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SERIE Weihnachten (k)eine Glaubensfrage? Pfarrer Laker: „Ohne Weihnachten wäre unsere Gesellschaft noch kälter“ 

Friedrich Laker teilt sich - gemeinsam mit seiner Frau - die Pfarrstelle in der Pauluskirche. Fotos. Sophia Stahl

Friedrich Laker teilt sich – gemeinsam mit seiner Frau – die Pfarrstelle in der Pauluskirche. Fotos. Sophia Stahl

Von Sophia Stahl

Eine erschreckende Zukunftsvision und ein echtes Pferd –das erleben die KirchenbesucherInnen am Heiligabend in der Pauluskirche. Am 24. Dezember 2017 erwartet die Kirche in der Nordstadt 350 BesucherInnen aus allen Stadtteilen. Die Kirche von Pfarrer Friedrich Laker wird somit gut gefüllt sein. Er macht sich trotzdem keine falsche Hoffnung über die Anzahl der Kirchenglieder  und -besucherInnen in Dortmund und in Deutschland. Die Zeit, als am Heiligen Aabend alle Kirchen überquollen, sei schon lange vorbei, sagt der 47-jährige.

Zahl der KirchenbesucherInnen an Weihnachten nimmt jedes Jahr ab

Seit dem Konfirmanden-Unterricht hatte er den Berufswunsch, Pfarrer zu werden. Nun übt er ihn seit 20 Jahren aus. In der Zeit hat sich einiges für die Kirche verändert. Immer mehr Menschen entfernten sich von der Kirche und traten aus. 2002 reagierte die Pauluskirche genau auf diese Veränderungen.

Die Kirche schrieb eine Stelle aus – extra für experimentierfreudige Pfarrer. Friedrich Laker und seine Frau Sandra wollten diese Veränderungen mittragen und bewarben sich zusammen auf die Stelle. Beide sind froh über den Freiraum, neue Konzepte zu wagen wie BVB- oder Tiergottesdienste.

Weihnachten spricht menschliche Bedürfnisse an

Dass an Weihnachten der frühere Besucher-Boom ausbleibt, sei für Pfarrer Laker aber nicht schlimm. Weihnachten sei mehr als „nur“ ein Gottesdienst und Besucherzahlen. „Es ist die Frage nach Geborgenheit und die Suche nach beständigen Beziehungen. Und diese Sehnsucht haben nicht nur Christen, sondern auch Religionslose“, erklärt er.

Allerdings bemerke er schon in Dialogen, die Religion habe etwas Ursprüngliches für die Menschen. Sie spreche sowie Weihnachten menschliche Bedürfnisse an. Außerdem steht für ihn fest: „Ohne Weihnachten wäre unsere Gesellschaft noch kälter. Jeder, der will, soll Weihnachten feiern“ Doch wie feiert ein Pfarrer Weihnachten?

Sandra Laker und Friedrich Laker haben fünf Kinder. Trubel an Weihnachten ist somit vorprogrammiert. Trotzdem sagt er: „In Absprache mit meinen Kollegen klappt das gut! Da bleibt Zeit für Besinnliches“. Allerdings ist das nur mit guter Planung  möglich, einmal hielt er mehrere Gottesdienste am Heiligabend.

„Das war schon sehr anstrengend“ gibt er zu. Diesen Heiligabend  gibt es „nur“ einen Gottesdienst in der Pauluskirche. Der ist aber weit entfernt von dem typischen Weihnachtsgottesdienst mit Maria, Josef und einem Jesus-Kind.

Weihnachtsgeschichte ist für den Pfarrer immer noch aktuell

Friedrich Laker teilt sich - gemeinsam mit seiner Frau - die Pfarrstelle in der Pauluskirche. Fotos. Sophia StahlFür den Kultur-Pfarrer ist die Weihnachtsgeschichte eine Legende von der Liebe Gottes und der Hoffnung, die immer noch aktuell ist. „An Weihnachten wird der Himmel auf die Erde geholt. Die Menschen und Gott kommen zusammen“, sagt er.

Um diese Botschaft soll es auch in dem Erlebnisgottesdienst gehen. Der Gottesdienst ist für ein Publikum ab zehn Jahren geeignet. „Und sicherlich für alle Generationen interessant“, meint der Nordstadt-Pfarrer.

Aufdrängen will Friedrich Laker den Erlebnisgottesdienst trotzdem niemandem.  „Die Menschen finden ihren eigenen Weg in die Kirche, wenn sie wollen. Das haben wir beim Linkin-Park-Gottesdienst gemerkt.“

Kirchgang, Kerzenlicht und ein Schluck Glühwein als Bestandteile

Die gewöhnlichen Klagen der Pfarrer über den Kommerz in der Weihnachtszeit entfernen die Menschen noch weiter von der Kirche. „Pfarrer sollten sich nicht erlauben, über das Schenken zu urteilen“, findet Laker. Für ihn ist der Kommerz ein allgemeines Problem. Es falle zwar in der Weihnachtzeit besonders auf, aber Menschen suchen ihr Glück das ganze Jahr im materiellen Konsum. Die Kirche sollte sich immer dagegenstellen –nicht nur Weihnachten.

