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Trotz großer Nachfrage: Die Stadt Dortmund hat auch künftig attraktive Flächen für die Ansiedlung von Unternehmen 

Kaum wiederzukennen - so sahen Phoenix-Ost und Phoenix-West vor gut zehn Jahren aus. Foto: Alex Völkel

Kaum wiederzukennen – so sahen Phoenix-Ost und Phoenix-West vor gut zwölf Jahren aus. Foto: Alex Völkel

Dortmund punktet in den letzten Jahren mit zahlreichen großen und kleinen Unternehmensansiedlungen. In den letzten zehn Jahren wurden insgesamt 163,7 Hektar Wirtschaftsflächen vermarktet, davon alleine 45 Hektar im Jahr 2016. Logistikansiedlungen auf der Westfalenhütte in der Nordstadt und im Gewerbegebiet Gneisenau, Ansiedlungen auf Phoenix-West und am See sowie zahlreiche Investitionen im gesamten Stadtgebiet haben maßgeblich dazu beigetragen.

„Nicht-störendes Gewerbe“: Sogenannte „City-Factorys“ können stadtnäher stattfinden

„Das große Interesse an Wirtschaftsflächen in Dortmund zeigt, dass unser Flächenangebot den Anforderungen von Unternehmen und Investoren auf nationaler sowie internationaler Ebene entspricht. Mit der Entwicklung weiterer Dortmunder Wirtschaftsflächen wollen wir auch zukünftig attraktiven Boden für die Ansiedlung von Unternehmen und Arbeitsplätzen bieten“, so Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund.

Häufig werden nicht mehr klassische Gewerbegebiete, sondern Mischungsverhältnisse gefordert, also Büros, Labore und Kleinserienproduktionen – sogenanntes „nicht-störendes Gewerbe“. „Solche City-Factorys können stadtnäher stattfinden. Die Smart Factory von Wilo ist ein gutes Beispiel“, betont Westphal. „Das wird harmonischer funktionieren, als man sich das früher gedacht hat. Aber das war auch ein anderes Arbeiten.“

Durch das große Interesse werden vor allem Industrieflächen knapp. Trotz zielgerichteter Entwicklungsplanung sei der Schutz des Freiraumes weiterhin von großer Bedeutung. Mit dem Thema der Wirtschaftsflächenentwicklung befasste sich daher auch der Verwaltungsvorstand.

Stadt Dortmund hat noch 246 Hektar Angebots- und Potentialflächen

Auf Phoenix-West, der Westfalenhütte oder auch dem ehemaligen Kraftwerk Knepper stünden noch große Flächen zur Verfügung, verdeutlicht OB Ullrich Sierau. Aktuell stehen im Stadtgebiet 246 Hektar Angebots- und Potentialflächen zur Verfügung. Davon sind jedoch nur 56 Hektar kurzfristig vermarktbar. Die restlichen 190 Hektar unterliegen Restriktionen und können daher nur mittel- bis langfristig genutzt werden.

„Um weitere Wirtschaftsflächen in die Struktur unserer Stadt zu integrieren, ist es von Bedeutung, insbesondere Altflächen für die Vermarktung zu entwickeln“, sagt Ludger Wilde, Beigeordneter für Umwelt, Planen und Wohnen der Stadt Dortmund. Deshalb wird noch stärker als bisher auf eine qualitative Flächenentwicklung gesetzt.

Die Westfalenhütte ist wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Archivbild: Alex Völkel

Das Areal der Westfalenhütte ist wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Archivbild: Alex Völkel

Oberstes Ziel: Keine Logistikansiedlungen auf der „grünen Wiese“ mehr

Folgende Entwicklungsziele werden dabei verfolgt: Der Abbau von Restriktionen auf Altflächen, um diese dem Markt zur Verfügung stellen zu können. Um den Freiraum vor Flächeninanspruchnahme zu schützen, sollen Logistikstandorte ausschließlich auf Altflächen realisiert werden.

Bevor im „Grünen“ neue Flächen Baurecht erhalten, soll vorab eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. Ziel ist die Abschätzung der Wirtschaftlichkeit einer Flächenentwicklung. Dazu werden die wesentlichen inhaltlichen Aspekte, die für eine Flächenentwicklung von Bedeutung sind, erfasst und auch monetär bewertet.

Die Flächen Groppenbruch und Werner Hellweg sollen als langfristiges Flächenentwicklungspotential gesichert werden. Im Stadtbezirk Brackel hingegen wird geprüft, ob die Gewerbeflächen Asseln-Süd und Buddenacker, die aus städtebaulicher Sicht sowie aus Gründen des Bodenschutzes für eine Flächeninanspruchnahme eher ungeeignet sind, zugunsten einer Gewerbeflächenentwicklung im Bereich Osterschleppweg aufgegeben werden sollen.

