Nordstadtblogger

Melanie Huber schreibt vier Monate über die Kulturregion Ruhrgebiet – Ihr Schreibtisch steht bei den Nordstadtbloggern

Melanie Huber berichtet für „stadt.land.text“ aus Dortmund über die Kulturregion Ruhrgebiet. Fotos (3): Ole Steen

Melanie Huber berichtet für „stadt.land.text“ aus Dortmund über die Kulturregion Ruhrgebiet. Fotos (3): Ole Steen

Von Ole Steen

Vier Monate lang schreibt Melanie Huber über das Ruhrgebiet. Huber, die in Kiel als freie Lokal-, Kultur- und Onlinejournalistin arbeitet, legt den Fokus ihrer Beiträge auf alltägliche Situationen. Sie will „die kleinen Dinge im Leben“, wie etwa zufällige Gespräche in der Bahn, die sie überhört hat, beschreiben. „Das Leben wird lebenswerter, wenn man auch Kleinigkeiten und andere Leute wahrnimmt“, findet Huber.

Ihr Schreibtisch steht im Büro der Nordstadtblogger im Depot

WDR dreht mit Melanie Huber bei den Nordstadtbloggern

Auch die WDR-Lokalzeit drehte mit Melanie Huber bei den Nordstadtbloggern im Depot. Foto: Alex Völkel

Sie ist eine von zehn sogenannten „Regions-SchreiberInnen“, die vier Monate lang in Nordrhein-Westfalen unterwegs sind und über die unterschiedlichen Kulturregionen berichten. Das ist das Programm „stadt.land.text“ des Kulturministeriums und der Kulturregionen des Landes NRW.

Über das Ruhrgebiet schreibt die freie Journalistin Melanie Huber aus dem Depot in der Dortmunder Nordstadt. Ihre Texte schreibt sie nicht nur an ihrem Schreibtisch im Büro der Nordstadtblogger im Kulturort Depot, sondern auch unterwegs – sie hat ihren Laptop oder zumindest das Handy immer griffbereit, um sich Notizen zu machen.

Sie ist aber nicht nur selber oft Bestandteil ihrer Texte, auch andere Medien berichten über sie – WDR, DSW21 und weitere haben sie schon bei der Arbeit begleitet und sich die Klinke in der Nordstadtblogger-Redaktion in die Hand gegeben.

An der Dortmunder Nordstadt schätzt die Wahl-Kielerin die Lebendigkeit, wie etwa auf dem Nordmarkt, wo sie sich über das „tolle Essen und die interessanten Leute“ freut. Besonders das Depot als „kulturelle Anlaufstelle für Dortmund und die Nordstadt“ sei ein wichtiger Teil des Nordens. Huber begeistert sich für die vielfältigen kulturellen Angebote direkt an ihrem Arbeitsplatz – Kino, Theater und vieles mehr ist im Depot zu sehen.

Ebenfalls nur Positives kann sie über die Nordstadtblogger berichten, in deren Büro sie arbeitet. „Das Magazin ist wichtig für Dortmund, um zu zeigen, dass die Nordstadt mehr ist als nur eine Problemzone der Politik“, so Huber.

„Dortmund ist lustig“ – Huber schätzt die Offenheit der Dortmunder

Die Schaukeln vor der Reinoldikirche haben es Melanie Huber angetan.

Die Schaukeln vor der Reinoldikirche in der Dortmunder City haben es Melanie Huber angetan.

„Dortmund ist lustig“ findet Huber, und beschreibt damit wie die Stadt sich von ihrer Wahlheimat Kiel unterscheidet. „Das besondere an Dortmund sind die Menschen“, die viel offener seien als in Kiel oder eben Saarbrücken, wo Huber herstammt.

Die Ruhrgebiets-Stadt sei zwar „ein bisschen schäbig, aber voller Menschen und Leben“. Sie hat sich „direkt zuhause gefühlt“.„Bodenständig, aber sehr schön und grün“ – so beschreibt Melanie Huber Dortmund.

Und auch über die Offenheit der Menschen hat sie seit Anfang Juli viele Erfahrungen gemacht. So saß sie mit ihrem Klapp-Fahrrad in einem Park und begegnete dort einer Frau – diese war fasziniert von dem Klapp-Rad, und fragte ob Huber ihr den Mechanismus zeigen könne. Nachdem Huber dies tat, bedankte sich die Frau und ging weiter.

