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Rapide steigende Wohnungslosenzahlen: Hilfsorganisationen fordern Stadt und Stadtgesellschaft zu Sofortmaßnahmen auf

Die Wohnungsloseninitiativen Kana, Gast-Haus und „bodo“ hatten eingeladen.

Die Wohnungsloseninitiativen Kana, Gast-Haus und „bodo“ hatten eingeladen.

Zum Internationalen Tag der Bekämpfung der Armut (18. Oktober), hatten die Suppenküche Kana, die Wohnungsloseninitiative Gast-Haus und „bodo“ auf die Stufen des Dortmunder Rathauses geladen. In Interviewrunden forderten sie, angesichts der rapide steigenden Wohnungslosenzahlen und des nahenden Winters, Stadt und Stadtgesellschaft zu Sofortmaßnahmen auf.

Wohnungsnotfallstatistik NRW weist für Dortmund 2016 einen Anstieg von 50 Prozent aus

Nach einem musikalischen Auftakt durch Liedermacher Peter Sturm skizzierte Bastian Pütter von „bodo“ die aktuelle Situation: Das spärliche statistische Material ‑ die tatsächliche Zahl der Obdachlosen in Dortmund wird nicht erfasst ‑ lässt die Dimension des Problems erahnen.

Die Wohnungsnotfallstatistik NRW weist für Dortmund 2016 einen Anstieg von 50 Prozent aus ‑ innerhalb eines Jahres. Die Wohnungsmarktlage hat sich inzwischen so zugespitzt, dass Menschen, die ihre Wohnung verlassen müssen oder sie in Krisen verlieren, kaum noch Chancen haben, zurück in ein Mietverhältnis zu kommen.

Die Stadt reagiert mit dem Auftrag an die Verwaltung, ein neues Konzept zur Unterbringung wohnungsloser Menschen zu erstellen. Erste Entscheidungen, wie die ‑ bescheidene ‑ Erweiterung der Notschlafstelle für Männer, sind bereits auf den Weg gebracht. Die Notschlafstelle soll in Mobilbauten einer ehemaligen Flüchtlingsunterkunft entstehen, die allerdings zurzeit für die BewohnerInnen des Hannibal benötigt werden. Die Räumung des Großwohnblocks hat unzumutbare Zustände für Hunderte Bewohner und eine weitere Verschärfung der Wohnungsmarktlage mit sich gebracht.

„Es kann nicht sein, dass Obdachlose zu Ämtergängen genötigt werden, um einen Notschlafplatz nutzen zu können“

Katrin Lauterborn, Leiterin der Wohnungsloseninitiative Gast-Haus, erinnerte daran, dass das Kälteproblem nicht mit dem Morgen ende.

Katrin Lauterborn (Gast-Haus) erinnerte daran, dass das Kälteproblem nicht mit dem Morgen ende.

Bastian Pütter erneuerte die Forderung, Unterbringung an den Bedürfnissen der Betroffenen auszurichten: „Es kann nicht sein, dass Obdachlose zu Ämtergängen genötigt werden, um einen Notschlafplatz nutzen zu können, und dass wer nicht hier gemeldet ist, nicht aufgenommen wird. Das Kriterium muss sein: Jemand braucht einen Schlafplatz, und nicht: Wer zahlt?“

Bernd Büscher von Kana schlug als kostenlose Sofortmaßnahme die Öffnung von U-Bahnstationen bei Minusgraden vor ‑ die Dortmunder Stadtwerke lehnen diesen in vielen Großstädten praktizierten Weg, wenigstens Erfrierungen vorzubeugen, regelmäßig ab. Büscher forderte im Namen des Kana e.V. die Vertreibungen und Sanktionierungen von Menschen ohne Wohnung zu beenden: „Es kann nicht sein, dass das erzwungene Schlafen im Freien weiter mit Geldstrafen bedacht wird.“.

Wohnungslosenseelsorger Daniel Schwarzmann ergänzte, dass in Städten wie Köln die Kirchen im Winter ihre Pfarrhäuser öffneten, um warme und sichere Schlafplätze zu schaffen. Er mahnte die Ökumene, nicht ihren Auftrag aus den Augen zu verlieren: Hilfe für die Schwächsten der Gesellschaft als Kern der christlichen Botschaft.

Kälteproblem endet nicht am Morgen: Tagesaufenthalte und Aufenthaltsräume für hunderte Wohnungslose fehlen

Katrin Lauterborn, Leiterin der Wohnungsloseninitiative Gast-Haus, erinnerte daran, dass das Kälteproblem nicht mit dem Morgen ende. Mit viel Einsatz werde das Gast-Haus zwar seine Nachmittags-Öffnungszeiten erweitern, es fehlten in der Stadt trotzdem Tagesaufenthalte und Aufenthaltsräume für hunderte Wohnungslose.

In der Diskussion mit dem Publikum fanden sich weitere Aspekte, die über Rat, Ausschüsse und die Arbeitskreise der Wohnungslosenhilfe in Politik, Öffentlichkeit und fachliche Arbeit eingebracht werden sollen.

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