Nordstadtblogger

Startschuss für den millionenschweren Umbau im Hafen: Kanalbau an der Speicherstraße als erster Schritt

Mit den Kanal- und Straßenbauarbeiten beginnt der Umbau der Speicherstraße.

Mit den Kanal- und Straßenbauarbeiten beginnt der Umbau der Speicherstraße. Fotos: Alex Völkel

Baubeginn am Hafen: Mit der Erneuerung des Mischwasserkanals auf 290 Metern startet der seit 15 Jahren erwartete Umbau bzw. die Entwicklung der Speicherstraße. In mehreren Abschnitten soll dort ein neues Quartier zum Arbeiten und Ausgehen entstehen. Zwischen 4000 und 5000 neuen Arbeitsplätzen rechnet dort die Stadt, die sich auch selbst mit millionenschweren Investitionen beteiligen will.

Bauarbeiten für die Kanal- und Straßenerneuerung haben begonnen

Das Kopfsteinpflaster in der südlichen Speicherstraße soll erhalten bleiben.

Das Kopfsteinpflaster in der südlichen Speicherstraße soll erhalten bleiben.

Bei einem Ortstermin erinnert OB Ullrich Sierau an die nahezu unendliche Geschichte um die Planungen und nicht realisierten Versprechungen von diversen Investoren, eine Eventmeile am Stadthafen zu schaffen.

Von den hochfliegenden Plänen wurde bis auf die beliebte Strandbar „Solendo“ – ebenfalls längst Geschichte – nichts realisiert. Die „Docklands Dortmund“ blieben eine Luftnummer.

Nun versucht die Stadt es selbst und geht dabei deutlich kleinteiliger vor. Gemeinsames Ziel von Stadt und Hafen AG ist es, den Bereich der Speicherstraße völlig neu zu entwickeln. Dabei soll vor allem im südlichen Bereich – zwischen Santa-Monika-Anleger und der Hafenverwaltung, der industrielle Hafen-Charme erhalten bleiben, so Sierau.

Selbst das Kopfsteinpflaster soll bleiben. Doch wird es während der rund fünf Monate andauernden Kanalbauarbeiten eingelagert und anschließend neu verlegt – allerdings mit einer lärmschutzfreundlichen Fahrstraße.

GründungsCampus als große öffentliche Investition in der südlichen Speicherstraße

In dem Speichergebäude soll der GründungsCampus entstehen.

In dem Speichergebäude soll der Gründungs-Campus entstehen.

Die Arbeiten sind dringend notwendig: „Kein einziges WC zusätzlich“ könne der alte Kanal vertragen. Anschließend könnten die ersten Bauarbeiten an den Gebäude beginnen.

Die Stadt selbst will dort den neuen Gründungs-Campus entstehen lassen, der auch das Gründerinnenzentrum integrieren soll. In diesem Jahr laufen die Machbarkeitsprüfungen.

Der Umbau im Bestand ist aufwändig und kostenintensiv. „Wir müssen daher die Machbarkeit und die wirtschaftliche Tragfähigkeit prüfen“, erklärte Wirtschaftsförderer Thomas Westphal.

Sollten sich die Pläne als realisierbar erweisen, könnte hier im kommenden Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Startschuss für den Umbau fällt durch den „Heimathafen Dortmund“

In diesem Gebäude in der Speicherstraße (Rückansicht) soll das Projekt Heimathafen angesiedelt werden. Foto: BDA

In diesem Gebäude in der Speicherstraße (Rückansicht) soll das Projekt Heimathafen angesiedelt werden. Foto: BDA

Ebenfalls klar ist der Umbau im Gebäude gegenüber: Hier wird der „Heimathafen Dortmund“ entstehen. Das Projekt mit Kosten in Höhe von 3,7 Millionen Euro läutet den Startschuss in die Hafenentwicklung ein. Es ist vorgesehen, eine Immobilie, die lange leer gestanden hat, zu ertüchtigen und einer neuen Nutzung zuzuführen. Beratung, Bildung, Qualifizierung und Kultur finden unter einem Dach zusammen.

Träger der Maßnahme ist die Stiftung Soziale Stadt, die durch den Bund deutscher Architekten (BDA Dortmund) mit großem ehrenamtlichem Engagement unterstützt und beraten wird. Die Nutzungen reichen von Kulturtrainings, Musikschule, sozialer Beratung, Qualifizierungs-, Sprach-/Integrationskursen, Weiterbildungsveranstaltungen, Ausbildungs-/Jobcoaching, Arbeitsvermittlung und -beschaffung.

Mit einer Lernküche im Erdgeschoss entsteht eine erste Einrichtung zur Gastronomie in der Speicherstraße, die einen echten Mehrwert im Hafenquartier verspricht. Auch Veranstaltungen sind in den Räumlichkeiten geplant.

Platz für unterschiedliche Gastronomie-Konzepte und gewerbliche Nutzungen

Mit dem Kanalbau beginnt der Umbau an Stadt- und Schmiedinghafen.

