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Martin Schulz verspricht beim Besuch der AWO-Kita Burgholzstraße mehr Geld für Betreuungsangebote

Kinder der AWO-Kita in der Burgholzstraße in der Nordstadt begrüßen Martin Schulz mit einem Lied.

Von Mira Kossakowski

Mit einem Lied wurde Martin Schulz bei seinem Besuch in der AWO-Kita Burgholzstraße begrüßt. Im Rahmen seiner Wahlkampftour kam der Kanzlerkandidat der SPD gemeinsam mit den SPD-Bundestagsabgeordneten Sabine Poschmann und Marco Bülow am Mittwoch (6. September) nach Dortmund. Dabei entdeckte er nicht nur den Alltag der Kita: Besonders kam die Frage nach einer gerechteren Unterstützung von Kindertagesstätten und weiteren Betreuungsangeboten auf.

AWO-Kita Burgholzstraße: Chancen und Herausforderungen kultureller Vielfalt

Kita-Leiterin Christa Schäfer überreicht Martin Schulz ein Geschenk als Erinnerung an die AWO-Kita Burgholzstraße.

Die AWO-Kita Burgholzstraße ist ein Paradebeispiel für kulturelle Vielfalt. Eltern und Kinder aus 25 unterschiedlichen Nationen treffen hier Tag für Tag aufeinander. Dass genau das auch eine große Herausforderung sein kann, erklärt Kita-Leiterin Christa Schäfer: „Ich bin Idealistin, aber hier wurde ich schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.“

Viele der Eltern in der Kita sprechen kein Deutsch oder üben sehr unterschiedliche Traditionen aus: „Wir wollen auch Demokratie in den Familien vermitteln.“ Doch dafür braucht es Sprachvermittlung – nicht nur bei den Kindern.

Bei seinem Besuch lernt Martin Schulz die Vielfalt der Kita Burgholzstraße kennen. In der multikulturellen Kindertagesstätte spielen, essen und lernen Kinder mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen gemeinsam.Ein besonderer Fokus liegt in der als „Caruso-Kita“ zertifizierten Einrichtung auf der musikalischen Erziehung. Deshalb wird Schulz mit einem von den Kindern gesungenen Lied begrüßt. „So gut kann ich nicht singen“, merkt er lächelnd an.

Im Gebäude fällt vor allem ein Kunstwerk auf, das an der Treppe der Kita hängt. Zwischen den Handabdrücken der Kinder steht ein Spruch, der zeigen soll, dass Menschen trotz aller Unterschiede auch zahlreiche Gemeinsamkeiten haben.

Herausforderungen: Betreuungsangebote schließen verstärkt Eltern mit ein

Kinder der AWO-Kita beteiligen sich am Kochangebot. Fotos: Alex Völkel

Zusätzlich zu dem Betreuungsangebot arbeitet die AWO in dieser Kita mit Sprach- und BewegungstherapeutInnen zusammen. Unter anderem bietet sie auch Besuche der Bibliothek oder ein Elterncafé an, in dem auch Eltern zusammen lernen.

Vor allem im Rahmen der Aktion „Tischlein deck dich“ möchte die AWO Kinder zusätzlich fördern. Bisher bietet das rein ehrenamtliche Projekt, das durch Spenden unterstützt wird, 150 Kindern in der Libellen-Grundschule ein kostenloses, gesundes Frühstück an.

Jetzt möchte die Arbeiterwohlfahrt das Angebot auch auf kulturelle Aktivitäten ausweiten. „Kinder brauchen auch geistiges Futter“, kommentiert Gerda Kieninger, Vorsitzende des Dortmunder Unterverbandes der Arbeiterwohlfahrt.

Bei einem Blick über das Gelände des Familienzentrums erklärt Christa Schäfer Martin Schulz, wie wichtig die Netzwerkarbeit zwischen verschiedenen Institutionen für die Nordstadt ist. Vor allem die Wohnsituation vieler Eltern sei ein großes Problem, merkt Gerda Kieninger an.

Forderung von AWO-Chefin Kieninger: „Ungleiches soll ungleich behandelt werden“

Wichtige Lösungsansätze zur komplizierten Betreuungssituation kommen ebenfalls zur Sprache.

Nach dem Rundgang durch die Kita, bei dem Schulz die Räumlichkeiten und Angebote der Einrichtung kennen lernt, finden sich die Teilnehmer des Wahlkampfauftrittes im Elterncafé ein. Dort finden regelmäßig Veranstaltungen statt, die auch die Eltern stärker in die Arbeit der Kita einbinden sollen.

Hier kommt es im Gespräch schnell zu den ernsten und wichtigen Fragen, derer sich die SPD nach der Bundestagswahl am 24. September annehmen will. Vor allem soll es um gerechtere Finanzierungsmodelle für Betreuungsangebote gehen.

„Ungleiches soll ungleich behandelt werden“, fordert Gerda Kieninger von der AWO. Im Süden Dortmunds herrsche beispielsweise ein deutlich geringerer Förderbedarf als in der Nordstadt. In den als Sozialräume definierten Bereichen müsste mehr Geld in die Hand genommen werden. Schließlich seien hier die Förderbedarfe und Herausforderungen höher. 

„Wir brauchen da eine bessere Ausstattung als in den anderen Bereichen“, so Kieninger. „Jedem Kind das Gleiche“ sei das falsche Konzept. Jedes Kind müsse individuell gefördert werden, dass am Ende alle die gleichen Bildungschancen und Startvoraussetzungen hätten, ergänzte AWO-Geschäftsführer Andreas Gora.

Schulsozialarbeit als weitere Herausforderung – Landesförderung wackelt

„Wir sind gebunden an das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“, merkt Martin Schulz an. Gleichzeitig bemühe man sich darum, genau dieses Problem zu lösen. Dafür möchte die SPD die Steuerüberschüsse von über 30 Milliarden Euro unter anderem in die Betreuung investieren.

„Wir können das Geld in die Bundeswehr oder die Bildung investieren. Da haben die Menschen die Wahl.“ Zusätzlich soll das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern aufgehoben werden und eine Entlastung der Kommunen durch finanzielle Zuschüsse erfolgen.

Dadurch können wichtige Projekte langfristig realisiert werden. Wichtig sei dies auch mit Blick auf die Schulsozialarbeit, merkte Marco Bülow an. Denn die Sorge ist groß, dass nach dem Regierungswechsel in Düsseldorf künftig die Landesförderung wegfallen könnte. Dutzende Stellen allein in Dortmund wackeln – die Finanzierung ist nur bis zum Ende des laufenden Schuljahres gesichert. Die Forderung ist, dass der Bund daher für eine dauerhafte Finanzierung sorgt.

Nach seinem Besuch in der AWO-Kita Burgholzstraße zeigt sich Martin Schulz dankbar und von der Arbeit der ErzieherInnen beeindruckt. Er betont zum Abschluss die Bedeutung erzieherischer Arbeit: „Die Frage der Betreuung kann in Talkshows diskutiert, aber nur vor Ort umgesetzt werden.“

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