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Neues Leben in alten Räumen: Menschen mit Behinderungen arbeiten im „Haus Kunterbunt“ in Lütgendortmund

Die Naturerkundung ist in der Waldgruppe für Menschen mit Behinderung im Haus Kunterbunt Lütgendortmund sehr wichtig.

Die Naturerkundung ist in der Gruppe für Menschen mit Behinderung in Lütgendortmund sehr wichtig.

Von Alexander Völkel

Neues Leben in alten Räumen gibt es in Lütgendortmund: Im Haus Kunterbunt ist die dritte dezentrale Werkeinheit für Menschen mit komplexen Behinderungen der Werkstätten der AWO Dortmund (WAD) eingezogen. In Kooperation mit Bethel.regional haben dort zwölf Menschen mit schwersten und/ oder Mehrfachbehinderungen in der ehemaligen Begegnungsstätte des AWO-Ortsvereins einen Arbeitsplatz gefunden.

Dritte dezentrale Werkeinheit für Menschen mit Behinderungen

Nach dem Büro für Unterstützte Kommunikation in der Leuthardstraße und der Kleingartenanlage Otto Hue ist es bereits die dritte Werkeinheit. Somit sind nun 36 der 150 Arbeitsplätze für Menschen mit komplexen Behinderungen außerhalb der zentralen Werkstatt in Lindenhorst untergebracht.

Die Arbeit ist bereits angelaufen. Aber erst jetzt (19. September 2017) wurde die Einrichtung an der Dellwiger Straße 240a offiziell eröffnet.

In Lütgendortmund finden vor allem Menschen mit hohem Bewegungsdrang und solche, die gerne draußen sind, ein passendes Angebot. Neben Arbeiten im Freien werden hier auch Bastelarbeiten aus Waldmaterialien gefertigt. Die Beschäftigten werden u.a. im noch herzurichtenden Garten und beim Anlegen eines „Pfades der Sinne“ helfen.

Wichtige Ergänzungsangebote wie in der Werkstatt in Lindenhorst

Die dritte dezentrale Werkeinheit für Menschen mit Behinderungen wurde jetzt offiziell eröffnet. Foto: AWO

Die dritte dezentrale Werkeinheit für Menschen mit Behinderungen wurde jetzt offiziell eröffnet. Foto: AWO

Natürlich ist allen Beteiligten klar, dass das wirtschaftliche Arbeiten nur einen Teil des arbeitspädagogischen  Angebotes ausmacht. Es geht vor allem darum, eine sinnvolle und erfüllende Arbeits- und Lebenssituation zu bieten. Aus diesem Grunde sind die begleitenden Angebote wichtig.

Deshalb wird es auch hier einen „Snoezelen-Raum“ (Entspannungsraum) geben. Außerdem gibt es Bewegungs- und Musikangebote sowie Reha-Sport. Die Einrichtung soll der Werkstatt in diesen Angeboten in nichts nachstehen. Das Essen wird über einen Caterer geliefert. Es soll aber auch ergänzende Kochangebote geben – vor allem, um das selbst gezogene Gemüse zu verarbeiten.

Langfristig soll auf dem Gelände ein waldpädagogischer Standpunkt entstehen, den künftig auch andere Institutionen nutzen können, berichtet Henrike Struck, Leitung des Werkbereichs der Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt.  Die Beschäftigten sind so oft wie möglich im Freien und im Wald. „Wir merken, dass es ihnen sehr gut tut und dass es Bedürfnisse und Interessen trifft“, berichtet Struck.

„Es sind Leute, die bisher schon aus den geschlossenen Räumen der Werkstatt rauswollten. Wir sind mit ihnen auf das Außengelände oder in den Fredenbaumpark gegangen.“ Für diese Mitarbeiter*innen sei das neue Angebot ein deutlicher Gewinn.

Wiederbelebung des AWO-Hauses „Kunterbunt“ unweit des Volksgartenparks

Die Naturerkundung ist in der Waldgruppe für Menschen mit Behinderung im Haus Kunterbunt Lütgendortmund sehr wichtig.

Naturerkundung ist dem Team im Haus Kunterbunt sehr wichtig. Fotos (2): Alex Völkel

Struck freut sich, dass nach der Auflösung des Ortsvereins die Begegnungsstätte weiterhin im Geiste der Arbeiterwohlfahrt genutzt wird. Die Lage des Hauses zwischen Kleingarten, Wald und Volksgartenpark bietet sich für waldpädagogische Arbeiten an. Die Einrichtung sucht jetzt auch das Gespräch und die Zusammenarbeit mit örtlichen Gruppen – so mit dem benachbarten Gartenverein und auch den Naturfreunden.

Vor Ort tragen Forstwirt Hendrik Kollmar-Heidkamp und Heilerziehungspflegerin Melanie Rengers die Verantwortung. Sie werden von Ergänzungskräften unterstützt. Forstwirt Kollmar-Heidkamp hat erstmals eine Arbeit mit Menschen mit Behinderungen aufgenommen. Ihn hat die Arbeit vor allem wegen des Waldschwerpunktes gereizt.

Mit Menschen mit Behinderungen hatte er bisher nur ehrenamtlich gearbeitet. Nach einer arbeitspädagogischen Ausbildung will er nun gemeinsam mit seiner Kollegin den Beschäftigten die Umwelt und die Natur im wahrsten Sinne begreifbar und erfahrbar machen.

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