Melanie Huber will den Alltag der Menschen im Ruhrgebiet kennen lernen

Impressionen von Melanie Huber, die auf Instagram und Twitter unter dem Namen „meliterature“ postet.

Impressionen von Melanie Huber, die auf Instagram und Twitter unter dem Namen „meliterature“ postet.

Auch die BVB-Fans haben es ihr direkt angetan. Es sei spannend, wie alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen verrückt nach dem Verein sind und sich „Anzugleute“ angeregt mit Ultras in kompletter Fan-Montur über den Club, die Spieler und den Trainer unterhalten.

Um Geschichten zu finden setzt sie sich oft in Bus und Bahn oder stundenlang in einen Park. Vor allem durch die öffentlichen Verkehrsmittel „erfährt man viel mehr von der Stadt“, als wenn man mit dem Auto unterwegs ist. „Der Weg ist das Ziel“ für Huber, da sie den Alltag der Menschen hier kennenlernen und beschreiben will.

Dafür will sie „bewusst durch den Alltag gehen“, denn dieser „macht unser Leben aus“. Um das zu erreichen muss Huber sich manchmal „zwingen, nicht auf das Handy zu gucken“ und stattdessen ihre Umwelt wahrnehmen. „Viele fahren jeden Tag den gleichen Weg zur Arbeit, gucken aber nie aus dem Fenster“, moniert Huber auch.

Sie will mit ihren Texten das genaue Gegenteil darstellen: Dass alles bewusst wahrgenommen wird, auch wenn es nur ein alltäglicher Weg zur Arbeit ist. Man müsse solche „Momente akzeptieren und wahrnehmen“.

Zum Schluss werden alle Texte nach Uhrzeit geordnet – Es entsteht ein Ruhrgebiets-Tag

Melanie Huber am Dortmunder Phoenix-See.

Melanie Huber am Dortmunder Phoenix-See.

Sie dokumentiert dabei für sie interessante oder skurrile Alltagssituationen. Beispielsweise beschreibt sie, wie eine Schulgruppe vor der Zeche Zollern auf die Öffnung dieser wartet.

Plötzlich fällt einer Lehrerin auf, dass drinnen ja nichts gegessen werden darf – Also fordert sie die Kinder auf jetzt schon die Schulbrote zu essen, damit sie später keinen Hunger haben. Solche kleinen Details des alltäglichen stellt Huber auf dem Blog eingehend dar.

Ihre Texte versieht Huber alle mit einem Zeitstempel – am Ende der vier Monate ordnet sie die Beiträge chronologisch, sodass zusammenfassend ein typischer Ruhrgebiets-Tag entsteht. Außerdem verfasst sie für jeden Text eine Info-Box, in der sie die Hintergründe des Beitrages erklärt – etwa die Geschichte der Zeche-Zollern oder die Popularität des Filmes „Bang Boom Bang“ im Ruhrgebiet.

Zehn SchreiberInnen berichten bei „stadt.land.text“ über die Kulturregionen NRWs

Stadt - Land - TextZehn Stipendien für die RegionsschreiberInnen sind anlässlich des Jubiläums „20 Jahre Regionale Kulturpolitik“ vergeben worden. Die Texte der SchreiberInnen erscheinen auf dem Blog stadt.land.text NRW 2017 – Huber veröffentlicht von Juli bis Oktober 2017 jede Woche zwei Beiträge dort.

Neben Hubers Texten über das Ruhrgebiet erscheinen dort auch die Beiträge der neun anderen KulturschreiberInnen. Diese berichten aus den Regionen Aachen, Bergisches Land, Hellweg, Münsterland, Niederrhein, Ostwestfalen-Lippe, Rheinschiene, Sauerland und Südwestfalen.

Beiträge und Bildimpressionen von Melanie Huber gibt es hier:

Mehr zum Thema bei Nordstadtblogger.de:

Stipendien vergeben: Zehn RegionsschreiberInnen berichten auf der Seite „stadt.land.text“ aus Nordrhein-Westfalen

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