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Morden im Norden: Hamburger Krimi-Autorin Simone Buchholz siedelt neue Dortmund-Geschichte im Unionviertel an

Mord am HellwegVon Leonie Krzistetzko

„Henkers.Mahl.Zeit“ lautet das Thema der neunten Ausgabe des Krimi-Festivals „Mord am Hellweg“. Insgesamt 23 renommierte Krimi-AutorInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden in diesem Jahr von der Kulturregion Hellweg eingeladen, um Kurzkrimis für die festival-eigene Anthologie zu schreiben. Der Hamburger Autorin Simone Buchholz wurde die Stadt Dortmund zugeteilt. Von Mittwoch bis Freitag recherchierte sie vor Ort.

Bei „Mord am Hellweg“ wird jedem Autoren eine Stadt oder eine Gemeinde zugewiesen

„Ich war sehr froh, als ich erfahren habe, dass ich hier in Dortmund recherchieren darf“, erzählte Simone Buchholz. Die 45-jährige Schriftstellerin lebt in Hamburg und ist unter anderem Trägerin des Radio-Bremen-Krimipreis 2017. In diesem Monat belegt sie Platz eins der Krimi-Bestenliste der FAZ und des Deutschlandfunks.

Aktuell recherchiert sie für ihren Kurzkrimi, den sie im Rahmen des Literaturfestivals „Mord am Hellweg“ schreibt. Dafür besuchte sie drei Tage lang Dortmund.

Bei „Mord am Hellweg“ wird jedem Autoren eine Stadt oder eine Gemeinde zugewiesen, in dem der Kurzkrimi spielen soll. Die Kurzkrimis dürfen eine Seitenzahl von 15 nicht überschreiten und werden in einer Anthologie gesammelt. Während des Festivals „Mord am Hellweg“ werden die AutorInnen ihren Kurzkrimi dort vorlesen, wo er auch spielt.

Eine Dortmunderin auf der Flucht

Der Hamburger Autorin Simone Buchholz wurde die Stadt Dortmund zugeteilt.

Der Hamburger Autorin Simone Buchholz wurde Dortmund zugeteilt.

„Spannend ist es natürlich, wenn die Lesung sogar an dem Ort stattfindet, an dem der Mord in der Geschichte angesiedelt ist“, so Sigrun Krauß. Sie leitet das Krimi-Festival.

Buchholz wollte am liebsten über Fußball schreiben, als sie von Sigrun Krauß zu dem Festival eingeladen wurde. „Ich habe dann aber schnell bemerkt, dass das Thema bereits auserzählt ist“, sagte die Schriftstellerin. Stattdessen möchte sie sich lieber auf einzelne Stadtteile fokussieren. „Ich mag es gerne, wenn Geschichten in bestimmten Vierteln spielen. So ein Mikrokosmos kann eine ganze Stadt erklären“, erzählte die Autorin.

Besonders begeistert hat sie das Kreuzviertel und das Unionviertel. „Das Viertel rund um das Dortmunder U war für mich ein Highlight neben der Kokerei Hansa. Das U ist ein tolles Wahrzeichen, das man von allen Ecken aus sieht“, so Buchholz. Auch die Kokerei Hansa und der Phönixsee werden eine große Rolle in ihrem Kurzkrimi spielen.

Auch zu der Hauptfigur hat Buchholz schon eine Information bekannt gegeben: „Es wird um eine junge Frau auf der Flucht gehen“, sagte die 45-Jährige.

Dortmunder überzeugen Hamburger Schriftstellerin mit gerader, unverblümter Sprache

„Ich bin von Dortmund beeindruckt. Vor allem von der geraden Art zu reden. Es wird nicht so viel ,rumgetüddelt‘ wie in Hamburg beispielsweise. Der Ton ist an sich ein bisschen rougher“, erzählte Buchholz. Sie selbst wohnt auf St.Pauli. „Es gibt immer eine Art, auf der das Herz schlägt und das ist immer die Sprache“.

