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Der Streit mit dem Personal im Dietrich-Keuning-Haus ist eskaliert: Der Rat beruft Viktor Kidess als DKH-Leiter ab

Das Dietrich-Keuning-Haus ist das Stadtteil-, Jugend- und Kulturzentrum der Nordstadt.

Das Dietrich-Keuning-Haus ist das Stadtteil-, Jugend- und Kulturzentrum der Nordstadt.

Für viele Ratsmitglieder war es ein Paukenschlag und eine Überraschung, für die meisten Beschäftigten des Dietrich-Keuning-Hauses (DKH) offenbar eine Erleichterung und Genugtuung: Der Rat hat den bisherigen Leiter des DKH, Viktor Kidess, in nicht-öffentlicher Sitzung von seiner Aufgabe abberufen. Vorausgegangen waren massive Zerwürfnisse zwischen dem 2015 als Leiter berufenen Kidess und großen Teilen seiner Mitarbeiterschaft.

Viktor Kidess war erst im Mai 2015 als DKH-Leiter berufen worden

Kidess, früherer Leiter des Wilhelm-Hansmann-Hauses, war im Mai 2015 als neuer Chef des Kultur- und Stadtteilzentrums der Nordstadt ernannt worden. Ihm zur Seite gestellt wurde Levent Arslan als neuer Programmchef und stellvertretender Leiter des Hauses.

Es waren schwierige Zeiten für das Team: Im September 2014 war die langjährige Leiterin des Hauses nach 35 Jahren Dienst im DKH in Ruhestand gegangen. Ihr Nachfolger wurde ihr Wunschkandidat – ihr langjährige Stellvertreter und Programmleiter Gernot Rehberg. Der schied allerdings im Dezember 2014 völlig unvermittelt für das Team aus dem Leben.

Daher hoffte man nun im Sommer 2015 auf einen harmonischen Neuanfang. Doch von Anfang an soll es atmosphärische Störungen zwischen dem neuen Chef und seinen MitarbeiterInnen gegeben haben. Im September 2016 wendeten sich mehrere Beschäftigte an Stadtdirektor Jörg Stüdemann – zugleich Kultur- und Personaldezernent – und beklagten das „autoritäre und widersprüchliche Führungsverhalten“.

Stüdemann zog im März die Notbremse und versetzte Kidess ins Jugendamt

Viktor Kidess (links) und Levent Arslan bilden das neue Führungsduo im Dietrich-Keuning-Haus.

Beim Start gab es strahlende Gesicher: Jörg Stüdemann, Viktor Kidess  und Levent Arslan. Fotos: Alex Völkel

Das Einschalten einer Mediatorin half nichts, der Streit eskalierte weiter. Jörg Stüdemann sah sich genötigt, Kidess im Haus abzuziehen und versetzte ihn Ende März formal ins Jugendamt.

Ob er dort jemals anfangen wird – derzeit ist er arbeitsunfähig geschrieben – ist fraglich. Denn Viktor Kidess hat die Stadt verklagt und will zu „unveränderten Bedingungen“ im DKH weiterbeschäftigt werden.

In einem sechsseitigen Schreiben seiner Anwältin, welches er mehreren Ratsmitgliedern im Vorfeld der nicht-öffentlichen Ratssitzung zugänglich gemacht hatte, beklagt Kidess, dass Beschäftigte von Anfang an „Probleme gehabt haben, ihn als Vorgesetzten zu akzeptieren“.

Der geschasste Chef erhebt selbst schwere Vorwürfe und klagt gegen die Stadt

Der geschasste Chef erhebt selbst schwere Vorwürfe – auch ein Mobbing-Verdacht steht im Raum. Außerdem verweist er auf die aus seiner Sicht erfolgreiche Arbeit und die angestoßenen Veränderungen. Wegen des schwebenden Verfahren wollen jedoch weder Kidess noch Stüdemann öffentlich Stellung dazu nehmen.

Es war allerdings nicht der erste Streit um die Person Viktor Kidess: Auch im Wilhelm-Hansmann-Haus kam es zu Problemen, so dass er dort die Leitung abgab und vorübergehend ins Sozialamt wechselte, wo er bis Mai 2015 einige Monate lang Qualitätsbeauftragter für Flüchtlingsunterkünfte war. Anschließend nutzte er die Chance, auf den Chefsessel im Keuning-Haus zu wechseln.

Vor allem seine bisherige Führungserfahrung im Wilhelm-Hansmann-Haus  – der größten städtischen Seniorentageseinrichtung – gaben wohl im internen Auswahlverfahren den Ausschlag für die Berufung von Kidess als neuem Chef in der großen Nordstadt-Einrichtung. Er hatte sich seinerzeit gegen vier MitbewerberInnen durchgesetzt.

Bereits im Wilhelm-Hansmann-Haus soll es zu Problemen gekommen sein

Dass aber genau dieses Führungsverhalten bereits an früherer Stelle im Zuständigkeitsbereich des Sozialamtes in Frage gestellt worden war, hatte sich offenbar nicht bis zu den Kulturbetrieben herumgesprochen.

Das ist nun anders: Der Rat hat Kidess deshalb auch von seinem Posten als Mitglied der Geschäftsleitung der städtischen Kulturbetriebe abgerufen, die mit der Leitungsfunktion im DKH einher geht.

Im Haus selbst ist vorübergehend Ruhe eingekehrt. Die Leitung des Hauses hat kommissarisch der bisherige Vize Levent Arslan übernommen. Er hatte auch in der Zeit von Kidess die Leitung des Hauses für mehr als ein halbes Jahr ausgeübt, als dieser gesundheitsbedingt ausgefallen war. Damals lief es ebenfalls relativ harmonisch. Wie es perspektivisch weitergeht, wird sich zeigen.

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Ein Gedanke zu “Der Streit mit dem Personal im Dietrich-Keuning-Haus ist eskaliert: Der Rat beruft Viktor Kidess als DKH-Leiter ab

  1. David Grade Beitrags Autor

    Da Herr Kidess die treibende Kraft hinter dem Zaun am DKH war, ist jetzt vielleicht auf breiterer politischer Ebene eine Neubewertung der Einzäunung möglich. Mit dem Zaun waren und sind viele Mitarbeiter des DKHs unglücklich und die vergangenen Monate haben gezeigt, wie sehr er als Barriere zwischen Nordstadt und Innenstadt stört.

    Als wichtigstes bleibt festzuhalten: Auch in der schwierigen Zeit haben die MitarbeiterInnen des DKHs hervorragende Arbeit für die Nordstadt und weit darüber hinaus geleistet. Geholfen hat dabei auch das smarte und ausgleichende Handeln von Levent Arslan. Da ist es nur gerecht Danke zu sagen.
    Danke Leute für eure tolle Arbeit 🙂
    David Grade

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