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Synode: Ev. Kirchenkreis beklagt „dramatische Unterfinanzierung“ bei Kitas und Offenen Ganztagsschulen

Superintendent Ulf Schlueter leitete die Synode. Fotos: Stephan Schuetze

Superintendent Ulf Schlüter leitete die Synode im Werkssaal in Dortmund. Fotos: Stephan Schuetze

Eine „dramatische Unterfinanzierung“ gibt es im Bereich der Kindertageseinrichtungen und der Offenen Ganztagsschule (OGS). Mit deutlichen Worten schilderte Jochen Schade-Homann auf der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund die Situation der Kindertageseinrichtungen und der OGS. Schade-Homann ist Leiter des Fachbereichs Jugend und Erziehung im Evangelischen Kirchenkreis. Dessen Synode, das Parlament der Evangelischen Kirche in Dortmund, Lünen und Selm, tagte am Montag (27. November).

Evangelischer Kirchenkreis gibt mehr als zwei Millionen Euro aus Kirchensteuer dazu

Neue Kindertagesstätte der Evangelischen Kirche wird an der Oesterholzstraße eingerichtet. Im Erdgeschoss des alten Hauses läuft ab August der Betrieb. Pfarrer Jochen Schade-Homann

Jochen Schade-Homann ist Leiter des Fachbereichs Jugend und Erziehung. Archivfoto: Klaus Hartmann

Mehr als zwei Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln gibt der Kirchenkreis für seine Kindertageseinrichtungen aus. Schade-Homann beklagte, dass die unzureichende Finanzierung durch das Land zu einer Personalausstattung führt, „die im Kita-Bereich gerade an die vorgeschriebene Mindestbesetzung heranreicht und im OGS-Bereich kaum auskömmlich ist.“

Wegen struktureller Unterfinanzierung durch das Kinderbildungsgesetz muss der Kirchenkreis für das Kindergartenjahr 2016/17 zusätzliche 290.000 Euro aufbringen, um das Defizit auszugleichen. Trotz Sonderförderung der Städte und zusätzlicher Pauschalen drohe seit Jahren „der finanzielle Kollaps für die Kindertageseinrichtungen.“ Auch das neu verabschiedete Gesetz zur Rettung der Trägervielfalt von Kindertageseinrichtungen würde die schwierige Lage nur abmildern.

Schade-Homann kündigte an: „Die Freie Wohlfahrtspflege wird sowohl für die Kindertageseinrichtungen als auch für den Offenen Ganztag mit der Landesregierung NRW Gespräche und Verhandlungen über eine auskömmliche Finanzierung führen.“ Der Kirchenkreis ist Träger von 56 Kitas mit über 600 Mitarbeitenden und mehr als 4.000 Plätzen.

Kirchenkreis rechnet weiterhin mit rund 28 Millionen Euro aus der Kirchensteuer

Finanziell ist der Kirchenkreis „im Grundsatz aktuell gut aufgestellt, jedoch nur mit den gebildeten Rücklagen“, so die positive Nachricht von David Böhm, stellvertretender Verwaltungsleiter. Er geht auch davon aus, dass das bis 2021 so bleiben wird.

Im Einzelnen: für dieses Jahr rechnet der Kirchenkreis damit, dass im Vergleich zu 2016 die Einnahmen aus den Kirchensteuern mit rund 28 Millionen Euro stabil bleiben werden. Im nächsten Jahr sollen es, so die aktuelle Prognose, circa 27 Millionen werden. Dennoch warnte Böhm davor, sich entspannt zurückzulehnen.

„Die Höhe oder besser die Steigerung der Kirchensteuer ist sehr trügerisch, da diese insbesondere auf der in den letzten Jahren stetig gewachsenen Wirtschaftsleistung beruht.“ Denn aufgrund der mittelfristigen Prognosen wird, so befürchtet der Kirchenkreis, das Kirchensteueraufkommen zurückgehen.

„Ev. Zentrum für Hospiz- und Palliative Versorgung und Trauerbegleitung“ im Aufbau

Für Superintendent Ulf Schlüter wird das ein wegweisendes Projekt.

Für Superintendent Ulf Schlüter wird das neue Zentrum in der Arndststraße ein wegweisendes Projekt.

„Ein wegweisendes Projekt“ soll es werden, so Superintendent Ulf Schlüter. Denn die Synode hat die Einrichtung einer neuen Pfarrstelle für das im Aufbau befindliche „Evangelische Zentrum für Hospiz- und Palliative Versorgung und Trauerbegleitung“ beschlossen.

Träger des Zentrums, das seinen Platz in der Arndtstraße finden soll, ist das Diakonische Werk, die Diakonische Pflege und Bethel regional. In der neuen Anlaufstelle sollen schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen eine fachlich kompetente und evangelisch verantwortete Beratung und Begleitung finden.

„Die neue Pfarrstelle kann und muss sehr viel leisten“, findet Pfarrer Matthias Mißfeldt, der zuständige Fachbereichsleiter im Evangelischen Kirchenkreis. Bei ihr geht es um seelsorgerliche Begleitung von schwer- und todkranken Menschen.

Investigativ-Journalist Hans Leyendecker auf der Synode zu Gast

Als Gast konnte die Kreissynode den Journalisten Hans Leyendecker begrüßen. Leyendecker, Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, ist sicher, dass der Kirchentag 2019 in Dortmund „die Stadt verzaubern“ wird. Bei ihm werde es um die Themen „mehr Gerechtigkeit, weniger Gewalt und Bewahrung der Schöpfung“ gehen.

Über Armut, Reichtum, richtiges Wirtschaften und Nachhaltigkeit soll vom 19. bis 23. Juni 2019 gesprochen werden. Erwartet werden dann 80.000 bis 100.000 Gäste.

Zu Vertretern des Kirchenkreises im Landesausschuss Westfalen des Deutschen Ev. Kirchentags benannte die Synode Pfarrer Christian Höfener-Wolf von der Elias-Kirchengemeinde und Ökumenereferent Dirk Loose.

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