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Probleme online und offline: Fast 22 000 DortmunderInnen suchten Rat und Hilfe bei der Verbraucherzentrale

Neu im Team der Verbraucherzentrale ist Laura Ziel (rechts), zuständig für geflüchtete Menschen. Mitte: Leiterin Helene Schulte-Boris, rechts Beraterin Beate Krause. Foto: Joachim vom Brocke

Neu ist Laura Ziel (re.), hier mit Helene Schulte-Boris (mi.) und Beate Krause (li.). Foto: Joachim vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

Sie werden nicht weniger: der Drücker an der Haustür oder massive Einschüchterungsversuche bei Inkassoforderungen. „Weniger geworden“, sagt Helene Schulte-Boris, Leiterin der Verbraucherberatungsstelle an der Reinoldistraße, „ist der Verkauf am Telefon, doch längst nicht ganz vorbei“. Wie wichtig Rat und Hilfe des Expertenteams ist, zeigt die Bilanz.

Beratungszunahme beim Onlineshopping – Neu: Geflüchtete fit machen für den Konsumalltag

Für 21 716 Ratsuchende war die Verbraucherberatung in Dortmund kompetenter Ansprechpartner für Hilfesuchende. 14 203 Kontakte betrafen nach der Statistik allgemeine Verbraucherthemen, 6792 suchten die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung auf, 721 BürgerInnen aus Dortmund und Umgebung wollten mehr über den Umweltbereich erfahren.

Mehr und mehr werden die Mitarbeiter zum Thema Online shoppen, Bezahlen mit dem Smartphone oder Kredit per Mausklick befragt – Verbraucherprobleme aus dem digitalen Konsumalltag.

Mit „Get in!“ ist ein neues Projekt in Dortmund gestartet. Damit sollen geflüchtete Menschen fit für den Konsumalltag gemacht werden. Bildungstrainerin Laura Ziel vermittelt in Trainingseinheiten in Integrationskursen das Einmaleins bei Handyverträgen, Geldgeschäften oder Mietverträgen beim Bezug der eigenen Wohnung, Neben- und Energiekostenabrechnung.

Darüber hinaus werden Fortbildungen für Personen in der Flüchtlingshilfe angeboten die Geflüchtete unterstützen. „Über einen Zeitraum von drei Jahren läuft das neue Projekt in mehreren Städten von Nordrhein-Westfalen“, informiert Laura Ziel. Termine zum Besuch der Expertin in Gruppen oder Kurse können abgesprochen werden. Das Angebot ist kostenlos. Kontakt: laura.ziel@verbraucherzentrale.nrw

Abzocke durch Täuschungen und Abofallen – Energieberatung unter „falscher Flagge“

Abzocke im Internet durch geschickte Täuschungen, ungewollte Bestellungen durch Abofallen – viele suchen Hilfe bei der Rechtsberatung der Verbraucherzentrale. Obwohl inzwischen etliche neue gesetzliche Bestimmungen die Richtlinien vorgeben, kommt es immer noch zu viel Ärger und Verdruss bei den VerbraucherInnen.

Die Verbraucherzentrale besteht in Dortmund seit 50 Jahren.

Die Verbraucherzentrale ist in Dortmund in der City zu finden. Archivbild: Klaus Hartmann

Zwar habe die Verbraucherberatung, berichtet Helene Schulte-Boris, vor Fake-Shops im Internet gewarnt, die mit verlockenden Schnäppchenpreisen für Trendprodukte werben. „Wer jedoch auf die Echtheit der Angebote vertraute und wie verlangt per Vorkasse bezahlte, sah häufig weder das Produkt noch das Geld je wieder“, weiß die Expertin.

Außerdem haben sich Ratsuchende darüber beschwert, dass Direktvertriebler an der Haustür unter dem Vorwand geklingelt hatten, um über neue Preise zu informieren, eine Energieberatung durchführen oder auch Vertragsdaten abgleichen wollen. Mal waren sie unter „falscher Flagge“ gesegelt und hatten sich als vermeintliche Mitarbeiter der örtlichen Stadtwerke oder anderer bekannter Institutionen ausgegeben.

Mit dieser seriösen Visitenkarte hatten Umgarnte schnell Vertrauen gefasst, um sich auf Angebote einzulassen. Nicht selten seien fehlende Sprachkenntnisse ausgenutzt worden, um vermeintlich günstige Strompreise vorzugaukeln. Gegen vier auffällige Anbieter auf diesem Gebiet habe die Verbraucherzentrale NRW inzwischen Klage eingereicht.

Mit falschen Kreditversprechen in Kostenfalle – Inkassokosten nehmen besorgniserregend zu

Oft führen falsche Kreditversprechen in Kostenfallen. Mit verheißungsvollen Adressen wurde auf Internetseiten der unproblematische Zugang zum bargeldlosen Bezahlen angepriesen: „Kredit und Kreditkarte ohne Schufa!“ heißt es da unter anderem.

„Was der Kunde nach seiner Anmeldung erhielt, war die Aufforderung, eine Ausgabegebühr von 49,90 Euro zu entrichten“, weiß Beate Krause, Beraterin in der Allgemeinen Verbraucherberatung: „Zudem fiel eine Jahresgebühr in ähnlicher Höhe an“. Dies alles sei für eine bloße Prepaid-Kreditkarte verlangt worden, auf die man vor der Benutzung erst Geld laden muss und die es woanders kostengünstiger gebe.

Besorgniserregend die Zunahme bei Inkassokosten. „Die Zeiten, dass es zunächst eine schriftliche Mahnung gab, sind längst vorbei“, sagt Helene Schulte-Boris: „Schon einen Tag nach Fälligkeit wird ein Inkassounternehmen beauftragt und aus vergleichsweise geringen Summen werden plötzlich horrende Forderungen“.

Dringend empfiehlt die Expertin aus der Reinoldistraße, „das Konto stets genau im Blick zu haben“. Daueraufträge, erteilte Lastschriften und zu erwartende Abbuchungen beim Bezahlen mit der Karte sollten immer mit dem aktuellen Haben auf dem Kontostand im Gleichschritt sein – sonst werden Lastschriften zurückgewiesen.

Mehr Informationen:

  • www.verbraucherzentrale.nrw/dortmund-jahrebericht2016
  • Geöffnet hat die Verbraucherzentrale in der Reinoldistraße 7-9 montags und dienstags von 9.30 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 9.30 bis 13 Uhr und von 14 bis 19 Uhr, freitags von 9.30 bis 15 Uhr.

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