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Über 200 AutorInnen des Deutschen PEN-Zentrums tagen vier Tage in Dortmund – OB-Idee: „Stadtschreiber“ gesucht 

Vier Tage treffen sich rund 200 SchriftstellerInnen zur PEN-Jahrestagung in Dortmund. Foto von links: Präsident Josef Haslinger, Heinrich Peuckmann, OB Ullrich Sierau, Geschäftsführerin Claudia C. Krauße, Kurt Eichler, Geschäftsführer Dortmunder Kulturbetriebe. Foto: Joachim vom Brocke

Freuen sich auf die PEN-Jahrestagung in Dortmund: (v.li.) Präsident Josef Haslinger, Heinrich Peuckmann, OB Ullrich Sierau, Geschäftsführerin Claudia C. Krauße, Kurt Eichler, Geschäftsführer Kulturbetriebe. Foto: J.v. Brocke

Von Joachim vom Brocke

Einen Stadtschreiber regte OB Ullrich Sierau beim Präsidenten des Deutschen PEN-Zentrums, Josef Haslinger, an. „Wenn einer der jüngeren Autoren Interesse an Dortmund und die Geschichte der Stadt hat, will ich mich dafür stark machen“, sagte Sierau anlässlich der Vorstellung des Tagungsprogramms – „vorbehaltlich der Zustimmung durch die Gremien“.

Neuer Präsident des Deutschen PEN-Zentrums muss gewählt werden

Stadtschreiber sind Autoren, die befristet ein Stipendium erhalten und während ihrer Zeit hier kostenlos wohnen und arbeiten können. Josef Haslinger freute sich über dieses spontane Angebot und sicherte seine Unterstützung bei der Suche zu.

Unter einem Zitat des Dortmunder Schriftstellers Peter Rühmkorf „Bleib erschütterbar und widersteh“ treffen sich vom Donnerstag, 27. bis Sonntag, 30. April, rund 200 SchriftstellerInnen aus ganz Deutschland in der Stadt. Neben internen Zusammenkünften zur Abwicklung der Regularien gibt es drei öffentliche Veranstaltungen.

PEN

Im Mittelpunkt steht die Wahl eines neuen Präsidenten. Josef Haslinger kandidiert nach vier Jahren nicht mehr für dieses Amt. Tagungsort ist das Dortmunder U, öffentliche Veranstaltungen gibt es u.a. in der Bürgerhalle im Rathaus, im Museum für Kunst und Kulturgeschichte und im Depot an der Immermannstraße.

„Der Klang der Wörter, die Schönheit der Sprache“

Eröffnet wird die Jahrestagung am Donnerstag um 18 Uhr in der Bürgerhalle des Rathauses von OB Ullrich Sierau und PEN-Präsident Josef Haslinger.

Im Anschluss lesen und sprechen unter der Moderation von Stefan Keim die PEN-Autoren Kathrin Aehnlich, Jörg Albrecht und Ulrike Almut Sandig über Lebensentwürfe, die sich nicht allein durch inhaltliche, sondern auch ästhetische Gestaltung auszeichnen. Thema des Abends: „Der Klang der Wörter, die Schönheit der Sprache“.

Wie geht es weiter mit Demokratie und Meinungsfreiheit?

„Writers-in-Exile“ und „Writers-in-Prison“: die beiden international ausgerichteten Programme des deutschen PEN stehen am Freitag, 28. April, ab 19 Uhr im Theater im Depot im Mittelpunkt. Die NRW-Ministerin für Familie, Kinder Kultur und Sport, Christina Kampmann, spricht ein Grußwort. Ursprünglich war Ministerpräsident Hannelore Kraft vorgesehen.

SWR-Redakteur Gerwig Epkes moderiert die Podiumsdiskussion „Gegen (-)Wahlen? Wie geht es weiter mit der Demokratie und Meinungsfreiheit?“ mit OB Ullrich Sierau, dem PEN-Vizepräsidenten Sascha Feuchert, dem belgischen Bestseller-Autor David Van Reybrouck und dem Politologen Peter Widmann. Writers-in-Exile-Beauftragte Franziska Sperr stellt im Anschluss die aktuellen Writers-in-Exile-Stipendiaten des PEN vor.

DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann kommt zur Diskussion in die Rotunde des MKK

Der PEN-Freundeskreis trifft sich am Samstag, 29. April, um 14 Uhr in der Mediathek des Dortmunder U, zu dem Interessierte willkommen sind. Zur Abschlussveranstaltung „Poetische Schlagwetter – Literatur und Arbeit“ werden am Sonntag, 30. April, ab 11 Uhr in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann, der Schriftsteller und Filmemacher Jean-Paul Dekiss sowie PEN-Autorin Kerstin Hensel diskutieren.

Leiharbeit, Zeitarbeit, Homeoffice, Scheinselbständigkeit, Arbeitslosigkeit – alles Schlagwörter zur neuen Arbeitswelt, hinter denen sich Schicksale verbergen. Darüber hinaus stellt Herausgeber und PEN-Mitglied Heinrich Peuckmann die Anthologie „Literatur und Arbeit“ vor.

Der Heimische Autor Heinrich Peuckmann machte sich für Dortmund stark

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Dem Dortmunder/Kamener Schriftsteller Heinrich Peuckmann ist es zu verdanken, dass die PEN-Jahrestagung in Dortmund stattfindet. Das PEN-Zentrum ist eine der weltweit über 140 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International vereint sind.

Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayist, Novelists. Der PEN wurde 1921 in England als literarischer Freundeskreis gegründet. Schnell hat er sich über die Länder der Erde ausgebreitet und sich als Anwalt es freien Wortes etabliert. Er gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

Intensiver Einsatz für die Völkerverständigung

Besorgt zeigte sich PEN-Präsident Haslinger über die „Meinungsfreiheit, die in die hohem Maße auch in Europa und sogar in Deutschland bedroht“ sei. Dazu gehöre die hohe Anzahl von antidemokratischen Ja-Stimmen aus Dortmund beim stattgefundenen türkischen Verfassungsreferendum.

Bei PEN habe sich ein Netzwerk gebildet, dessen Mitglieder sich um die Türkei kümmern. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Meinungsfreiheit wieder herzustellen“, sagte Haslinger. Still geworden sei es in den letzten Jahren mit Literatur aus der Arbeitswelt.

Mit diesem Thema wollen sich die Autoren in einer Nachschau am Sonntag befassen. Zudem setzt sich das deutsche PEN-Zentrum intensiv für die Völkerverständigung und für das freie Wort ein.

Neues Buch „Schichtwechsel“ wird in Dortmund vorgestellt

Die Wahl von Dortmund als Austragung der PEN-Jahrestagung bezeichnete OB Ullrich Sierau „als Auszeichnung“. Heinrich Peuckmann, der sich als Beiratsmitglied im Vorstand des PEN-Zentrums für Dortmund als Tagungsort stark gemacht hat, sieht Dortmund als eine spannende Stadt. Der Strukturwandel soll durch einige Rundfahrten verdeutlicht werden.

Rechtzeitig zur Tagung des PEN-Zentrums erscheint ein von Heinrich Peuckmann und Gerd Puls herausgegebenes Buch „Schichtwechsel“, in dem elf prominente Autoren Erzählungen mit großer inhaltlicher Breite und in sprachlicher Vielfalt geschrieben haben und darin zeigen, dass das Thema Arbeit spannend, anrührend oder auch schockierend ist.

Mehr Informationen:

  • Die PEN-Jahrestagung wird gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, dem Kulturbüro der Stadt und unterstützt vom Dortmunder U, der Fritz-Hüser-Gesellschaft sowie dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte. 
  • Der Eintritt zu den Veranstaltungen am Donnerstag (Bürgerhalle, Rathaus), Freitag (Theater im Depot) und Sonntag (Rotunde im MKK) ist frei.
  • www.pen-deutschland.de
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