Sein persönliches Glück an Weihnachten findet Pfarrer Laker im Kerzenlicht und der Gemütlichkeit. Seine Kinder sind aus dem Haus. Zwei von ihnen sind schon selbst Eltern. „Meine Frau und ich wollen ein ganz gemütliches Weihnachten verbringen. Dazu gehört der Kirchgang, Kerzenlicht aber auch ein Schluck Glühwein“, erzählt er.

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3 Gedanken über “SERIE Weihnachten (k)eine Glaubensfrage? Pfarrer Laker: „Ohne Weihnachten wäre unsere Gesellschaft noch kälter“ 

  1. Pauluskirche und Kultur

    ERLEBNISGOTTESDIENST in der Kulturkirche

    Der vielleicht ungewöhnlichste Gottesdienst zu Heiligabend in der Region – Mit der Sebastian- Düring- Band, Schauspiel mit echtem Pferd und vielen Akteuren

    Es ist der vielleicht ungewöhnlichste Gottesdienst am „Heiligen Abend“ weit und breit. Alle Jahre wieder ein Schauspiel im Mittelpunkt – unter Beteiligung vieler Erwachsener und Jugendlicher. Die Geschichte in diesem Jahr: „Der Erlöser“. Es beginnt mit einem Blick in eine düstere Zukunft: Kriege und Naturkatastrophen haben dafür gesorgt, dass nur noch wenige Menschen auf der Erde überlebt haben. Es herrscht das „Gesetz der Straße“.

    In Timos Bande redet jemand davon, dass ein Erlöser kommen soll, von dem schon die Bibel erzähle. Doch mit dem, was dann passiert, rechnet keiner in der Gruppe. Ausgerechnet ein neugeborenes Kind und ein junges Pflänzchen sorgen für eine unverschämte Hoffnung, für Licht in der Dunkelheit. – Eine bewegende weihnachtliche Geschichte der besonderen Art (für Kinder ab 10 Jahre, Jugendliche und Erwachsene – von Paul Schröder).

    Mit echtem Pferd (Schimmel-Pony „Katinka“ aus Hagen) in der Kirche und vielem mehr. Live-Musik mit der Sebastian Düring Band. Innen-Illumination der Kirche und des Schauspiels von Jörg Rost (Schwerter Lichtkünstler).

    1. AgnusDei

      Wie hartnäckig sich doch das Vor-Urteil hält, der Mensch sei nicht sein eigener Schöpfer, Erlöser-Legenden und Selbstvernichtungsapokalypsen eingeschlossen. Bewundernswert!

  2. Pauluskirche und Kultur

    Himmlische Klänge von Barock bis Pop: Mehrfach ausgezeichnete Harfenistin Ulla van Daelen mit stimmungsvollem Jahresausklang-Konzert in der Pauluskirche

    Nun ist es schon Tradition: Nach den großen Erfolgen der letzten Jahre kommt die Kölner Harfenistin Ulla van Daelen wieder mit Duopartner Urs Fuchs (Bass und Percussion) in die Pauluskirche, um heiter und besinnlich auf das neue Jahr einzustimmen. Wieder erklingen himmlische Klänge von Barock bis Pop in der besonderen Atmosphäre der Dortmunder Kulturkirche.

    Die von der ARD als kreative Ausnahme-Musikerin bezeichnete Harfenistin Ulla van Daelen gilt als Botschafterin für innovative Harfenmusik. Als Komponistin, Interpretin und Arrangeurin bewegt sie sich stilsicher zwischen Klassik, Jazz, Folk und Pop.

    Als mehrfach ausgezeichnete Soloharfenistin an Deutschlands großen Bühnen (einschließlich 20 Jahre WDR-Orchester) hat Ulla van Daelen die ausgetretenen Pfade der klassischen Harfenliteratur weitestgehend verlassen. Sie entdeckt Neuland, kreiert ihren eigenen Musikstil und komponiert und arrangiert “was ihr unter die Finger kommt”.

    Wer einen stimmungsvollen Jahresausklang genießen möchte, ist bei diesem Konzert „zwischen den Jahren“ genau richtig in der Pauluskirche.

    Freitag, 29.12.2017 | PAULUSKIRCHE | Schützenstr. 35
    Einlass: 18:30 Uhr | Beginn: 19:00 Uhr

    Karten für 18 Euro gibt es noch an der Abendkasse

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