Fakten zu Dortmunder Wirtschaftsflächen:

  • Sechs Prozent des Stadtgebiets (1.763,3 Hektar) werden gewerblich / industriell genutzt
  • Ein Prozent des Stadtgebietes (246 Hektar) stehen als Angebots- und Potentialflächen aktuell zur Verfügung. Davon können 56 Hektar (26 Prozent) kurzfristig vermarktet werden.
  • Die restlichen 190 Hektar (77 Prozent) sind mit Restriktionen belastet und somit nur schwer vermarktbar.

Restriktionen sind z.B.:

  • Aufbereitung der Grundstücke (Altlasten, Rückbau, Baugrund)
  • fehlende oder unzureichende Erschließung und/oder Infrastruktur
  • eingeschränkte Nutzbarkeit
  •  Eigentumsverhältnisse

Bei der aktuellen Nachfragesituation haben die kurzfristig verfügbaren Angebotsflächen noch folgende Reichweiten:

    • zwei  Jahre bei Industrieflächen
    • sieben Jahre bei Gewerbeflächen
    • neun Jahre bei den Sondergebieten für Technologie

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Ein Gedanke zu “Trotz großer Nachfrage: Die Stadt Dortmund hat auch künftig attraktive Flächen für die Ansiedlung von Unternehmen 

  1. Grünen-Fraktion Beitrags Autor

    GRÜNE: Altflächen aufarbeiten, statt Freiflächen verbrauchen

    Die geplante Ausweisung der Freiflächen am Buddenacker und im Südosten von Asseln als Ackerflächen ist für die GRÜNEN im Rat eine erfreuliche Nachricht. Sie hatten immer wieder für die Aufgabe der Pläne der Wirtschaftsförderung zur Gewerbeansiedlung auf diesen Freiflächen gekämpft. Aus GRÜNER Sicht sollten aber auch weitere Freiflächen nicht mehr als Potenzialfläche für Gewerbegebiete ausgewiesen werden.

    Ingrid Reuter, Fraktionssprecherin der GRÜNEN: „Es besteht weiterhin keine Notwendigkeit, den Osterschleppweg als Bereich für gewerbliche und industrielle Nutzungen auszuweisen oder das Bebauungsplanverfahren für den Buddenacker weiterzuführen. Auch die Einstufung des Groppenbruch als regionaler Kooperationsstandort lehnen wir ab – denn all diese Flächen sind ökologisch viel zu wertvoll, um sie als Gewerbeflächen zu nutzen. Leider gab es dafür keine Mehrheit im Rat. Wir hoffen, dass aber zumindest auch beim Osterschleppweg das anstehende Gutachten den Wert des Bodens belegt.

    In den letzten zehn Jahren wurden im Schnitt lediglich 16 ha Gewerbefläche jährlich in Dortmund benötigt. Dafür haben wir genügend Reserven – auch ohne wertvolle Böden vernichten zu müssen. So ist zum Beispiel noch längst nicht die gesamte Fläche der Hoesch-Sinteranlage vermarktet. Hinzu kommt jetzt zudem die frei gewordene Fläche des ehemaligen HSP-Geländes und das ehemalige Knepper-Gelände.“

    Aktuell gibt es im Stadtgebiet Dortmund 246 ha Angebots- und Potenzialflächen. Davon können 56 ha kurzfristig direkt vermarktet werden. Bei den restlichen 190 ha handelt es sich in der Regel um Industriebrachen, deren Verwertung nach umfassenden Aufbereitungs- und/oder Erschließungsmaßnahmen möglich ist.

    Martina Stackelbeck, GRÜNES Mitglied im Wirtschaftsausschuss: „Diese Altflächen müssen aus unserer Sicht jetzt vorrangig in Angriff genommen werden. Neben der dafür vom Land vorgesehenen Unterstützung sollte hierfür auch konsequent das Verursacher-Prinzip angewandt werden. Damit stünden für eine zukunftsweisende Gewerbe- und Industrieentwicklung in Dortmund und in der Region – und damit ist nicht die Logistikbranche gemeint, die viel Platz braucht und am Ende wenig qualifizierte Arbeitsplätze schafft -– ausreichend Wirtschaftsflächen zur Verfügung.

    Die Suche nach alternativen Freiflächen für Gewerbeansiedlung sehen wir kritisch. Für uns ist der Freiflächenschutz ein wichtiger Faktor in der Stadtentwicklung. Bei der Ausweisung weiterer Gewerbegebiete sollte deshalb deutlich stärker überregional gedacht werden. Die interkommunale Zusammenarbeit in der Gewerbeflächenplanung ist eine zukunftsweisende Aufgabe.

    Die gesamte Industrieregion Ruhr verfügt über reichlich Brachflächen. Ihre Nutzung ist ein wichtiger Beitrag, um Freiflächenverbrauch einzudämmen und Pflanzen, Tiere und Landwirtschaft für die nachfolgenden Generationen zu schützen. Der Schutz von Freiflächen ist auch möglich, ohne die Ansiedlung neuer Unternehmen und eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der Region zu behindern.“

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