Die AutorInnen von „Mord am Hellweg“ sollen die Geschichten vor Ort recherchieren, nicht nur über das Internet. „Wir legen großen Wert darauf, dass in den Geschichten die Atmosphäre der Stadt eingefangen wird“, so Festivalleiterin Sigrun Krauß. „Man muss in die Stadt fahren, um ein Gefühl für sie zu bekommen“, ergänzte Buchholz.

Vorgaben gab es für die AutorInnen nur drei: Es muss mindestens ein Mord geschehen, die Geschichte muss zum Oberthema „Henkers.Mahl.Zeit“ passen, und es muss der Ort vorkommen, der dem Autoren zugeteilt wurde.

Krimi-Festival „Mord am Hellweg“ präsentiert die „Crème de la Crime“

Europas größtes internationales Krimi-Festival gibt es seit 2002 und wird 2018 zum neunten Mal in der Kulturregion Hellweg stattfinden. „Wie haben die Autoren eingeladen und ausgesucht. Dabei haben wir darauf geachtet, wer zur ,Crème de la Crime“ gehört“, so Sigrun Krauß.

Zu den AutorInnen der neunten Ausgabe gehören unter anderem renommierte Krimi-AutorInnen wie Bernard Aichner, Wulf Dorn und Elisabeth Germann.

Europas größtes internationales Krimifestival lud sogar Sebastian Fitzek ein

 „Wir legen großen Wert darauf, dass in den Geschichten die Atmosphäre der Stadt eingefangen wird“, so Festivalleiterin Sigrun Krauß.

„Wir legen großen Wert darauf, dass in den Geschichten die Atmosphäre der Stadt eingefangen wird“, betont Festivalleiterin Sigrun Krauß. Foto:  Leonie Krzistetzko

Zu den Teilnehmern gehörte unter anderem Sebastian Fitzek, der heute einer der bekanntesten deutschen Krimi-Autoren ist. „Fitzek ist dem Festival immer noch sehr dankbar“, erzählte Sigrun Krauß, „vorher erzählte er mir von Lesungen, bei denen außer ihm nur der Buchhändler anwesend war“. Das Festival sei dazu da auch wenig bekannte AutorInnen zu fördern.

Teil des Festivals ist seit 2008 auch der europäische Krimipreis. Zu den Preisträgern der letzten Jahre gehörten unter anderem Henning Mankell und Sebastian Fitzek.

„Gewalt gibt dem Krimi seine Struktur“

Simone Buchholz lässt sich von Menschen inspirieren, in Städten oder Bars, schreibt darüber was ihnen passiert und wie sie damit umgehen. Dabei steht Gewalt in ihren Krimis nicht im Vordergrund. Buchholz geht es darum zu beleuchten, warum Gewalt passiert und wie Menschen mit dem, was passiert ist, umgehen. „Gewalt gibt unserem Genre eine Struktur. Aber ich zeige sie nicht ohne Grund. In meinen Romanen geht es nicht um Splatter-Gewalt“, erzählte die Schriftstellerin.

Buchholz ist ausgebildete Journalistin und schreibt seit 2006 Kriminalromane. Seit zwei Jahren lebt sie ausschließlich von ihren Romanen. Ihr ist es wichtig auch die aktuelle politische Situation in ihren Romanen aufzugreifen. „Kein Genre wie der Krimi kann so gut auf aktuelle Themen reagieren“, erklärte Sigrun Krauß.

Krimi-Festival „Mord am Hellweg“ findet vom 15. September bis 10. November 2018 statt

Ende März ist der Abgabeschluss für die Kurzgeschichten, dann beginnt das Lektorat. „Mord am Hellweg“ findet vom 15. September bis zum 10. November 2018 statt.

Das Festival wird 220 Veranstaltungen umfassen. Medienpartner sind die Welt am Sonntag und der WDR.

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