Mit dem Kanalbau beginnt der Umbau an Stadt- und Schmiedinghafen.

Gastronomie soll in verschiedenen Gebäuden entstehen, so auch im Gründungs-Campus. Auch Außengastronomie soll entstehen. Dafür sind ebenfalls Flächen vorgesehen. Mehr als drei Millionen Euro schießt das Land für die Umbauten und die Attraktivierung im öffentlichen Raum bei.

Doch wesentlich höhere Investitionen erwarten die Planer von privaten Investoren. So könnte direkt am Santa-Monika-Anleger – gegenüber des ebenfalls erhaltenswerten Schenker-Gebäudes – ein bis zu siebengeschossiger Büroneubau entstehen.

Wieviele der alten und teils stark sanierungsbedürftigen (oder auch abrissreifen) Gebäude letztendlich auf der Südseite der Speicherstraße stehen bleiben, ist völlig offen und hängt von den Investoren ab.

Keine Hindernisse durch Denkmalschutz in der Speicherstraße

Mit dieser Ansicht der südlichen Speicherstraße wirbt die Stadt um Investoren. Entwurf: Post-Welters-Architekten

Mit dieser Ansicht der südlichen Speicherstraße wirbt die Stadt um Investoren. Entwurf: Post-Welters-Architekten

Keines der Gebäude steht unter Denkmalschutz: „Es muss sich zeigen, ob sich dafür Liebhaber finden“, so Westphal. Denn ein Erhalt und Umbau dürfte deutlich teurer werden als Abriss und Neubau.

Doch klar ist: Selbst wenn es Neubauten werden – es soll eine Gestaltungsrichtlinie geben, die den Charme der Speicherstraße erhält. Um den Investoren einen Anreiz zu geben, rückt der Hafen von seiner jahrzehntelangen Geschäftspraxis ab und wird erstmals auch Flächen verkaufen, statt diese „nur“ zu verpachten.

Hafenchef Uwe Büscher setzt daher auf die „Gründerzeit“ im Hafen und das Ende von erfolglosen Modellen der Entwicklung in der Speicherstraße. Er kündigte an, dass bereits in einem Jahr auch im Bereich der nördlichen Speicherstraße die Kanalarbeiten beginnen sollten.

Dort wird es wesentlich größere Veränderungen geben. Straße und Kanal werden nicht nur erneuert, sondern auch verlegt, um mehr Platz für Gebäude zu schaffen. Denn an der „Wasserkante“ soll Dortmunds neue Flaniermeile entstehen. Doch bevor hier neue Nutzung wie an anderen Stadthäfen Einzug hält, werden zunächst die Abrissbagger rollen.
Mehr zum Thema auf nordstadtblogger.de:

Hafen AG und Gerber-Architekten legen ihre Visionen für die Speicherstraße vor – Hafenpromenade und 4000 Arbeitsplätze

Weiterer Planungsvorschlag: Zwei „Port-Tower“ im Hafen Dortmund könnten Raum für bis zu 1800 Arbeitsplätze bieten

Entmietung bis Ende 2017: Hafen-AG möchte eine großflächige Neuentwicklung des Areals an der östlichen Speicherstraße

Nordstadt: CDU-Fraktion begrüßt Entwicklungskonzepte rund um die Speicherstraße ohne Wohnbebauung im Hafen

Neues Hafenquartier entlang der Speicherstraße: In der Nordstadt soll ein neues Tor zur Stadt Dortmund entstehen

Statt großer Träume von „Docklands Dortmund“ kommt nun eine kleinteilige Entwicklung der Speicherstraße im Hafen

Optimaler Start in die Selbstständigkeit: Neuer GründungsCampus soll in der Nordstadt entstehen

Nordstadt: „Es ist schön, dass es hier so unfertig ist“ – Softwareentwickler siedelt sich in der Speicherstraße an

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) besucht Dortmund: Die Nordstadt stand dabei besonders im Fokus

 

3 Gedanken über “Startschuss für den millionenschweren Umbau im Hafen: Kanalbau an der Speicherstraße als erster Schritt

  1. Jusos Dortmund

    „Ein guter Tag für Dortmund“ – Jusos Dortmund freuen sich über den Startschuss für den Umbau Quartier Speicherstraße

    Durch das offizielle Startsignal für den Umbau der Speicherstraße durch Oberbürgermeister Ullrich Sierau am 18.04.2017 kann es nun endlich losgehen – der lang ersehnte und von den Jusos Dortmund über Jahre geforderte Umbau der Speicherstraße im Dortmunder Hafen hin zu einem digitalen und urbanen Gründungszentrum wird Realität.

    „Wir freuen uns natürlich enorm darüber, dass im Dortmunder Hafen nun endlich das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum für junge Leute entsteht, welches wir schon so lange bewerben und in einer Vielzahl von Treffen an die städtische Verwaltung herangetragen haben“, so der stellvertretende Vorsitzende der Jusos Dortmund Nils Knoben.

