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Neues Angebot des Gesundheitsamtes Dortmund: Hebammen besuchen Übergangseinrichtungen für Flüchtlinge

Sevic Mir Jahan ist medizinische Fachangestellte im Gesundheitsamt und empfängt die Hilfesuchenden.

Seit Jahresbeginn bietet das Gesundheitsamt in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt für schwangere Frauen und Wöchnerinnen in den kommunalen Unterkünften für Flüchtlinge eine neue, niederschwellige Leistung an. Zwei Hebammen mit jeweils einer Teilzeitstelle wurden dafür zunächst befristet auf zwei Jahre eingestellt.

Flüchtlinge haben Anspruch auf eine medizinische Versorgung

Dezernat 5: Stadträtin Birgit Zoerner

Birgit Zoerner

Ziele des für die Frauen in den kommunalen Einrichtungen freiwilligen Angebotes sind die gesundheitliche Sorge in der ersten Phase ihres Aufenthaltes und das Heranführen an das Gesundheitssystem vor Ort.

„Wir sind sehr froh, dass wir dieses Angebot jetzt an den Start bringen konnten. Die positive Reaktion der Frauen in den kommunalen Einrichtungen unterstreicht schon jetzt die Notwendigkeit und die Bedeutung“, sagt Sozialdezernentin Birgit Zoerner.

Flüchtlinge haben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz Anspruch auf eine medizinische Versorgung. Werdende Mütter und Wöchnerinnen erhalten alle Leistungen, die auch gesetzlich Versicherten zustehen.

Dazu zählen unter anderem amtlich empfohlene Schutzimpfungen, Vorsorgeuntersuchungen und die Betreuung durch eine freiberuflich tätige Hebamme.

Neu angekommene schwangere Frauen oder Mütter mit Säuglingen haben jedoch Schwierigkeiten, Zugang zum System freiberuflicher Hebammen zu bekommen. Ein Grund ist, dass Termine oftmals schwer zu erhalten sind, da diese in der Regel längerfristig geplant und vergeben werden.

Hebammen haben haben sich in allen Einrichtungen vorgestellt

Der Wartebereich für die Hilfesuchenden im Gesundheitsamt.

Der Wartebereich im Gesundheitsamt.

Hinzu kommt, dass die Flüchtlinge zu Beginn ihres Aufenthaltes das deutsche Gesundheitssystem nicht kennen und sie aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse auf Hilfe angewiesen sind. Das betrifft auch die Beratungen an der städtischen Hebammen-Hotline.

Die Hebammen des Gesundheitsamtes haben sich in allen Einrichtungen persönlich vorgestellt, das Angebot wurde dort sehr begrüßt.

Die Hebammen bieten in jeder Dortmunder Flüchtlings-Einrichtung einmal in der Woche zu festen Zeiten für zirka zwei Stunden in einem separaten Raum eine freie Sprechstunde an.

Das niederschwellige Angebot des Gesundheitsamtes umfasst: Beratung zur Ernährung, Hygiene, Hilfen bei Schwangerschafts-Beschwerden, Untersuchung der Brust, Hilfe bei Stillproblemen, Untersuchung des Kindes bis zum ersten Lebensjahr (Größe, Gewicht, Haut, Nabel, Fontanelle, Entwicklungsstand, Beratung bei einer Fehlgeburt).

Hebammen sind im Gesundheitsamt an die Aufsuchende Elternberatung angegliedert

Ein Flyer informiert über die Termine. Die neu eingestellten Hebammen sind im Gesundheitsamt an die Aufsuchende Elternberatung angegliedert; die Finanzierung übernimmt das Sozialamt.

Die Hebammen-Hotline bietet das Gesundheitsamt in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt seit 2012 an zwei Wochentagen für jeweils zwei Stunden an.

Im Jahr 2013 gab es 284 Nachfragen zur Vermittlung von Hebammen: davon konnten 55 Nachfragen nicht bedient werden. 2014 gab es 394 Gesuche wobei 119 Frauen keine Hebammen vermittelt werden konnten.

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Ein Gedanke zu “Neues Angebot des Gesundheitsamtes Dortmund: Hebammen besuchen Übergangseinrichtungen für Flüchtlinge

  1. Stadt Dortmund Beitrags Autor

    Hebammenbetreuung für Flüchtlinge wird fortgesetzt

    Der Verwaltungsvorstand befasste sich in seiner letzten Sitzung mit dem Sachstandsbericht des Gesundheitsamtes zur gesundheitlichen Versorgung von Schwangeren in den kommunalen Unterkünften für Flüchtlinge.

    Seit dem 1. Januar 2016 nehmen diese Aufgabe zwei teilzeitbeschäftigte Hebammen des Gesundheitsamtes wahr. Dieses Angebot ist zunächst auf zwei Jahre befristet. Der Verwaltungsvorstand befürwortet die Weiterführung des Angebotes über diesen Zeitraum hinaus sowie die unbefristete Weiterbeschäftigung der Hebammen.

    Das Betreuungsangebot umfasst im Wesentlichen die gesundheitliche Sorge in den ersten Tagen des Aufenthaltes sowie das Heranführen an das Gesundheitssystem. Schwangere, Wöchnerinnen und Säuglinge sind bei der Aufnahme in einer Gemeinschaftseinrichtung am Ende eines langen Fluchtweges oft gesundheitlich sehr schlecht zurecht.

    Die „normale“ Betreuung durch Hebammen in der ersten Phase des Aufenthaltes in Dortmund gestaltet sich recht schwierig. Termine bei freiberuflich tätigen Hebammen werden in der Regel längerfristig geplant. Außerdem erschweren Sprachschwierigkeiten den Zugang zum Gesundheitssystem.
    Die beiden Hebammen sind in das Team der Aufsuchenden Elternberatung des Gesundheitsamtes eingebunden. Somit profitieren sie von der Unterstützung durch die verschiedensten medizinischen Professionen. Dadurch können notwendige weitere Hilfen schnell installiert werden.

    „Dass die Frauen von Anfang an Unterstützung erfahren, verhindert Unsicherheiten und Überforderungen. Die dauerhafte Etablierung des Angebotes befürworte ich sehr“, sagt Sozialdezernentin Birgit Zoerner.
    Da die Anzahl der in Dortmund aufgenommenen Flüchtlinge im Laufe des Jahres 2016 zurückgegangen ist, wurden Einrichtungen geschlossen. Die Familien sind aus den Flüchtlingseinrichtungen zunehmend in Wohnungen gezogen.

    Dort sind die Familien häufig auf sich alleine gestellt. Umso wichtiger ist die Unterstützung durch eine Hebamme. Daher finden bei den geflüchteten Frauen und ihren Familien seit Januar 2017 überwiegend Hausbesuche statt. Im häuslichen Umfeld der Familie sind eine individuelle Beratung und bedürfnisbezogene Betreuung einfacher möglich. Im Rahmen ihrer Lotsenfunktion knüpft die Hebamme für und mit den Frauen Kontakte zu den Unterstützungsangeboten vor Ort.

    Ein weiteres Angebot ist die Offene Hebammen-Sprechstunde für alle geflüchteten Familien in Dortmund. Diese findet immer dienstags und freitags von 12 bis 14 Uhr in der Flüchtlingsunterkunft Braunschweiger Straße, in der ehemaligen Apostolischen Kirche, statt.

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