, ging unter dem Gejohle der SA und einer aufgepeitschten Menschenmenge in Flammen auf.

Wenige Jahre später brannten die Krematorien, Millionen Menschen wurden ermordet, vergast, verbrannt. Das Bündnis Dortmund gegen Rechts erinnert an diese Untat der Faschisten mit einer Musik-, Wort- und Bildcollage.

(Wenn sich das Video nicht darstellt, bitte das Fenster neu laden)

Mehr zum Thema auf nordstadtblogger.de:

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3 Gedanken über “Video-Interview mit Kay Voges: Mit Spiegelwürfeln gegen Neonazis – Rechte Mobilisierungsaktionen in Dortmund

  1. Schauspiel DO

    Einsatz der Spiegelbarrikade am 4. Juni

    Die Spiegelbarrikade des Schauspiel Dortmund und der Künstlergruppe Tools for Action soll am kommenden Samstag, 4. Juni, in Dortmund zum Einsatz kommen, wenn zwischen 500 und 1500 Neonazis in der Stadt sind, um den „Tag der deutschen Zukunft“ zu begehen.

    Tools for Action hat diese Kunstform geschaffen, um der Gesellschaft ein Hilfsmittel zum Widerstand an die Hand zu geben. Seit Anfang Mai hat Tools for Action täglich Workshops in 14 Dortmunder Schulen und am Schauspiel Dortmund abgehalten, in denen über 100 Würfel gebaut wurden. Zusätzlich gab es mehrere Trainings, bei denen Freiwillige lernten, mit den Würfeln verschiedene Formationen zu bauen.

    Das letzte große Training findet am kommenden Donnerstag, 2. Juni, um 18 Uhr an der Katharinentreppe statt. Teilnehmer der Gegendemonstration können sich im Anschluss an dieses Training (ca. 20 Uhr) die Spiegelwürfel im Schauspiel Dortmund bei Tools for Action zur Verwendung am 4. Juni gegen ein Pfand in Höhe von 65 Euro ausleihen. Jedes Würfelpaket enthält sechs Würfel, eine batteriebetriebene Luftpumpe und einen Reparaturkasten.

    Einige der Würfel werden am Samstag an den DGB und an BlockaDo gehen und eingesetzt werden. Treffpunkt für den Demonstrationszug des „Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus“, zu dem auch der DGB gehört, ist das Dortmunder U (11 Uhr). BlockaDo wird erst kurzfristig über die Treffpunkte informieren unter http://www.blockado.info.

  2. Westfalen-Kolleg

    Ein Zeichen gegen Rechts – Studierende des Westfalen-Kollegs bauten „Spiegelbarrikaden“, die den geplanten Naziaufmarsch am 4. Juni durch die Dortmunder Innenstadt behindern sollen

    Courage, Toleranz und Engagement gegen Rassismus haben am Westfalen-Kolleg Dortmund eine lange Tradition und sind somit für die Studierenden und Lehrenden eine Selbstverständlichkeit. Insbesondere als Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage will das Kolleg daher dem Rechtsradikalismus in Dortmund etwas entgegensetzen und beteiligt sich deshalb an einer Aktionsform der Künstlergruppe Tools for Action und des Schauspielhauses Dortmund, um zivilgesellschaftlichen Protest gegen Rechts auszudrücken.
    Im Rahmen dieser Aktionsform haben Studierende des Westfalen-Kollegs, zusammen mit den Künstlern von Tools for Action, am 1. Juni aufblasbare spiegelnde Würfel gebaut, die den geplanten Aufmarsch der Neonazis am 4. Juni behindern und dabei gleichzeitig als Spiegel wirken sollen.
    Nach einem gemeinsamen Gespräch und Austausch über Zivilcourage und Rechtsextremismus haben die Studierenden mit dem Bau der „Spiegelbarrikaden“ unter Anleitung begonnen. Damit am 4. Juni die geplanten Formationen mit den Spiegelbarrikaden gut funktionieren, sei eine entsprechende Übung im Umgang mit den großen Würfeln notwendig, so die Künstlergruppe um den Organisator Artur van Balen. Aus diesem Grund trainierten alle Interessierten mit großer Begeisterung die Handhabung der Skulpturen und studierten die Formationen auf dem Schulhof gewissenhaft ein, so dass sich nach anfänglichen Schwierigkeiten ein sicherer Umgang zeigte und eine beeindruckende Performance ergab. Dies betonte auch van Balen, der zudem die hohe Teilnehmerzahl und das ausgeprägte Engagement der Studierenden in einem Interview mit dem SV-Sprecher des Kollegs positiv hervorgehoben hat.
    Die Veranstaltung reiht sich neben einer Vielzahl weiterer Projekte ein, die die Schulgemeinschaft des Westfalen-Kollegs zur Auseinandersetzung mit der Thematik durchführt und sich dadurch klar nach außen positioniert. Aber auch der normale Unterrichtsalltag und der zwischenmenschliche Umgang sind am Westfalen-Kolleg durch Toleranz und Offenheit geprägt, so dass der Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten sowie insbesondere braunem Gedankengut vehement entgegengetreten wird.

    Das Westfalen-Kolleg Dortmund ist eine Schule des Zweiten Bildungsweges. Das „Abitur nachholen“ kann man hier zwei Mal im Jahr, zum Sommertermin (gemeinsam mit den Gymnasien) und zum Wintertermin, zu dem nur die Kollegs das Abitur abnehmen. Zum neuen Semesterbeginn am 24. August 2016 sind sowohl im Bildungsgang Kolleg als auch in „Abitur-online“ noch Plätze frei.

  3. Schauspiel DO

    Treffen zwischen 9.30 und 10 Uhr vor dem Schauspielhaus

    Der Treffpunkt morgen früh ist zwischen 9:30 Uhr und 10.00 Uhr vor dem Schauspielhaus, Hiltropwall. Von dort werden wir in zwei Gruppen um kurz nach zehn losgehen. Die erste geht zum Dortmunder U um sich dort dem Demonstrationszug Richtung Dorstfeld anzuschließen, organisiert vom u.a. DGB und mehreren Kirchenverbänden. Die zweite geht aller Voraussicht nach zur U-Bahnstation „Hafen“ (U47), um sich dort dem friedlichen Protest von blockaDO anzuschließen.

    Hier nochmal alle Informationen zum morgigen Tag gut sortiert auf einen Blick, mit vielen wichtigen Hinweisen: http://blog.schauspieldortmund.de/neues/wichtig-alle-details-zur-spiegelbarrikade/#more-2861

    Sonne im Herzen und Klarheit im Denken – das wünsche ich uns für den morgigen Tag des Protests, auf den so viele Menschen über Wochen und Monate intensiv hingearbeitet haben. Theater trifft Aktion!

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