    Bei der Auswahl der Speicherstraße sehen die Jusos vor allem Vorteile bei den weichen Standortfaktoren, welche im Bereich um den Hafen besonders günstig für die Etablierung einer Gründerszene sind. „Das soziale Milieu im Umfeld der Speicherstraße und des Hafens ist der Gründung neuer Gastronomien und kultureller Einrichtungen absolut offen eingestellt. Hier kann etwas entstehen, was Dortmund auf Jahre attraktiv für junge Leute macht und so für das Ansehen sorgt, welches Dortmund verdient“, so Knoben weiter.

    Trotz der positiven Entwicklung kritisieren die Jusos, dass sich die Wirtschaftsförderung und die städtische Verwaltung viel zu lange schwer getan haben, das große Potential des Standorts Hafen zu erkennen. Das Thema Speicherstraße, welches die Jusos nun schon lange bewegt und umtrieben hat, scheint zumindest jetzt ein positives Ende zu finden.

    Dennoch ist die Arbeit noch lange nicht am Ende: „Heute ist sicherlich ein guter Tag für Dortmund. Dennoch müssen weiterhin alle darauf achten, dass die Speicherstraße letztendlich das wird, was sie werden soll: Dortmund Zentrum für junge Gründerinnen und Gründer und ein Teil des pulsierenden, attraktiven Dortmunds.“

    1. Auswärtsspiel

      Beim genauen Hinsehen passiert in der Speicherstraße kaum mehr als die Erneuerung von Teilen der Kanalisation. Diese könnte auch ohne die erhofften, oberirdischen Baumaßnahmen erforderlich sein. Das schon als Vorbote für ein neues, urbanes Stadtquartier zu werten, ist verfrüht. Ein lebendiges Kreativquartier passt nicht in die Normen und Regeln der Wirtschaftsförderung, der Hafen AG und einer Mehrheit in der Bezirksvertretung, denen es vor allem darum geht, die traditionellen, „schmutzigen“ Arbeitsplätze im Hafen vor Veränderungen zu schützen. Es müsste ein anderer, experimenteller „Geist“ her, wenn am Hafen nicht nur eine öde Mini-Dependance des Technologieparks entstehen sollte.

  2. Grünen-Fraktion

    GRÜNE: Interkulturelles Wirtschaftszentrum soll ethnische Wirtschaft weiter stärken

    In den neuen Gründungscampus in der Speicherstraße am Hafen soll auch ein Interkulturelles Wirtschaftszentrum einziehen. Damit soll dafür gesorgt werden, dass vor allem Menschen mit Migrationshintergrund eine auf ihre besondere Situation zugeschnittene Beratung erhalten. Einen entsprechenden Antrag haben die GRÜNEN im Wirtschaftsausschuss gestellt.

    Martina Stackelbeck, GRÜNES Mitglied im Wirtschaftsausschuss: „Menschen mit Migrationshintergrund die Existenzgründung zu erleichtern, ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Integration. Eine gezielte Unterstützung gründungswilliger Migrant*innen in einem Interkulturellen Wirtschaftszentrum fördert vor allem auch Potenziale, die den Wirtschaftsstandort Dortmund weiter stärken. Migrantinnen und Migranten, die sich selbstständig machen oder ein Unternehmen gründen wollen, haben, im Vergleich zu Personen ohne Migrationshintergrund, spezielle Beratungsbedarfe. Bürokratische Anforderungen stellen für sie oftmals eine höhere Barriere bei der Verwirklichung eines Gründungsvorhabens dar. Zudem laufen gründungswillige Migrant*innen Gefahr, mit Diskriminierung konfrontiert zu werden, was sich zum Beispiel bei der Beschaffung von Startkapital negativ auswirken kann.
    Ein Interkulturelles Wirtschaftszentrum mit einem Schwerpunkt auf Gründungsberatung kann sich konsequent an den spezifischen Bedarfen gründungswilliger Migrant*innen orientieren. Als zentrale Anlaufstelle kann das Zentrum Hilfestellungen bei der Nutzung von Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten oder auch spezifische Beratungs- und Qualifizierungsangebote bieten.

    In Dortmund leben Menschen aus fast 150 Nationen. Schon jetzt gibt es eine Vielzahl von multikulturellen Beratungsangeboten, unter anderem auch für Gründerinnen oder Projekte der ethnischen Ökonomie in der Nordstadt, die allerdings meist nur Projektcharakter haben, das heißt, nicht von Dauer sind. Das Konzept für ein neues Zentrum soll deshalb in Zusammenarbeit mit all denen entwickelt werden, die schon jetzt auf dem Gebiet aktiv sind. Denn ethnische Ökonomie gewinnt zunehmend an Bedeutung und bietet vor allem auch für Dortmund ein großes Wirtschaftspotenzial, das aus stadtökonomischer Sicht gezielt gefördert werden sollte.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.