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Event der anderen Art: „Leb los!“ Leerstandsparty im Rekorder

Leerstandsparty "Leb Los" im Rekorder an der Gneisenaustraße. Christoph Stark und Agnieszka Wnuczak, Kultur im Turm e. V. Oberhausen

Leerstandsparty „Leb Los“ im Rekorder an der Gneisenaustraße. Christoph Stark und Agnieszka Wnuczak, Kultur im Turm e. V. Oberhausen. Fotos: Klaus Hartmann

Zu einer Leerstandsparty war am Freitagabend geladen worden. Von einem Leerstand konnte in den Räumen des Rekorder an der Gneisenaustraße nicht die Rede sein. Viele waren gekommen und füllten den Raum bis auf den letzten Platz. Nicht wenige Interessierte Besucher mussten sich mit einem Platz in den Nischen und auf der Treppe zum Vortragsraum begnügen.

Vorträge und Diskussionen zum Thema Leerstand stießen auf starkes Interesse

Leerstandsparty "Leb Los" im Rekorder an der Gneisenaustraße

Volles Haus im Rekorder.

Dabei fing das, was gemeinhin unter Party verstanden wird, erst einige Stunden später an. Poetry Slam von Rainer Holl, House und Drum n´Bass der Dj´s Globalibre und Dash. Vorher waren Vorträge und Diskussionen über Leerstand und den kreativen Umgang mit diesem angesagt. Vorwiegend sind das kleinere Ladenlokale in den Stadtbezirken.

Ursache für den Leerstand der ehemaligen kleinteiligen Lebensmittelgeschäfte und inhabergeführten Fachgeschäfte ist die Konkurrenz großflächiger Einzelhandelszentren und deren preisgünstigeren Angeboten. Oft fehlt auch ein Nachfolger der das Geschäft weiterführt.

Internetplattform Leerstandsmelder seit 2012 für jeden Bürger offen

Leerstandsparty "Leb Los" im Rekorder an der Gneisenaustraße. Svenja Noltemeyer, Büro für Möglichkeitsräume

Svenja Noltemeyer vom Büro für Möglichkeitsräume

Der Verein „Die Urbanisten e. V.“ hat zu diesem Abend in den Keller des Rekorder eingeladen. Der Erlös der Veranstaltung wird an den Gängeviertel e. V. aus Hamburg gespendet, der die Internetplattform Leerstandsmelder 2010 ins Leben gerufen und den Urbanisten in Dortmund kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

Der Verein mit Sitz an der Rheinischen Straße betreibt das Portal seit 2012. „Jeder Bürger kann dort einen Leerstand melden“ erklärt Raumplanerin Svenja Noltemeyer. „ So gelingt es auch neben den prominenten Immobilien, wie etwa das Museum am Ostwall, auch kleinere versteckte Objekte zu erfassen.“ Bislang sind in dem Register in Dortmund 150 ehemals gewerblich genutzte Vakanzen verzeichnet. Neben den Ladenlokalen rücken auch andere Bauten in den Fokus der Diskussion an diesem Abend. „Schulen“, erwähnt beispielsweise die Planerin, „rückläufige Schülerzahlen bedingen, das Schulstandorte aufgegeben werden und man sich Gedanken über die weitere Nutzung der verlassenen Bildungseinrichtungen machen muss“.

Oberhausener berichten über Muskelhypothek und Verlagerung des Lebensmittelpunkt

Leerstandsparty "Leb Los" im Rekorder an der Gneisenaustraße. Vilim Brezina, die Urbanisten e. V.

Vilim Brezina von den Urbanisten  moderierte.

Eine ganz andere Art von Gebäude ist der Bahnhofsturm im Oberhausener Hauptbahnhof, den Christoph Stark und Agnieszka Wnuszak von KiTeV mit großen Engagement und in Eigenleistung zu einem Kulturturm hergerichtet haben. „Wir haben in dieser Zeit unseren Lebensmittelpunkt dorthin verlegt,“ beschreiben die beiden Architekten die Mühen der Instandsetzung und Neunutzung. „Als erstes haben wir die Turmuhren repariert, dass ist in der Nachbarschaft sehr gut aufgenommen worden“, beschreiben sie, wie man sich die Akzeptanz der Bevölkerung für das Projekt gesichert hat. Im September diesen Jahres ist der ehemalige Wasserturm eröffnet worden. „Im Ruhrgebiet gibt es qualitativ hochwertigen Leerstand“ beschreibt Stark die Potenziale der Region.

Rekorder, Heimat der Tonbande im Epizentrum des kulturellen Lebens in der Nordstadt

Leerstandsparty "Leb Los" im Rekorder an der Gneisenaustraße. Johannes Dregger, links, und Julian Gauda, tonbande e. V.

Johannes Dregger, links, und Julian Gauda, Tonbande e. V..

Julian Gauda und Johannes von Tonbande e. V. , der Betreiber des Rekorder und Gastgeber der Veranstaltung erzählen von der Wiedernutzung der verwaisten Kneipe. Aus einem einmaligen Festival in 2012 wurde eine dauerhafte Einrichtung für alternative Kunst und Kultur mit monatlich wiederkehrendem Programm.

„Die Nordstadt hat einen ganz schlechten Ruf, man denke nur an den vorletzten Dortmunder Tatort,“ beschreiben sie das Bild des Stadtbezirks in der Außenwahrnehmung. „Wir sind migrantisch, arm, kriminell, aber sexy,“ rufen sie ins Publikum, „aber hier tut sich was!“

In der Gneisenaustraße und deren Umgebung ist eine echte Kulturmeile entstanden. Da sind neben dem Rekorder, das Subrosa, Sissikingkong, Roto Theater, Rockawaybeat und der Kunstbetrieb zu nennen. Vieles davon hat eine Heimat in ehemals leerstehenden Immobilien gefunden und mit Nutzungen durch Kreative abseits eines rein kommerziellen Interesses zu einer erheblichen Aufwertung und zu stabilen sozialen Strukturen im Quartier geführt.

Helga Beckmann vom Quartiersmanagement Rheinische Straße berichtete von der Zwischennutzungsagentur in Wuppertal,  ein Projekt von Thomas Weyland und Gaby Schulten, die erstmals grundsätzliches Wissen über den Leerstand, dessen  Eigentümerstruktur und -Verhalten, ermittelte. Zudem wie man mit Eigentümer ins Gespräch kommt und, und, …

Den Besuchern des Abends. angelockt durch die starken Inhalte dieser Party, schien es zu gefallen. Ach ja, tanzen konnte sie später auch noch.

Weitere Infos im Internet: 

http://tonbande.com/

http://leerstandsmelder.de/dortmund

 

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